Gründer

Bafög oder Kredit – woher bekommen Studierende Geld?

Gründer Bastian Krautwald hilft Studierenden beim Bafög-Antrag. Er zeigt Nutzern auf seinem Portal auch alternative Finanzquellen auf.

Bastian Krautwald ist einer der Gründer von DeineStudienfinanzierung. Seine Firma betreibt das gleichnamige Portal DeineStudienfinanzierung.de.

Bastian Krautwald ist einer der Gründer von DeineStudienfinanzierung. Seine Firma betreibt das gleichnamige Portal DeineStudienfinanzierung.de.

Foto: Sven Lambert

Berlin.  „Es dauert rund sieben Stunden einen Erstantrag auf Bafög auszufüllen und abzugeben“, sagt Bastian Krautwald. Diese Stundenzahl hat das Statistische Bundesamt vor einigen Jahren ermittelt. „Und dann weiß ich noch nicht mal gleich, ob ich überhaupt etwas bekomme oder wie viel.“

Nach der Antragstellung kann es mehrere Wochen bis hin zu Monaten dauern, bis der Bescheid ins Haus flattert und Klarheit bringt. Mit seinem Start-up DeineStudienfinanzierung will Krautwald das beschleunigen.

Und nicht nur das: „Wir möchten jedem Studierenden zu einer Finanzierung seines Studiums verhelfen.“

Gründungsidee schon an der Uni

Die Gründungsidee hatte der heute 22-Jährige bereits, als er an der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) im dualen Studium eingeschrieben war – BWL, Fachrichtung Bank.

Parallel zur Ausbildung in der Investitionsbank Berlin lernte er damals auch das Privatkundengeschäft in einer Filiale der Volksbank kennen. Dabei stellte er sich die Frage: Könnte man Bankberatung nicht auch online anbieten?

Krautwald fand in David Meyer und Alexander Barge zwei Mitgründer. Gemeinsam entwickelten sie die digitale Bankberatung Compaio.

Schnell bemerkten sie jedoch, dass ihre Idee am Bedarf vorbeiging. „Kein Kunde steht morgens auf und sagt sich: Heute schließe ich mal eine schöne Versicherung ab“, sagt Krautwald und lacht.

Stattdessen wurde ihnen klar: Beratung in Finanzsachen, das benötigt man ganz besonders in bestimmten Lebenssituationen. Das Gründerteam befragte mehr als 150 Studierende. Und es sei immer wieder die gleiche Antwort gekommen: „Als ich zum Studieren ging, hatte ich keine Ahnung, wie ich das finanzieren soll.“

Studienanfängern fehlt Gefühl für Geld

Aber nicht nur die Frage „Woher kommt die Knete?“ schien relevant zu sein, erzählt Bastian Krautwald. „Wenn ein Studienanfänger beginnt, hat er kein Gefühl für Geld“, stellten die Gründer fest.

Während der eine glaube, in Berlin mit 400 Euro im Monat zurechtzukommen, gehe der nächste von 1800 Euro aus, schildert der 22-Jährige die Ex­treme. Also machten sich Krautwald, Meyer und Barge an die Produktentwicklung.

Den Start konnten sie mithilfe mehrerer Business Angels finanzieren. Das sind Förderer, die sowohl Geld investieren, als auch ihr Wirtschafts-Know-how beisteuern. Auch die Aufnahme in die Start-up-Schmiede „Plug and Play“ des Medienhauses Axel Springer half dem Trio.

Vor gut drei Monaten konnten sie dann ihr Portal DeineStudienfinanzierung.de online stellen. (Angehende) Studierende können dort zunächst ihren monatlichen Finanzbedarf ermitteln. Der kann je nach Studienort sehr unterschiedlich sein.

„Das variiert zwischen 700 Euro, da wo ich herkomme, in der Nähe von Magdeburg, und 1200 Euro in München“, so Krautwald. Nach Angabe des Studienorts werden Zuschüsse, mit denen zum Beispiel die Eltern dem Studierenden unter die Arme greifen, abgezogen. Und schließlich geht es darum, wie die benötigte Restsumme finanziert werden kann.

Als erstes der Bafög-Check

An erster Stelle steht dabei das Bafög. „Unterstützung beim Ausfüllen der Formulare bieten auch andere an“, sagt Bastian Krautwald. „Aber wir sagen dem Studi in Echtzeit, ob es sich lohnt, den Antrag auszufüllen.“ Auf dem Portal erfährt er sofort, ob er förderberechtigt ist und wie hoch sein Anspruch wäre.

Anschließend werden automatisch alle notwendigen Formblätter erstellt, und das Portal listet auf, welche Nachweise der Studierende dazu noch anbringen muss. „Die kann man dann hochladen“, so der 22-Jährige. „Wir überprüfen sie und reichen den Antrag vollständig ein.“

Etwa vier Wochen dauere die Bearbeitung der so gestellten Bafög-Anträge, schildert Bastian Krautwald seine Erfahrung mit den ersten Kunden.

Ein weiterer Vorteil ergibt sich, wenn – zum Beispiel bei Streitfällen in getrennten Familien – die am Antrag beteiligten Familienmitglieder keinen Zugang zu den Daten der anderen erhalten sollen. Elternteile können beispielsweise ihr Einkommen jeweils selbst und für die anderen nicht sichtbar eingeben.

Auch unterschrieben wird online. Bezahlen muss der Antragsteller übrigens nur bei Erfolg – 29,90 Euro für den einmaligen Antrag oder gleich 79,90 Euro für alle Folge-Anträge zusammen. Das umfasst die gesamte Studienzeit bis zu einem möglichen Masterabschluss.

Bafög oder Studienkredit der staatlichen KfW-Bank

Was aber, wenn der Bedarf mit dem Bafög nicht gedeckt werden kann? Auch dafür bietet das Start-up schon eine Lösung an: Nach dem Bafög-Check wird geprüft, ob der Antragssteller die Kriterien für einen Studienkredit der staatlichen Förderbank KfW oder für den Bildungsfonds Brain Capital erfüllt.

Brain Capital funktioniert wie ein umgekehrter Generationenvertrag. Während des Studiums erhält man einen Zuschuss und später als Berufstätiger zahlt man einen festen Prozentsatz seines Einkommens ein. Denn nicht für jeden ist ein klassisches Darlehen, das mit Zinsen zurückgezahlt werden muss, das Richtige.

„Wir haben gemerkt, dass das für viele schon eine Belastung ist, wenn sie wissen, es staut sich ein Betrag von x Euro auf“, sagt Krautwald. Künftig will das Fintech-Start-up weitere Finanzierungsmöglichkeiten einbinden. Stipendien zum Beispiel.

Die Beratung soll neutral bleiben. Darum wollen sie auch kein eigenes Finanzprodukt auf den Markt bringen. Ziel sei es, vorhandene Möglichkeiten zur Deckung des Bedarfs für jeden bestmöglich zu kombinieren, sagt Bastian Krautwald. „Das Schlimmste wäre, wenn ein Student das Gefühl hat, eine Lösung bekommen zu haben, die nicht zu ihm passt.“