Marktsicht

Kupon versus Rendite

Warum eigentlich „versus"? Ist das nicht das gleiche? Nein! Natürlich nicht und doch werden nicht nur die beiden Begriffe, sondern auch ihre Bedeutungen immer wieder verwechselt. Dabei ist es für den langfristigen Erfolg von entscheidender Bedeutung, bei einem Engagement in Anleihen nicht nur auf die Kupons oder die Renditen zu achten.

Foto: dpa

Doch wo liegt denn nun der Unterschied? Der Kupon entspricht der jährlichen Verzinsung einer Anleihe, welche auf den Nominalwert berechnet wird. Dies ist der Wert, der am Laufzeitende zurückgezahlt wird. Während der Laufzeit bleibt die Verzinsung in der Regel gleich. Die Rendite eines festverzinslichen Wertpapiers beinhaltet jedoch neben dem Kupon auch die Differenz aus Verkauf- und Kaufpreis. Daher unterscheidet sich auch stets die jährliche Rendite einer Anleihe vom Kupon, sobald der Kurs über oder unter dem Nominalwert liegt. Für eine genaue Renditeangabe muss nun nur noch der Zeitraum zwischen Kauf und Verkauf oder der Endfälligkeit der Anleihe berücksichtigt werden. So gibt beispielsweise die Kaufrendite denjenigen Ertrag an, der durch die Verzinsung einer Anleihe und der Differenz aus Kaufpreis und Nominalwert erzielt wird.

Aber warum ist die Unterscheidung der einzelnen Begriffe für den Anleger wichtig. Zum einen kann bereits zum Zeitpunkt des Kaufes die Rendite deutlich unter dem Kupon liegen. Dies ist immer dann der Fall, wenn der Preis einer Anleihe über ihrem Nominalwert liegt. Eine bloße Betrachtung der Verzinsung würde somit einen zu hohen Ertrag suggerieren und den Anleger täuschen. Und zum Zweiten lehrt uns die Vergangenheit, dass zwischen der erreichbaren Wertentwicklung und dem Kupon oder auch der Kaufrendite in den letzten Jahrzehnten deutliche Differenzen festzustellen waren. Verantwortlich hierfür sind die Preisbewegungen der Anleihen, welche beispielsweise durch sich ändernde Zinserwartungen hervorgerufen werden können.

Diese Preisbewegungen können für den Anleger aber auch einen nicht unerheblichen Zusatznutzen darstellen. Insbesondere dann, wenn das Engagement in Anleihen an die jeweiligen Marktphasen angepasst wird. Durch gute Ein- und Ausstiegszeitpunkte können dabei Erträge erreicht werden, die deutlich über dem Kupon und auch der ursprünglichen Kaufrendite der Anleihen liegen. Eine konsequente Risikoüberwachung ermöglicht es dabei nicht nur erzielte Gewinne zu sichern, sondern auch mögliche Verluste zu vermeiden.

Insgesamt sollte die Kombination aus aktiver Anlagestrategie sowie der permanenten Überwachung der Einzelbestände und der Portfoliozusammensetzung die Erträge steigern und verstetigen. Voraussetzung ist das notwendige Fachwissen sowie ein entsprechendes Zeitbudget - auch der richtige Einsatz der zahlreichen Zinsinstrumente zur optimierten Umsetzung der Investitionen in Anleihen kann den entscheidenden Vorteil bringen. Eine professionelle Unterstützung bei der persönlichen Anlagestrategie entsprechend der jeweiligen Zins- und Konjunkturzyklen ist daher sehr wertvoll, um die tatsächliche Rendite zu steigern – unabhängig vom aktuellen Kupon.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation hat die Weberbank entweder selbst angestellt oder aus von der Weberbank als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt kann die Weberbank für die Richtigkeit ihrer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

www.weberbank.de

Jens Herdack

Jan Gengel,
Senior-Portfoliomanager der Weberbank


Jan Gengel ist verantwortlich für die Kapitalmarktanalyse und das Rentenmanagement der Weberbank. Der gelernte Bankkaufmann besitzt zudem akademische Abschlüsse als Diplomvolkswirt, Certified European Financial Analyst und Certified International Investment Analyst.