Fernstudium

Zu Hause studieren und damit Wege und Zeit sparen

An der Fernuniversität Hagen studieren Berufstätige und Menschen jeden Alters, die flexibel lernen und kein Vermögen ausgeben wollen. Gefragt ist bei den Studierenden vor allem eines: Selbstdisziplin.

Foto: Nercessian

Wer schon mittendrin ist im Berufsleben und weiterkommen will, hat häufig gar keine andere Möglichkeit, als sich für einen Fernstudiengang einzuschreiben. Aber auch junge Eltern profitieren von einem zeitlich und örtlich flexiblem Studium und so manch Älterer will es einfach noch mal wissen. Gründe für ein Fernstudium gibt es viele; Adressen noch viel mehr. Eine der renommiertesten und zugleich preisgünstigsten Institutionen ist die Fernuniversität Hagen. Rund 78.000 Studierende zählt die Fernuni derzeit. Damit ist sie die größte Hochschule des Landes und wohl auch eine der bekanntesten. Auch Ex-Außenminister Guido Westerwelle oder Fußball-Manager Oliver Bierhoff haben hier studiert.

Zentral am Dom gelegen

„80 Prozent unser Studenten sind berufstätig“ sagt Heike Holtgrewe, Studienberaterin und stellvertretende Leiterin des Regionalzentrums Berlin. Die meisten seien zwischen 29 und 35 Jahre alt. Das zentral im Spree-Palais am Dom gelegene Regionalzentrum ist eines der größten der bundesweit 13 Zentren und fungiert als Außenstelle der Fernuniversität. Rund zehn Prozent aller Studierenden der Fernuni Hagen sind ihm zugeordnet. Sie kommen vor allem aus Berlin, aber auch aus den benachbarten Bundesländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen-Anhalt. Die Studienberater informieren und beraten Interessenten und Studierende.

Das Studienangebot ist groß. Die Teilnehmer können ordentliche Bachelor- oder Master-Studiengänge wie Jura, Wirtschaftswissenschaft oder Informatik belegen. Voraussetzungen hierfür sind die allgemeine Hochschulreife oder eine Berufsausbildung und drei Jahre Berufserfahrung – oder in Ausnahmefällen eine Begabtenprüfung. Als persönliche Voraussetzungen müssten Studienbewerber eine hohe Selbstdisziplin und entsprechende Motivation mitbringen. Und natürlich Zeit: „20 Stunden pro Woche muss ein Fernstudierender für das Studium aufbringen können“, sagt Holtgrewe.

Psychologie ist beliebt

Die meisten studierten Wirtschaftswissenschaften oder Kultur- und Sozialwissenschaften. Beliebt sei auch Psychologie. Über 16.000 Studierende seien hier eingeschrieben, betont Holtgrewe. „Einen Numerus Clausus (NC), wie an anderen Universitäten, gibt es an der Fernuni nicht.“ Im Akademiestudium kann sich zudem jeder anmelden. Die Kurse kann man sich für einen späteren Studiengang anrechnen lassen.

Im rund 500 Quadratmeter großen Regionalzentrum finden abends oder an den Wochenenden studienbegleitende Veranstaltungen statt, wie vorbereitende Mathe-Brückenkurse, Statistik-Grundkurse und natürlich die meist zweitägigen Präsenzveranstaltungen der Fakultäten, die in einigen Studiengängen verpflichtender Teil des Studienprogramms sind. Das Zentrum ist aber auch Treffpunkt von Lerngruppen und Seminarort: „Schlüsselkompetenzen wie Lern- und Arbeitstechniken oder Motivation sind besonders gefragt“, sagt Holtgrewe. Wichtig sei grundsätzlich auch die Möglichkeit, soziale Kontakte zu anderen Studierenden und zu Mentoren zu knüpfen.

Vorlesung im Internet

Da das Studium meist neben der Arbeit absolviert wird, dauert es länger als ein Präsenzstudium – „es können schon mal zehn Jahre oder mehr sein“, so Holtgrewe. Dafür sparen die Studierenden jedoch Wege: Sie können sich online zum Studium anmelden, studiert wird zu Hause – oder an jedem beliebigen anderen Ort. Das Lernmaterial kommt als Studienbrief in Papierform per Post oder auch mal online oder per App. Teilweise gebe es auch digitale Lerninhalte wie Seminare oder Vorlesungen im Internet, sagt Holtgrewe. Und natürlich Betreuung und inhaltliche Begleitung über eine Lernplattform. Die Studierenden können sich aber auch Bücher aus der Hagener Bibliothek schicken lassen.

Die Prüfungen können an verschiedenen Prüfungsorten abgelegt werden, Studierende müssen sich lediglich für einen Prüfungsort entscheiden, so kann man, je nach Studiengang, die Prüfung in Berlin oder Potsdam schreiben. Wer im Ausland studiert und eine zu weite Anreise hat, kann seine Prüfungen in der Botschaft des jeweiligen Landes oder beim Goethe-Institut ablegen. Mündliche Prüfungen sind – unter Aufsicht – notfalls auch per Videokonferenz möglich.

Etwa 270 Euro pro Semester

Die Kosten sind überschaubar: Für ein komplettes Studium sind im Vollzeitstudium weniger als 2000 Euro zu veranschlagen. Gezahlt wird nach Semesterwochenstunden beziehungsweise nach belegten Modulen (mit jeweils sechs oder acht Semesterwochenstunden). „Ein bis zwei Module im Teilzeitstudium kosten zwischen 75 und 150 Euro“, so Holtgrewe. Eine Semesterwochenstunde koste 12,50 Euro inklusive Kursmaterial. Dazu kommen 50 Euro Grundgebühr pro Semester und elf Euro für den Studierendenschaftsbeitrag. Im Schnitt wird jeder Vollzeitstudent im Semester mit rund 270 Euro zur Kasse gebeten.