Ausbildungsmesse

Verabredung zum Bewerbungsgespräch

800 Besucher auf der zweiten Karrierestartschuss in der Eventpassage: Als Überraschungsgast trat Ben Paul von der Anti-Uni auf. Der 23-jähriger plädierte dafür, seinen Leidenschaften zu folgen.

Foto: Christian Kielmann

Punkt neun stürmten die ersten Schulklassen in die Eventpassage, in der am Montag die zweite Ausbildungsmesse Karrierestartschuss der Berliner Morgenpost stattfand. Rund 350 Schüler allgemeinbildender Schulen hatten sich angemeldet, um sich über Ausbildungsberufe zu informieren. Bis zum Messe-Ende um 15 Uhr besuchten rund 800 Besucher 24 Arbeitgeber aus der Region oder hörten sich einen der 24 Vorträge an.

Wer sich für eine Ausbildung im Tourismus interessierte, der konnte sich am Stand des A-Rosa Resorts oder beim Reiseveranstalter Wörlitz Tourismus über Ausbildungs- und Einsatzmöglichkeiten informieren. Das Fünf-Sterne-Haus A-Rosa Ressort am Scharmützelsee in Bad Saarow suchte Auszubildende für die Berufe Sport- und Fitnesskaufleute, Veranstaltungskaufleute, Köche sowie Restaurant- und Hotelfachleute.

Die Ausbildung zum Koch, so Jana Beuthner, Marketingleiterin des Hotels, sei bei den jungen Leuten jedoch nicht mehr so beliebt wie früher: „Der Beruf ist körperlich sehr anstrengend und es muss auch abends, an Wochenenden und Feiertagen gearbeitet werden.“

Echtes Interesse

Voraussetzung für eine Bewerbung sei in der Regel der mittlere Schulabschluss (MSA), es würden aber auch gute Kandidaten mit Hauptschulabschluss genommen. Wichtig sei vor allem, dass sich die Bewerber wirklich für den Beruf interessierten. Wegen der unregelmäßigen Arbeitszeiten würden mindestens 18-jährige Bewerber bevorzugt, „wenn aber ein 16-Jähriger auf die Stelle passt, ist auch das kein Problem“.

Das Hotel bildet aber auch Sport- und Fitnesskaufleute aus. Während der dreijährigen Lehre verbringen die Azubis ein Jahr im Bereich Golf, wo sie etwa Turniere organisieren und Greenfee kassieren, ein weiteres Jahr beim Tennis und das letzte im Spa-Bereich, wo sie auch mal Fitnesskurse leiten und Saunaaufgüsse machen können.

Als Vergütung werden während der Ausbildung einheitlich 478 Euro im ersten Ausbildungsjahr, 573 Euro im zweiten Jahr und 660 Euro im dritten Ausbildungsjahr bezahlt, sagt Andrea Kauffeld, stellvertretende Personalleiterin.

Duales Studium

Ein duales Studium BWL und Tourismus sowie eine Ausbildung zu Tourismuskaufleuten bot Wörlitz Tourist an. Pro Jahr stellt der Reiseveranstalter zwei Auszubildende für das Duale Studium ein, acht bis zehn Jugendliche zur Ausbildung zu Tourismuskaufleuten.

„Für den Beruf Tourismuskaufmann haben wir nicht genügend qualifizierte Bewerber“, sagte Birgit Banzet, die für den Ausbildungsbereich verantwortlich ist. Voraussetzung sei mindestens ein guter MSA.

Sehr gut besucht war der Vortrag von Michael Martens von der Berliner Sparkasse, nur einer von 24 Vorträgen der verschiedenen Aussteller. Als Überraschungsgast trat Ben Paul von der Anti-Uni auf, ein 23-jähriger Blogger und Entrepreneur, der dafür plädierte, seinen Leidenschaften statt ausgetretener Pfade zu folgen.

Chancen bei der Sparkasse

Michael Martens von der Berliner Sparkasse gab da eher bodenständigere, aber ebenso wertvolle Tipps für die Bewerbung. „Schreiben Sie in Ihrem Anschreiben unbedingt etwas Eigenes“, appellierte der Ausbilder an die jungen Leute. „Ich merke in zwei Sekunden, ob einfach etwas aus dem Internet kopiert worden ist oder ob sich ein Bewerber eigene Gedanken gemacht hat. Auch wenn die eigenen Sätze nicht perfekt sein werden. Sie sind ehrlicher.“

Die Chance, eine Einladung zum Gespräch zu bekommen, erhöhe, wer den eigenen Lebenslauf persönlich gestalte, führte er aus. „Da kann auch erwähnt werden, dass man seit einiger Zeit Klassensprecher ist, ein Ehrenamt ausübt oder Mitglied in einem Sportverein ist.“

Großer Andrang herrschte auch in dem Raum mit den Ständen von Living Faces und der AOK Nordost. Ganz begeistert berichtete Anna-Maria Lippke von ihrer Ausbildung zur Maskenbildnerin. „Es ist ein sehr schönes Ambiente und es macht mir Super-Spaß. Ich wollte nie etwas anderes machen. Ich habe mein ganzes Taschengeld in Kosmetik investiert“, erzählte die 18-Jährige mit dem gut geschminkten Gesicht.

Die perfekte Maske

Nicht ganz unschuldig an der Leidenschaft für die Verwandlung ist ihre Tante: Natalie Bernsteiner ist Schulleiterin von Living Faces. „Sie hat mich schon als Kind geschminkt. Das war fantastisch“, schwärmte Anna-Maria. Maskenbildnerinnen werden beim Film, beim Theater und bei Modeschauen benötigt. Wo sie später einmal arbeiten wird, weiß die junge Frau noch nicht. „Ich lasse mich einfach treiben“, sagte sie.

