Marktplatz Bildung

Professionelle Beratung zu Qualifizierungsangeboten

Auf der Berliner Bildungsmesse am 3. April im ehemaligen Kino Kosmos können sich Besucher jeden Alters über Aus- und Weiterbildungen sowie sowie über einen beruflichen Neustart informieren.

Foto: europublic

Dort, wo einst im Kinosaal 4 des Kinos Kosmos Filme wie „Der englische Patient“ ausgestrahlt wurden, ist am 3. April das Aktionszentrum Gesundheit zu Gast. Das Herzstück des 20. Markplatz Bildung. Es ist schon Tradition der Bildungsmesse, eine Branche besonders hervorzustellen. In diesem Jahr also „Gesundheit und Pflege“. Denn der demografische Wandel unserer Gesellschaft bewirkt eine Bedarfsentwicklung im Pflegebereich.

Derzeit fehlen etwa 30.000 Altenpfleger. In den kommenden Jahrzehnten wird der Anteil der älteren Menschen noch einmal deutlich zunehmen. „Wir setzen darauf, dass diese Situation durch Weiterbildung entschärft werden kann“, sagt Horst Junghans von der Weiterbildungsdatenbank Berlin und Projektkoordinator der Bildungsmesse.

Deswegen lautet das Motto der Bildungsmesse auch „Gut, dass du da bist – Perspektiven in Pflegeberufen“. Der Fokus liegt auf Pflegeeinrichtungen, Bildungsanbieter und Beratungsstellen, die Auskunft zu den beruflichen und mentalen Anforderungen sowie zu den Aus- und Weiterbildungsangeboten in der Branche geben.

Karriere mit geringer Qualifizierung

„Es gibt gute Bildungsangebote, die auch ohne große Vorkenntnisse zu einem Abschluss führen und ich meine hier einen Abschluss als gelernter Pfleger und nicht als Hilfskraft“, sagt Horst Junghans. Gezielte Förderprogramme würden helfen, auch mit geringer Qualifizierung in den Beruf zu finden. Besonders die Nachfrage nach Weiterbildungen im Betreuungsbereich sei groß. Denn bei der Pflege käme es nicht nur auf medizinisch-technisches Wissen an, sondern auch auf die mentalen und psychologischen Voraussetzungen der Bewerber. Betreuungseinrichtungen würden vermehrt auf diesen Aspekt der Ausbildung Wert legen. Die Bildungseinrichtungen haben darauf reagiert und ihr Lehrangebot ergänzt.

Wer schon einmal die ersten praktischen Erfahrungen im Pflegeberuf sammeln will, kann im Saal 4 die Anwendung von technischen Hilfsmitteln üben oder das Anlegen von sterilen Kitteln mit Mundschutz und Haube trainieren. Highlight: Der Alterssimulationsanzug. Einmal hineingeschlüpft kann ein 20-Jähriger hautnah fühlen, wie er sich als 80-Jähriger bewegt. Die praktischen Übungen werden von den Gesundheitsschulen Bergmann betreut, Vorträge runden das Angebot ab. Zudem ist die Gebärdenfabrik Berlin vor Ort, die über ihre Kurse in deutscher Gebärdensprache informiert, aber auch über Integrationsmaßnahmen für gehörlose und schwerhörige Arbeitssuchende.

103 Aussteller und 37 Fachvorträge

103 Aussteller aus dem Bildungsbereich sind auf dem Marktplatz Bildung, der seit neun Jahren zweimal jährlich stattfindet, vertreten. 37 Fachvorträge rund um Fördermöglichkeiten, Aus- und Weiterbildung runden das Angebot ab. „Hier findet man gebündelt alle Angebote, wenn man sich für eine Fortbildung interessiert – vom 200 Stunden Basiskurs bis zur Berufsausbildung“, sagt Horst Junghans von der Weiterbildungsdatenbank, die mehr als 29.000 Einträge von rund 1100 Bildungsanbietern an 2621 Veranstaltungsorten aus der Region listet. „Wer wissen will, welche Berufe in Berlin Zukunft haben, wer sich über Fördermittel informieren möchte, wer Bewerbungstipps sucht oder sich beruflich neu orientieren möchte, findet hier Inspiration, Information und konkrete Inhalte der beruflichen Weiterbildung.“

Neben den Gesundheits- und Pflegeberufen sind auch die Anbieter präsent, die Weiterbildungen, Umschulungen oder Ausbildungen in den Bereichen IT, Sprachen, Touristik, Haus- und Betriebswirtschaft, Computertechnik, Logistik oder im breiten Feld der Medien sowie im gesamten Spektrum der Bürotätigkeiten anbieten.

