Marktsicht

Dem Wachstum auf der Spur

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Klaus Siegers

Foto: dpa

Wer die Märkte in diesen Wochen als nervös bezeichnet, trifft es nicht ganz. Ein zurückhaltender Mensch würde davon sprechen, dass Emotionen und Psychologie die Börsen auf eine Achterbahnfahrt schicken. Die drastischere Variante lautet: Panik und Angst herrschen. Und die sind bekanntlich keine guten Ratgeber.

In Zeiten, in denen nur eines sicher ist, nämlich die hohe Unsicherheit, fällt es auch uns Bänkern schwer, Rat zu geben. Daher ist es sinnvoll, durchzuatmen, gedanklich einen Schritt zurück zu machen und sich die fundamentalen Trends unserer Zeit und deren zugrunde liegenden Fakten anzusehen. Die beantworten dann die Frage, was unsere Kurse eigentlich langfristig bewegt. Wer sich daran ausrichtet, muss erstens nicht nach den täglichen Kursbewegungen blicken und ist zweitens strategisch richtig aufgestellt.

Die Suche nach den bedeutenden Trends und Fakten unserer Zeit lenkt den Blick weg von der gegenwärtigen Schuldenkrise und den währungspolitischen Fragen in Europa hin zu Themen wie Bevölkerungswachstum und Wirtschaftswachstum. Hier scheinen für aufkommende Volkswirtschaften wie Brasilien, Russland, Indien und China rosige Zeiten anzubrechen: Der Welthandel verschiebt sich bereits zunehmend in ihre Richtung. Ihre Verschuldung ist überschaubar. Sie verfügen über immense Rohstoff- und Devisenreserven. Das Haushaltseinkommen steigt beeindruckend und sichert künftigen Konsum.

Sie verzeichnen beneidenswertes Wirtschaftswachstum und das bei besten Perspektiven, denn ihre Bevölkerungsstruktur ist vorteilhaft: Volkswirte sehen dann höchstes Potential, wenn der Anteil der Kinder bis 14 unter 30% fällt und der Anteil der über 65-Jährigen noch unter 15% liegt. Diese Phase haben wir längst hinter uns; Brasilien, China und Russland sind mitten darin, Indien hat dieses Zeitfenster noch vor sich. Die Marktkapitalisierung der Aktien aus diesen Staaten wird steigen. Das wachsende Haushaltseinkommen dort wird seinen Weg in die Finanzmärkte finden; bereits jetzt gibt es 137,5 Millionen Wertpapierdepots in China, Tendenz steigend. Die wachsende Bevölkerung dort wird den weltweiten Konsum– und übrigens auch die Rohstoffpreise – maßgeblich beeinflussen.

Und was heißt das für den Anleger? Natürlich sind kurzfristig Absicherungsstrategien angesichts der volatilen Märkte gefragt. Aber langfristig muss sich das Portfolio an der Entwicklung der aufkommenden Staaten orientieren, dem Mega-Trend unserer Zeit. Hier drängen sich zunächst drei Maßnahmen auf: erstens die Höhergewichtung deutscher Aktien. Überrascht? Maschinen- und Fahrzeugbau, Elektro und Chemie – darauf entfallen 80% der Importe dieser Staaten aus Deutschland. Wir sind der globale Hightech-Ausrüster. Mit einer gezielten Auswahl heimischer Titel lässt sich auch vom Wachstum am anderen Ende der Welt profitieren. Zweitens Kauf von ausgewählten regionalen Aktien; hier eignen sich aus hiesiger Sicht am besten Fonds, die die Unternehmen vor Ort genau kennen. Und drittens die Überprüfung der Gewichtung alternativer Investments im Portfolio wie z.B. Rohstoffe oder Immobilien bzw. Immobilienaktien.

Die aktuellen Kursausschläge lassen einen leicht den enormen Veränderungsprozess in der Weltwirtschaft übersehen. Der braucht uns freilich nicht zu ängstigen. Stattdessen sollten wir ihn für unsere strategischen Anlageentscheidungen nutzen. Wo Entwicklungen absehbar sind, kann man sich auf sie einstellen. Folgen wir dem Wachstum!

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation hat die Weberbank entweder selbst angestellt oder aus von der Weberbank als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt kann die Weberbank für die Richtigkeit ihrer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

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Jens Herdack

Klaus Siegers,
Vorsitzender des Vorstandes Weberbank


Zu seinen beruflichen Stationen zählen Düsseldorf, London, Luxemburg und Frankfurt. Klaus Siegers, seit 2005 bei der Weberbank, verantwortet unter anderem Strategie, Personal, die Vermögensverwaltung und die Betreuung institutioneller Kunden.