Ausbildung

Die vielen wichtige Rädchen im Getriebe der BVG

Die Ausbildung zum Gleisbauer ist nur eine von elf Ausbildungen, die die Berliner Verkehrsbetriebe anbietet. Für den Beruf gibt es, im Vergleich zu den anderen Berufsbildern, wenige Bewerber.

Foto: Katrin Knoke / BVG Knoke

Felix Loos macht eine der traditionsreichsten Ausbildungen, die die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) anzubieten haben: Er will Gleisbauer werden. Schon seit 1825 gibt es diesen Beruf.

Damals – als die Eisenbahn ihren Betrieb aufnahm –, hatten Gleisbauer die Aufgabe, durch den Verkehr entstandene Schäden am Gleis zu beheben. Auch heute noch wechseln sie sämtliche Schienen- und Weichenteile aus. Außerdem müssen Gleisbauer sehr gute Fachkenntnisse in Bezug auf die gesamte Gleisvermessung haben.

Eine anspruchsvolle Aufgabe, bei Geschwindigkeiten von Fernverkehrszügen von über 300 Stundenkilometern. Da muss auf den Millimeter genau gearbeitet werden, um die Sicherheit der Fahrgäste zu gewährleisten. Ganz so schnell fahren die U-Bahnen der BVG nicht, im Stadtverkehr bringen sie es bis auf 80 Stundenkilometer, aber die firmeninterne Ausbildung zum Gleisbauer bereitet natürlich auch auf Arbeiten außerhalb des Unternehmens vor.

Das Gleisbett erneuern

Während der Ausbildung lernen die angehenden Gleisbauer den Aufbau des Gleiskörpers vom Unter- bis zum Gleisoberbau, diesen zu erneuern und instand zu halten. Sie kontrollieren die Gleisanlagen, verlegen Gleise und Weichen und erneuern das Gleisbett in der Höhenlage und Richtung.

Zudem kontrollieren sie das gesamte Streckennetz. Bei den Berliner Verkehrsbetrieben sind das immerhin rund 822 Kilometer Gleisanlagen, die auf Spurweite, Höhenlage und Abstände untersucht werden müssen.

Gerade die Vermessungstechnik hat es Felix Loos angetan. „Der technische Aspekt hat mich dazu gebracht, Gleisbauer werden zu wollen“, sagt der 26-Jährige, der eine Ausbildung zum Erzieher abgebrochen hat, um dieses Handwerk zu erlernen. „Vermessungstätigkeit und technische Zeichnungen zu lesen, haben es in sich.“

Viel Kraft

Neben Köpfchen ist viel Kraft in seinem Job gefordert: Eine Schiene ist bei der BVG in der Regel 15 Meter lang und wiegt je nach Bauart 614 oder 741 Kilogramm. Hier sei Teamarbeit gefragt, sagt er. Da hieße es nur noch: „Acht Mann ran und dann geht die Party los“. Schienen trennen und schlüssig wieder zusammenfügen, ist nur eine der Übungen, die er während der Ausbildung absolvieren muss.

Ein Krafttraining müssen die Jugendlichen vor der Ausbildung nicht absolviert haben, um die schwere Arbeit erledigen zu können. Mit technischer Raffinesse und einem Schienenumsetzbock beispielsweise, lässt sich eine Schiene kraftschonend bewegen.

Sein persönliches Highlight ist es, wenn es auf die Baustelle geht. „Wir müssen wetterfest sein“, sagt er. Denn Gleisbauer müssen bei Wind und Wetter raus. Gutes Organisationstalent gehört ebenfalls zu ihren Kompetenzen. Denn oft gibt es nur ein kleines Zeitfenster für die Reparatur einer Weiche oder Gleisanlage – und die Termine müssen eingehalten werden.

Zwei Abschlüsse

Ist er fertig ausgebildet, geht es auch nachts raus, dann wenn die Menschen schlafen und nicht auf ihr wichtigstes Verkehrsmittel neben Rad und Auto angewiesen sind. Nach seiner Ausbildung hat Felix Loos gleich zwei Abschlüsse in der Tasche.

Weil das erste Lehrjahr auf den Tiefbau ausgerichtet ist und die Azubis in Estrichlegen und Straßenbau ausgebildet werden, haben sie nach ihrer dreijährigen Ausbildung nicht nur den Gleisbauer in der Tasche, sondern auch den Tiefbaufacharbeiter.

Die Ausbildung zum Gleisbauer ist nur eine von elf Ausbildungen, die die BVG anbietet. Für den Beruf gibt es allerdings, im Vergleich zu den anderen Berufsbildern, wenige Bewerber. Ebenso wie für die Berufe Elektroniker/in für Informations- und Systemtechnik und den Beruf Elektroniker/in für Betriebstechnik. „Schade, dass sich so wenige bewerben“, sagt Ausbildungsleiter Timo Wille. „Wir haben einen großen Bedarf an Fachkräften in diesen Berufen.“

2300 Bewerber

Auf diese drei Berufsgruppen gab es im letzten Jahr 228 Bewerber, 44 Auszubildende werden eingestellt. Zum Vergleich: Bei der BVG bewerben sich jedes Jahr rund 2300 junge Menschen, 136 Azubis werden genommen. Warum gerade diese drei Berufe im Gegensatz zu den Kraftfahrzeugmechatronikern oder den kaufmännischen Berufen weniger beliebt sind, dafür gibt es verschiedene Gründe, sagt Timo Wille.

