Weiterbildung

Das sollten Sie über Weiterbildungsangebote wissen

Beatrix Boldt ist Geschäftsführerin des Forum Berufsbildung und Leiterin berufliche Aus- und Weiterbildung. Für die Berliner Morgenpost beantwortet sie Bildungsfragen.

Foto: Christian Kielmann

Ich habe sehr unregelmäßige Arbeitszeiten. Ich würde aber gerne eine Weiter- bildung machen. Wie kann ich das trotzdem hinbe kommen?

Die Lösung für orts- und zeitunabhängiges Lernen heißt Fernlernen. Sie lernen wann und wo Sie wollen, so lassen sich Ihre Zukunftspläne optimal mit Arbeit, Familie und Freizeit vereinbaren. Sie legen Ihren individuellen Lernrhythmus, Lernort- und Tempo selber fest. Diese Weiterbildungsform erfordert jedoch Selbstdisziplin, Eigenmotivation und Zeitmanagement. Wer sich gut organisiert, kommt zum Erfolg. Bei einem Fernlehrgang erhalten die Teilnehmer die Studienbriefe, mit deren Hilfe sie sich das gewünschte Know-how erarbeiten, regelmäßig per Post. Die Studienbriefe umfassen das aktuelle Fachwissen der jeweiligen Branche, Praxisbeispiele und Abbildungen. Nach der Bearbeitung eines Lehrbriefes, kann das Wissen durch einen Studientest überprüft werden. Besonders sind Lehrgänge zu empfehlen, die mit thematisch passenden Präsenzseminaren das Selbstlernen ergänzen. Das Wissen wird vertieft und der Bezug zur Praxis entsteht. Oft bietet eine dazugehörige Online-Plattform den Lehrgangsteilnehmern zusätzlich die Möglichkeit, Aufgaben online zu erledigen, Fragen zu klären sowie mit den Dozenten und anderen Lernenden in Kontakt zu treten. Bei der Entscheidung, welcher Lehrgang der richtige für Sie ist, sollten Sie Aktualität und Praxisnähe der Kursinhalte sowie mögliche Abschlüsse prüfen. Lassen Sie sich intensiv beraten und achten Sie darauf, ob eine kontinuierliche persönliche, pädagogische Betreuung für Fragen rund um den Ablauf und zu den Inhalten enthalten ist. Fernlehrgänge mit Qualität sind von der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht (ZfU) geprüft und zugelassen. Wenn sie zertifiziert sind, können sie bis zu 100 Prozent gefördert werden.

Meine Arbeitsberaterin empfiehlt mir eine Weiter- bildung mit Bildungsziel. Welche Vorteile ergeben sich für mich?

Diese Empfehlung ist wichtig: Ihre Vorteile sind die sichere staatliche Finanzierung und der schnelle Einstieg in den Job. Jedes Jahr überprüfen die Berliner Agenturen für Arbeit und Jobcenter im Rahmen ihrer Bildungszielplanung für welche Berufe Fachkräfte fehlen. Hierfür werden Branchentrends und die Arbeitsmarktentwicklung analysiert. Diese Ergebnisse bilden dann die Grundlage für die Benennung der Bildungsziele und die Vergabe der Bildungsgutscheine. Das heißt, dieser Planung liegt die Überlegung zugrunde, Weiterbildungen nur zu finanzieren, wenn zu erkennen ist, dass im entsprechenden Berufsfeld später eine Beschäftigung zu erwarten ist. Wenn Sie sich also bei der Auswahl Ihres Berufes daran orientieren, haben Sie eine optimale Chance auf Förderung. Außerdem werden Sie im Anschluss an die Weiterbildung, Umschulung oder Fortbildung wahrscheinlich sofort eine Anstellung finden, da es im gewählten Bildungsziel viele Arbeitsplätze gibt. Aktuelle Berufe, in denen Fachkräfte gesucht werden, sind im kaufmännischen Bereich: Steuerfachangestellte und Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte sowie Fachkräfte für die Buchhaltung. Mitarbeitermangel herrscht auch in den Bereichen Reinigung und Sicherheit. Bei den Gesundheitsberufen fehlen Altenpfleger und Medizinische Fachangestellte, besonders mit Spezialisierung Zahnmedizin. Wer qualifizierte Kenntnisse und Fertigkeiten in den Branchen Kfz, Sanitär, Schweiß- und Fertigungstechnik vorweisen kann, ist klar im Vorteil. Ingenieure der verschiedensten Fachrichtungen mit Zusatzwissen im EDV-Bereich wie z. B. CAD werden bevorzugt eingestellt. Im Einzelhandel ist der Kassenpass ein Muss. Infos gibt die Agentur für Arbeit.

