Duale Lehre

Tierisch gute Ausbildungsjahre

Die Freie Universität Berlin bildet in den Berufen aus, die sie beschäftigt. Angehende Pfleger für Veterinärmedizin und Forschung durchlaufen viele Stationen. Ein Besuch am Königsweg in Düppel.

Foto: Christian Kielmann

Ein Hahn kräht, eine Kirchturmglocke läutet, eine Duftwolke aus Gras und Mist liegt über dem Königsweg in Düppel. Eine fast ländliche Idylle mitten in der Metropole, wenn da nur die vielen Schilder nicht wären, die davor warnen, das Gelände aufgrund der Infektionsgefahr zu betreten.

Zwei junge Frauen sind schon ganz früh auf den Beinen. „Ich wollte schon immer Tierpflegerin werden“, gesteht Janine Wolf. Nach einem Umweg hat sie ihr Ziel erreicht: Die heute 26-Jährige hat zunächst eine Ausbildung zur Restaurantfachfrau gemacht.

Doch das sei nicht das Richtige für sie gewesen, so die junge Frau mit den bunt gefärbten Haaren, die schon immer eine enge Beziehung zu Tieren hatte.

Praktikum im Zoo

Ihre Kollegin Anastasia Vock ist auf dem Land aufgewachsen. Ihre Familie hatte viele Tiere, auch Pferde. Ganz zielstrebig hat die 20-Jährige ihre Laufbahn als künftige Tierpflegerin geplant. Nach einem Praktikum im Berliner Zoo sei klar gewesen, dass sie nichts anderes machen möchte.

Für ihre Ausbildung nehmen die jungen Frauen einiges in Kauf. Mitten in der Nacht machen sich beide aus dem nördlichen Brandenburg auf zu ihrem derzeitigen Einsatzort im Berliner Süden. Um sieben Uhr beginnt ihr Dienst am Institut für Parasitologie und Tropenveterinärmedizin der Freien Universität.

Nach einer Besprechung, bei der die Einsatzorte verteilt werden, beginnt die Fütterung der Schafe, der Ziegen, der Ponys, der Kaninchen oder der Hunde. Dann müssen die Ställe ausgemistet werden.

Viel Abwechslung

„Das macht nicht allen Spaß, mir aber schon. Meine Arbeit ist sehr abwechslungsreich. Mir wird nie langweilig“, versichert Janine Wolf, die im August ihre Lehre beendet. „Man hat immer wieder mit anderen Tieren zu tun und kann sich mit diesen auch beschäftigen. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“, strahlt Anastasia Vock, die sich im zweiten Jahr ihrer Ausbildung befindet.

Gemeinsam werden die Ziegen in der Koppel gefüttert. „Unsere drei kastrierten Kerle“, stellt Janine Wolf die Versuchstiere vor. Während Flecky und Whity sich am liebsten verkriechen würden, hat der dritte Ziegenbock so gar keine Angst vor Fremden. Ihn interessieren die Besucher und vor allem der Eimer mit dem Futter.

„Das ist so faszinierend, wie unterschiedlich die Charaktere der Tiere sind“, bekundet Janine Wolf. „Das kann man sogar bei Mäusen beobachten“, freut sich Anastasia Vock.

Die wöchentliche Visite

In einem fast bodenlangen, dunklen Kittel kommt die Tierärztin zur wöchentlichen Visite. Für das Festhalten der Tiere, die untersucht werden müssen oder eine Spritze bekommen, ist der Tierpfleger zuständig. „Sogar ein Meerschweinchen kann ein Kilo wiegen“, gibt Ausbilder Heinz-Jochen Reichstein zu Bedenken. „Körperliche Fitness ist daher für diesen Beruf wichtig. Unsere Auszubildenden lernen in der Ergotherapie Rücken schonendes Tragen und Heben.“

In den 36 Monaten ihrer Ausbildung zur Tierpflegerin für Forschung und Klinik durchlaufen die jungen Frauen zwölf Stationen, informiert Heinz-Jochen Reichstein, der für die Tierpfleger-Ausbildung an der FU zuständig ist. „Und künftig wird es für einige Auszubildende auch eine Station im europäischen Ausland geben.“

Gute Englischkenntnisse

Da auf dem Campus der FU – wie überall in Europa – mehr und mehr Englisch gesprochen werde, seien gute Sprachkenntnisse wichtig.

In der Forschung arbeiten Tierpfleger vor allem in Versuchslaboren oder Tier experimentell arbeitenden Instituten, informiert das Bundesinstitut für Berufsbildung. Hier werden beispielsweise Medikamente an Ratten, Mäusen und Kaninchen getestet. „Forschung an Tieren muss man mit seinem Gewissen vereinbaren können“, gibt eine erfahrene Tierpflegerin zu Bedenken.

Für viele kommt dieser Bereich später nicht in Frage. Auch nicht für Anastasia und Janine. Sie wollen später in einer Tierklinik oder in einer Tierpension arbeiten.

Im Tierheim, einer Tierklinik, in der Forschung oder im Zoo zu arbeiten, reizt vor allem Frauen. 2012 gab es 1689 Auszubildende, die Tierpfleger lernten – davon waren 1215 Frauen.

Das teilt das Bundesinstitut für Berufsbildung mit. Tierpfleger ist eine dreijährige Ausbildung, die in den Fachrichtungen Forschung und Klink, Tierheim und Tierpensionen sowie Zoo angeboten wird. Die Fachkräfte betreuen die Tiere und sind teilweise auch für deren Aufzucht zuständig.

Ausbildungen an der FU

Im dualen System bildet die Freie Universität Berlin auch in den Berufen aus, die sie beschäftigt. Die Lehrlinge wechseln zwischen Ausbildungsbetrieb und Berufsschule. 40 Plätze stehen pro Jahr zur Verfügung. Im Ausbildungszentrum mit mehreren Laboren werden angehende Chemielaboranten auf ihren Beruf vorbereitet. Ausgebildet werden auch Chemielaboranten, Elektroniker, Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste, Fachinformatiker, Veranstaltungskaufleute sowie Verwaltungsfachangestellte.

Beliebt sind die Ausbildungen zum Gärtner, zum Sportkaufmann sowie zum Tiermedizinischen Fachangestellten. Wer sich für Bienenhaltung interessiert, kann sich für die Ausbildung zum Tierwirt bewerben.