Die AOK Nordost war mit ihrer Initiative „Future for us“ vertreten. „Unser Ziel ist es, Jugendliche möglichst früh an gesunde Lebensweisen heranzuführen“, sagt Anna Jürges, die am Stand die Schüler informierte.

Die Initiative unterstützt und begleitet Schüler und Auszubildende in der Übergangsphase von der Schule zum Beruf – im Fokus steht immer die Gesundheit. Sei es in Form von Rückenschulungen für junge Gerüstbauer, Ernährungskursen, gemeinsamen Besuchen mit Hotelfachleuten auf dem Wochenmarkt oder Showküchen, in denen Azubis anderen Jugendlichen zeigen, wie gesund gekocht wird.

Suppe und Dessert

Und genau die Showküche war es, die die jungen Menschen anzog. Denn für das leibliche Wohl der Messebesucher sorgte hier Fernsehkoch Ronny Pietzner. Gemeinsam mit angehenden Hotel- und Restaurantfachleuten aus dem Hotel Estrel bereitete er kleine Mahlzeiten für die Messebesucher zu.

Nur gesunde Sachen kamen in den Topf und was heraus kam, konnte sich schmecken lassen: Kürbiscremesuppe, Tomaten-Kokos-Suppe und zum Nachtisch Schwarzbeer- und Mangogrütze.

Das Besondere: Die Hotelfachkräfte in spe kreierten vor den Augen der Zuschauer herzhafte Lollys aus Huhn im Rote-Beete-Mantel, die Servicekräfte in Ausbildung verteilten sie unter den Besuchern. „Wir fördern die gesunde Ernährung in den jüngsten Jahren“, sagte Ronny Pietzner, der dafür eigens die Stiftung „Yumme“ gegründet hat.

Essen erlebbar

Die Mitarbeiter der Stiftung – Experten und Auszubildende – gehen in Schulen oder auf Ausbildungsmessen und machen vor Ort „Essen erlebbar“, so Ronny Pietzner.

Tina, Nataly und Monique waren ganz begeistert von dem Stand. Sie sind zurzeit in einem Berufschulungszentrum in Niederschönhausen, um sich auf den Ausbildungsmarkt vorzubereiten. „Damit wir eine Ausbildung finden“, sagt sie 19-jährige Monique. „Ich möchte später nicht bei Hartz vier landen.“ Sie möchte Köchin oder Erzieherin werden, Tina sieht ihre Zukunft im Büro oder Hotel und die 16-jährige Nataly fühlte sich durch die Aktion der Estrel-Azubis in der Showküche in ihrem Berufswunsch bestärkt, Köchin werden zu wollen.

Unternehmergeist haben die Girls aus Niederschönhausen schon bewiesen. Sie lümmelten auf dem Boden und boten ein Plastikrad aus einem Überraschungsei für 2,50 Euro feil – auf „Verhandlungsbasis“, so Monique. Eine fahrradbegeisterte Besucherin schlug zu – mit 100-prozentigem Gewinn für die jungen Unternehmerinnen.

Ausbildung in der Pflege

Ganz nah an den Menschen ist die Arbeit von Caroline Hudeczek, Claudia Wolf und Silvia Böttcher. Sie arbeiten für die Pflegeeinrichtung Alexa. „Der Beruf der Altenpflegerin ist ein sinnvoller, erfüllender Beruf“, versicherte Ramona Krüger, Personalreferentin von Alexa.

Wer diesen Weg gehen will, sollte jedoch ein Umfeld mitbringen, das Verständnis für ungewöhnliche Arbeitszeiten hat. „In der Pflege muss man auch an den Wochenenden und in der Nacht arbeiten“, so Ramona Krüger.

Die 24-jährige Jenny Graf will ganz woanders hin: Sie möchte Fotografin oder Bildbearbeiterin werden und sucht eine Ausbildungsstelle. Entschlossen wanderte die selbstbewusste junge Frau von Stand zu Stand. Auch Ingo Kowalczyk, dem Leiter der Personalentwicklung der Funke Mediengruppe, überreichte sie ihren Lebenslauf. „Mal sehen, was daraus wird. Ich habe eine viereinhalbjährige Tochter und den Eindruck, das dies viele abschreckt, mir eine Ausbildung anzubieten.“

Im Einsatz

Auch die Bundeswehr mit ihrem breiten Angebot an zivilen und militärischen Berufen war im Einsatz. Oberstleutnant Jan Schleese, Büroleiter der Karriereberatung Berlin-Wedding, referierte über verschiedene Einsatzmöglichkeiten sowie Berufsausbildung und Studium bei der Bundeswehr.

So könne man in Hamburg und München an den Bundeswehruniversitäten insgesamt 30 Studiengänge belegen, von der Betriebswirtschaft, über Luft- und Raumfahrtechnik bis hin zur Medizin.

„Es muss aber jedem, auch einem künftigen Arzt, klar sein, dass er auch an der Waffe ausgebildet wird“, sagte Schleese. Einstellungsvoraussetzungen seien die deutsche Staatsbürgerschaft, ein Mindestalter von 17 Jahren, die charakterliche, geistige und körperliche Eignung und das Einstehen für das Grundgesetz.

Außerdem dürften Bewerber keine Vorstrafen und keine hohen Schulden haben. Ein sattes Vorstrafenregister ist aber auch keine gute Eintrittskarte in einen der vielen anderen Ausbildungsberufe, die auf der Messe vorgestellt wurden.