Manchmal unterliegen Berufe Modewellen, manchmal können sich Schulabgänger kein richtiges Bild von dem machen, was hinter Berufsbezeichnungen wie Elektroniker für Informations- und Systemtechnik steckt.

Mike Meißner hat diesen Beruf ergriffen. Der 22-Jährige ist im dritten Ausbildungsjahr der dreieinhalbjährigen Ausbildung. „Der Beruf ist vielseitig und sehr komplex“, sagt er. Zu den Inhalten gehört die Pflege der Internet-Seite, der Server, der Fahrkartenautomaten, der Signal- und Sicherheitstechnik sowie der Notrufanlagen. „Manchmal müssen wir auch die GPS-Module in Bussen warten.“ Jetzt, in seinem dritten Ausbildungsjahr, wird er ein halbes Jahr im Außendienst in den verschiedenen Abteilungen der BVG eingesetzt.

Arbeiten im Labor

„Der Beruf bildet einen täglich weiter, weil man immer auf dem aktuellen Stand sein muss“, sagt der junge Azubi, dessen Arbeitsplatz im Labor ist. Nicht zu verwechseln mit einem sterilen Labor, in dem Mediziner, Forscher oder Chemiker arbeiten.

Sondern einem Raum mit vielen Schränken, Computern, Werkbänken, Kabeln und einem Microcontrollersystem zur Programmierung. Zwölf Auszubildende sind in seinem Jahrgang. Wie sein Kollege Felix Loos, wünscht er sich, von der BVG übernommen zu werden.

Für ein Jahr wird sein Wunsch erst einmal in Erfüllung gehen. Fast alle Azubis werden für diesen Zeitraum übernommen. 366er heißen die Befristeten firmenintern. Sie können dann zeigen, was sie gelernt haben. Danach entscheidet das Unternehmen, ob die Leistungen zu einer Festanstellung reichen.

„Die Chancen auf Übernahme werden immer besser“, sagt Timo Wille. „Im letzten Jahr lagen sie bei 80 Prozent.“ Zwischen 2018 und 2030 würden altersbedingt rund 50 Prozent das Unternehmen verlassen. „Nachwuchs wird gebraucht. Fachkräftemangel decken wir durch Ausbildung ab.“

Mobiles Einsatzkommando

Daniela Zinser hofft ebenfalls auf eine Zukunft in dem landeseigenen Unternehmen. Sie ist im zweiten Ausbildungsjahr zur Elektronikerin für Betriebstechnik. Die 27-Jährige ist eigentlich eher zufällig zur BVG gestoßen. Die gelernte Einzelhandelskauffrau war bei der Zeitarbeitsfirma Sasse beschäftigt, ein externer Dienstleiser der BVG. „Als Folienkleberin bin ich hergekommen“, sagt sie. Das Arbeitsklima gefiel ihr. „Hier geht es sehr menschlich zu“, resümiert sie.

Die einzige Chance, im Unternehmen Fuß zu fassen, sah sie in einer Ausbildung. Und da schon ihr Vater und Bruder Elektroniker sind und sie ihnen bei der Arbeit viel über die Schulter geschaut hatte, bewarb sie sich als Elektronikerin. Und machte das gleiche Auswahlverfahren mit wie alle anderen Azubis auch: Einstellungstest, ein Bewerberauswahlgespräch und dann die hoffnungsvolle Warterei auf eine Zu- oder Absage.

Mit anderen sieben jungen Frauen erhielt sie die Zusage. Seitdem gehört Daniela Zinser zum mobilen Einsatzkommando der BVG. Sie hat am U-Bahnhof Lampen angebracht und eine Foto-Voltaik-Anlage aufgebaut. „Ich muss auch Pläne lesen können und das Gelesene umsetzen“, sagt sie.

Die Wartung der Netze

Ihre Einsatzgebiete sind die elektronische Ausrüstung der Fahrzeuge, die Sicherheits- und Leittechnik, die Wartung der Netze und Gebäudeausrüstungen sowie die allgemeine Energieversorgung. „Wer mit Strom arbeitet, arbeitet mit etwas, was er nicht sehen kann“, beschreibt sie eine der größten Herausforderungen.

Die Azubis schätzen es, Teil eines großen Unternehmens zu sein. Drei von insgesamt 10.800 Mitarbeitern. „Das ist sehr identitätsstiftend“, sagt Mike Meißner. Und sie schätzen es, auf dem neuesten Stand der technischen Entwicklung zu sein. Mit modernen Bahnen und Bussen rollt immer wieder neue Technik ins Haus.

Mike Meißner ist der Auffassung: „Das Unternehmen entwickelt sich, dadurch entwickeln wir uns auch weiter.“