Marktsicht

Tanken Sie jetzt!

Abseits der Griechenland-Diskussion erlangt ein Thema wieder unangenehme Prominenz: der Ölpreis. Vor fast exakt einem Jahr stieg der Brent-Ölpreis in Folge des Arabischen Frühlings von einem Niveau um 95 US-Dollar auf zwischenzeitlich gut 120 US-Dollar an.

Diesmal sind es die Drohgebärden des Iranischen Staatspräsidenten Ahmadinedschad, die den Ölpreis antreiben. Und wir spüren die Auswirkungen an der Zapfsäule.

Gerne wird dann zu klassischen Phrasen wie „Früher war alles besser!“ und „Der Euro ist ein Teuro“ gegriffen, doch bringt einen das in keiner Weise weiter. Vielmehr wird es darauf ankommen, sich an die geänderte Situation anzupassen. Dazu muss allerdings die Frage beantwortet werden, ob der Preisanstieg des Öls überhaupt von Dauer sein wird oder ob es sich nur um ein Strohfeuer handelt.

Interessanterweise ist beides richtig. Der jüngste extreme Preisschub ist sicherlich nicht von langfristiger Knappheit bzw. starker weltweiter Nachfrage getrieben, sondern hauptsächlich durch das Säbelrasseln im Iran. Schließlich ist der Iran der viertgrößte Ölproduzent der Welt, nach Russland, Saudi Arabien und den USA. Und nun hat die EU einen Boykott Iranischen Öles ab Juli beschlossen, um das Land zu einem Umlenken in der aktuellen Atompolitik zu zwingen. Der Iran reagierte seinerseits mit einem sofortigen Öl-Exportstop nach Frankreich und Großbritannien und droht obendrein mit der Schließung der Straße von Hormus. Eben genau der Meerenge, die den Persischen Golf und den Golf von Oman verbindet und durch die etwa 1/5 des weltweit gehandelten Öles transportiert wird. Sollte die Diskussion um das Iranische Atomprogramm weiter eskalieren und sich in dieser Region eine kriegerische Auseinandersetzung formieren, wäre ein Ölpreisanstieg auf 200 US-Dollar nicht unwahrscheinlich.

Diesem kurzfristigen Strohfeuer steht allerdings ein langfristiger Trend gegenüber. So wird auch die langfristige Nachfragesteigerung aus den Schwellenländern, die Internationale Energie Agentur rechnet mit einem weltweiten Anstieg der Energienachfrage um 1/3 bis 2035, bei gleichzeitig kaum steigender Öl-Förderung den Preis des schwarzen Goldes antreiben. Somit wird sich der Benzinpreis an der Zapfsäule nach Glättung der Wogen im Iran sicherlich zunächst wieder ermäßigen, langfristig wird man sich jedoch auf deutlich höhere Öl- und Benzinpreise einstellen müssen.

Und egal wie sehr uns das missfällt, wir werden es nicht verhindern können. Das bedeutet, wir werden unser Verhalten anpassen müssen. Ein spritsparendes Auto oder eine effiziente Heizungsanlage wird damit zur Notwendigkeit. Kurzfristig bleibt nur ein Ratschlag, um sich gegen eine Eskalation im Nahen Osten abzusichern: Tanken Sie jetzt!

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation hat die Weberbank entweder selbst angestellt oder aus von der Weberbank als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt kann die Weberbank für die Richtigkeit ihrer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Jens Herdack

Jens Herdack,
Senior-Portfoliomanager der Weberbank


Jens Herdack hat die Schwerpunkte Aktien-, Rohstoff- und Alternative Investments. Seit 2002 ist der Diplomkaufmann und Analyst bei der Weberbank tätig und blickt auf insgesamt 14 Jahre Investmenterfahrung im Wertpapier- und Derivatesegment zurück.