Darunter zwei Anbieter, deren Zielgruppe Frauen sind: zum einen Berufsperspektive Fiona, die Beratungen zum Wiedereinstieg und zur beruflichen Neuorientierung durchführen und zum anderen das Frauen Computerzentrum Berlin. „Wir sprechen mit unseren Angeboten zum einen Berufsrückkehrerinnen an sowie Frauen, die schon länger erwerbslos sind und einen beruflichen Wiedereinstieg suchen“, sagt Duscha Rosen vom Frauen Computer Zentrum.

Bildungsangebote für Frauen

„Der Marktplatz Bildung ist für uns eine gute Gelegenheit, Weiterbildungsinteressentinnen auf unsere Qualifizierungsangebote aufmerksam zu machen und in individuellen Gesprächen eine erste Kurzberatung zu geben“, sagt Duscha Rosen. „Wie sprechen mit unseren Angeboten zum einen Berufsrückkehrerinnen an sowie Frauen, die schon länger erwerbslos sind und einen beruflichen Wiedereinstieg suchen.“

So zum Beispiel mit der neuen modularen Fortbildung „IT- und Medienkompetenz für den Berufsalltag“, in der berufsrelevantes IT-Basiswissen, zeitgemäße E-Mail-Korrespondenz, professionelle Anwendung der MS-Office-Programme und Arbeiten im Netz vermittelt wird.

Erwerbslose Frauen mit guter Qualifikation, die etwa nach einem Hochschulabschluss keinen adäquaten Berufseinstieg finden konnten, oder Frauen, die sich beruflich neu orientieren müssen und einen Quereinstieg wagen wollen, erhalten in der sechsmonatigen Vollzeit-Fortbildung „Content- und Social Media-Managerin“ eine intensive Vorbereitung auf Schnittstellenjobs im Bereich moderner, mediengestützter Marketing- und PR-Tätigkeiten. „Mit den neu erworbenen Social Media Kompetenzen in Verbindung mit einer guten Erstausbildung erschließen sich – so unsere Erfahrung der letzten drei Jahre – unseren Teilnehmerinnen, erfolgreich neue Tätigkeitsfelder und Job-Chancen“, sagt Duscha Rosen.

Berufe für Haus

Als spannendes Berufsfeld bezeichnet auch Dürt Wolf, Geschäftsführerin von Inhaus, Haushaltsnahe Dienstleistung und Bildung GmbH, die Weiterbildung zum „Hausmanager“, die sie auf der Bildungsmesse vorstellen möchte. „In der Hauswirtschaft zu arbeiten ist vielseitig“, sagt sie. „Saubermachen, bügeln einkaufen, den Haushalt schmeißen“, und das immer in anderen Einsatzgebieten.

Selber beschäftigt Inhaus 30 festangestellte Hausmanager. Ihren Nachwuchs bildet das Unternehmen für haushaltsnahe Dienstleistungen gerne selber aus, stellt aber auch externe Fachkräfte ein. Inhaus bietet aber auch Weiterbildungen im Bereich Gastgewerbe oder Altenpflege an.

„Auf der Messe suchen wir Hausmanager, Ausbilder für die Altenpflegeschule und Bildungswillige, die eine Aus- und Weiterbildung suchen“, sagt die Inhaus-Geschäftsführerin. „Arbeitssuchenden bieten wir Qualifizierungsangebote, Umschulungen, Fortbildungen, modulare Maßnahmen, sodass sich jeder auch ein Programm selber zusammenstellen kann.“

Weiterbildung in der Tourismus-Branche

Teilnehmer für Weiterbildungskurse in den Bereichen Tourismus, Hotelerie und Reisevermittlung sucht die SFT Schule für Tourismus Berlin GmbH, aber auch Teilnehmer für fachbezogene Computerkurse. „Demnächst startet eine Umschulung zum Touristikkaufmann“, sagt Gabriela Klammt, Ausbildungskoordinatorin Hotel an der Touristik-Schule. „Die Umschulung dauert 22 Monate und wird von der Arbeitsagentur gefördert.“ Wer sich beruflich neu aufstellen möchte, könnte in dieser Branche sicherlich ein neues Standbein finden.