Köpfchen und Körpereinsatz

Wie werde ich Landwirt/in?

Frühes Aufstehen, selten freie Wochenenden - und wenn die Kuh kalbt, müssen die Freunde eben warten: Die Arbeit als Landwirt ist anstrengend. Auch wenn Digitalisierung und Nachhaltigkeit den Beruf verändern.

Die Arbeit mit Tieren hat ihr schon von klein auf Spaß gemacht: Nina Langreder ist auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen, jetzt wird sie selbst Landwirtin.

Die Arbeit mit Tieren hat ihr schon von klein auf Spaß gemacht: Nina Langreder ist auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen, jetzt wird sie selbst Landwirtin.

Foto: dpa

Neustadt am Rübenberge. Wie wird aus einem kleinen Körnchen eine große Pflanze und wie aus einem Babyferkel ein schlachtreifes Schwein? Dafür zu sorgen, ist Nina Langreders Job.

Die 20-Jährige ist fast am Ende ihrer Ausbildung zur Landwirtin. Sie ist in einem landwirtschaftlichen Betrieb in der Nähe von Hannover aufgewachsen.

Von klein auf hat ihr die Arbeit mit Tieren und Pflanzen Spaß gemacht. "Ich war mit meinem Vater im Stall und bin immer mit dem Trecker mitgefahren", erzählt sie. Nach dem Abitur kam für Langreder kein Bürojob infrage. Sie wollte körperlich aktiv arbeiten und viel an der frischen Luft sein.

Durchhaltevermögen gefragt

Wichtig ist, dass künftige Landwirte körperlich belastbar sind und Durchhaltevermögen mitbringen. Ebenso wie handwerkliches Geschick und lösungsorientiertes Denken, erklärt Wilhelm Siebelmann, Referent der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen.

Einen Schulabschluss braucht es hingegen nicht zwingend. Trotzdem hat fast jeder zweite der Azubis, die 2017 ihre Ausbildung angefangen haben, einen Realschulabschluss. Knapp ein Viertel hat Abitur oder die Fachhochschulreife. Der Frauenanteil liegt bei 14 Prozent.

Wer Landwirt werden möchte, muss grundsätzlich bereit sein, in ländlichen Regionen zu arbeiten. Das ist für Azubis mitunter eine Hürde, erklärt Markus Bretschneider, der beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) für gewerblich-technische Berufe zuständig ist.

Früh aufstehen, keine geregelten Arbeitszeiten, selten freie Wochenenden - auch das müssen Landwirte in Kauf nehmen. "Das Schöne ist: Es zahlt sich alles aus, wenn man dann seine zufriedenen Tiere sieht", sagt Nina Langreder. Oder, wenn die Ernte ertragreich war.

Ihre Freunde und ihr Partner müssen Verständnis dafür haben, dass ihr Job oberste Priorität hat. Wenn da gerade eine Kuh kalbt oder die Ernte eingefahren wird, kann sie eben nicht pünktlich weg. Damit kommt Nina Langreder klar. Was sie stört sind die vielen Vorurteile, die ihr entgegengebracht werden. Da werde schon mal die ganze Zunft als Tierquäler dargestellt. "Ich persönlich kenne keinen Kollegen, der seine Tiere quält. Uns liegt immer das Wohlergehen der Tiere am Herzen", ist Langreders Sicht.

Kenntnisse über Pflanzenanbau

Auch der richtige Aufzug von Pflanzen spielt in ihrer Ausbildung eine große Rolle. Dünger etwa ist für jede Fläche genau zu berechnen. Wie viele Nährstoffe sind schon im Boden, wie viele darf der Landwirt hinzufügen, welches Mittel ist dafür geeignet? Das lernt Langreder in der Berufsschule.

Die Anforderungen an den Beruf nehmen zu, denn die Digitalisierung hält Einzug in die Landwirtschaft. Landwirte müssen komplexe Maschinen einrichten und steuern können - vom Melkroboter, über GPS-gesteuerte Landmaschinen bis zum Fütterungssystem.

Ebenso wird das Thema Nachhaltigkeit wichtiger. Nina Langreder hat einen Teil ihrer Ausbildung auf einem ökologisch wirtschaftenden Betrieb in Schleswig-Holstein gemacht - um zu sehen, welche Aspekte sie im Betrieb ihrer Eltern umsetzen kann.

Ausbildungsvergütung

Das tarifliche Monatsgehalt für angehende Landwirte lag nach Angaben des BIBB 2017 in den westdeutschen Bundesländern im Schnitt bei 661 Euro pro Monat, in Ostdeutschland waren es 607 Euro.

Nach ihrer Ausbildung will Nina Langreder ein Jahr in die Praxis, dann wird sie die zweijährige Fachschule für Landwirtschaft in Schleswig Holstein besuchen. Mit dieser Weiterbildung darf sie später selbst ausbilden. Vielleicht setzt sie noch ein Studium obendrauf.

Was Nina Langreder schon weiß: Sie möchte irgendwann den elterlichen Betrieb weiterführen. Bisher wird dort vor allem Ackerbau betrieben. Sie möchte später am liebsten ein paar Kühe halten. "Mir ist wichtig, dass ich den Tieren einen guten Lebensstandard bieten kann. Also unter anderem Auslauf auf der Weide und artgerechte Ställe."