Marktsicht

Wirtschaftliches Umfeld weiter durchwachsen

Die amerikanischen Konjunkturzahlen fielen in der letzten Woche insgesamt eher durchwachsen aus. Positiv überrascht hat der kräftige Anstieg der Auftragseingänge für langlebige Güter sowie die Stimmungsaufhellung der Konsumenten und des Industriesektors.

Auf der anderen Seite entwickelten sich Arbeits- und Häusermarkt schlechter als erwartet. Auch das BIP-Wachstum im vierten Quartal fiel mit 2,8% schwächer aus, als von den Volkswirten erwartet worden war.

Das Wachstum war vor allem vom Privatkonsum und dem Lageraufbau getrieben, wobei allein die Lagerinvestitionen fast 2% zum Wachstum beitrugen. Der größte Störfaktor war der US-Staat, der seine Ausgaben auf allen Ebenen um 4,6% drückte. Wir schätzen die Wachstumsaussichten für die amerikanische Wirtschaft weiterhin eher verhalten ein. Einerseits dürfte der Beitrag der Lagerinvestitionen zukünftig deutlich geringer ausfallen, und andererseits wird der Spardruck bei der öffentlichen Hand noch stärker zunehmen. Die derzeitige Wirtschaftleistung ist viel zu gering, um die Arbeitslosenquote nachhaltig und in absehbarer Zeit zu senken. Auch vom Export wird angesichts der europäischen Schuldenkrise und der globalen Wachstumsabkühlung kein großer Wachstumsimpuls zu erwarten sein. '

Die Konjunktur in der Eurozone zeigt zaghafte Stabilisierungsanzeichen. Sowohl die Einkaufsmanagerindizes in Europa als auch der ifo- und ZEW-Index lagen über den Markterwartungen. Allerdings sind die regionalen Unterschiede weiterhin sehr groß. Während sich die nordeuropäischen Länder gut halten, ist in den südeuropäischen Problemländern weiterhin mit gravierenden wirtschaftlichen Einbußen zu rechnen. Der enorme Spardruck in diesen Ländern wird auch zukünftig die Konjunktur belasten.

Der Anstieg des deutschen ifo-Index ist bereits der dritte in Folge, und zusammen mit dem starken Anstieg im ZEW-Index sendet er ein erfreuliches Konjunktursignal aus. Dies weckt die Hoffnung, dass das konjunkturelle Tief bald überwunden werden kann oder zumindest Kerneuropa nicht gänzlich in eine Rezession abzugleiten droht. Allerdings zeigen die enttäuschenden Zahlen zu den Auftragseingängen, dass die wirtschaftliche Erholung auf wackligen Füßen steht und die Gefahren für den weiteren Konjunkturverlauf weiterhin hoch sind. Für eine nachhaltige Erholung sollten sich erst die Unsicherheiten rund um die Euro-Schuldenkrise verflüchtigen.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation hat die Weberbank entweder selbst angestellt oder aus von der Weberbank als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt kann die Weberbank für die Richtigkeit ihrer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

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Jens Herdack

Sören Wiedau,
Senior-Portfoliomanager der Weberbank


Sören Wiedau hat den Schwerpunkt europäische Einzelaktien und ist seit 1999 bei der Weberbank tätig. Der Diplomkaufmann hat zudem seinen Abschluss um die Qualifikation Certified European Financial Analyst erweitert.