Immer wieder hört man, dass die Gesundheitsbranche boomt. Kann ich beruflich davon profitieren und wie kann man in die Branche einsteigen?

Laut einer Studie der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) kann Deutschland im laufenden Jahr mit rund 60.000 neuen Arbeitsplätzen in der Gesundheitswirtschaft rechnen. Gründe dafür sind die Alterung der Bevölkerung und das wachsende Bewusstsein für eine gesunde Lebensweise. Daraus resultieren die unterschiedlichsten beruflichen Möglichkeiten. Speziell in der medizinischen Versorgung werden neben den klassischen Berufen wie Arzt und Krankenschwester auch Medizinische Fachangestellte stark nachgefragt, besonders Zahnmedizinische Fachangestellte. Auch in der Altenpflege wird nach qualifiziertem Personal gesucht. Kaufmännisch gearbeitet wird mit dem Berufsbild Kaufmann/frau im Gesundheitswesen etwa als Chefarztsekretärin. Im Ernährungs- und Fitnessbereich gibt es viele Jobangebote für Fachpersonal in der Beratung. Quereinsteiger, die sich beruflich neuorientieren wollen, sollten sich mit einer passgenauen Weiterbildung Fachwissen aneignen und können so ihren Traumarbeitsplatz finden. Selbst die Förderchancen der Branche sind gut, da die Arbeitsagenturen einen Großteil der Gesundheitsberufe zum Bildungsziel erklärt haben. Für junge Erwachsene gibt es spezielle senatsgeförderte Orientierungsprogramme, etwa StartAB. Hier werden einzelne Berufe und Arbeitgeber vorgestellt. Die Gespräche zwischen Branchenprofis und Auszubildenden stellen dann die Weichen für eine optimale Berufswahl. Für Berufstätige ist eine Weiterentwicklung gut machbar. Ob Fachwirtabschluss, Hochschulstudium oder Spezialisierung - die Arbeitgeber unterstützen solche Weiterbildungsvorhaben und ermöglichen den Aufstieg. Infos beim Berufe-Informationsportal der Agentur für Arbeit.

Habe ich mit einer Weiterbildung wirklich Chancen auf einen Arbeitsplatz?

Eine bewusst gewählte, auf Ihre Vorkenntnisse abgestimmte Weiterbildung erhöht deutlich Ihre Einstellungschancen. Sie schließt fachliche Lücken und umfasst viel mehr als Bildung. Ihre persönlichen Stärken und versteckten Talente werden aufgedeckt und geben Ihnen Sicherheit im Auftreten. Je nach familiärer Situation, eigener Motivation und verfügbarer Zeit können Sie den Umfang Ihrer Weiterbildung passgenau wählen. Oft führen verschiedene Wege zum Ziel. Für eine große Zahl der Stellenausschreibungen sind EDV-Kenntnisse, Sprachen, Wirtschaftsgrundlagen oder Branchenbesonderheiten, wie der Kassenpass im Einzelhandel, Grundvoraussetzung. Diese sollten durch staatlich anerkannte Abschlüsse nachgewiesen werden. Streben Sie einen neuen Berufsabschluss an, öffnet die klassische Umschulung Ihnen die Tür zum Arbeitsmarkt. Fast alle Weiterbildungen beinhalten ein Praktikum, um Berufserfahrungen zu sammeln und den Arbeitsalltag kennenzulernen. Gute Weiterbildungsangebote enthalten darüber hinaus Trainings für Bewerbungsgespräche, Coachings, Exkursionen und Projekte, die Ihnen die praktische Anwendung des Gelernten ermöglichen. Für potenzielle Arbeitgeber sind Sie, wenn Sie an einer Weiterbildung teilgenommen haben, besonders interessant, denn Sie bringen frisches Fachwissen mit und haben persönliches Engagement bewiesen. Zertifizierte Bildungsdienstleister bieten vor Beginn eines Lehrgangs kostenlose, individuelle Beratungen an, um für jeden das richtige Angebot zu finden. Sie beraten Sie auch zur Finanzierung und zu Fördermöglichkeiten. Die guten Firmenkontakte können Sie direkt in den Job vermitteln.