Sanitäter & Notärzte

Arbeit in der Rettungsmedizin: Berufung und Herausforderung

Leben retten als Rettungsassistent, Notfallsanitäter oder Notarzt. Aus diesen Gründen arbeiten diese Berliner in der Rettungsmedizin.

Aurelia Hübner ist Ärztin in der Anästhesie des Unfallkrankenhauses Marzahn. Sie engagiert sich auch bei der Johanniter-Unfall-Hilfe und bildet dort – neben ihren Einsätzen – Notfallsanitäter aus.

Aurelia Hübner ist Ärztin in der Anästhesie des Unfallkrankenhauses Marzahn. Sie engagiert sich auch bei der Johanniter-Unfall-Hilfe und bildet dort – neben ihren Einsätzen – Notfallsanitäter aus.

Foto: Sven Lambert

Berlin. Eilig mit Blaulicht per Rettungswagen oder manchmal sogar per Hubschrauber unterwegs? Dann sind Retter im Einsatz – alarmiert wegen schlimmer Unfälle oder plötzlich auftretender Gesundheitsprobleme.

Oft handelt es sich um Minuten, die über Leben oder Tod entscheiden. Notfallsanitäter und im Ernstfall ein Notarzt versorgen vor Ort Patienten und transportieren sie in ein Krankenhaus.

Einsätze bei Großveranstaltungen

Zusätzlich gibt es Sanitätsdienste, die medizinische Ernstfälle oder Verletzungen auf Events versorgen. Ob beim Berlin-Marathon, bei Musikfestivals oder anderen Großveranstaltungen: Aurelia Hübner ist dabei, wenn es ihre Zeit erlaubt.

Die 27-Jährige ist abends oder an den Wochenenden als Rettungssanitäterin und Ärztin für den Johanniter-Unfall-Hilfe e. V. unterwegs. Die Ungewissheit vor jedem Einsatz gehöre dazu.

„Es kommt immer anders, als man denkt“

„Das muss man mögen und aushalten können. Es ist nichts für Planer oder Leute mit großem Sicherheitsbedürfnis, denn es kommt immer anders, als man denkt“, sagt sie.

Für sich sieht sie darin eine gute Möglichkeit, praktische medizinische Erfahrungen zu sammeln: „Man trainiert dabei, in Krisensituationen Ruhe zu bewahren. Und man schult diagnostisches Denken.“ Das sei wichtig für sie als junge Ärztin, die neben ihren Einsätzen bei den Johannitern noch Notfallsanitäter ausbildet.

Sie will Notärztin werden

Aurelia Hübner ist selbst noch in der Weiterbildung. Nach ihrem Medizinstudium in Kiel und Freiburg kam sie ins Un­fallkrankenhaus Marzahn. Dort arbeitet sie jetzt im ersten Jahr ihrer Assistenz in der Anästhesie.

Damit kommt sie ihrem Ziel näher. Sie möchte sich auf die Notfallmedizin spezialisieren und hat den nächsten Schritt im Blick: „Den Schein als Notärztin kann ich über die Ärztekammer im dritten Weiterbildungsjahr machen.“

Weiterbildung ist Voraussetzung

Eine anerkannte Zusatzweiterbildung ist Voraussetzung für die Zulassung als Notarzt für den Einsatz im Rettungsdienst. Diese Zahl ist in den letzten Jahren gestiegen. Waren es 2014 nur 63 Zulassungen, registrierte die Ärztekammer Berlin im vergangenen Jahr 117.

Die Zusatzweiterbildung Notfallmedizin haben in der Hauptstadt laut der Kammer knapp 1000 Ärzte, die auch ärztlich tätig sind.

Gezielte Vorbereitung auf Katastrophenalarm

Der Weg zum Notarzt führt immer über Qualifizierungen im Rettungsdienst. Denn zu den Voraussetzungen gehört der Nachweis von 50 Einsätzen im Notarztwagen oder Rettungshubschrauber.

Dr. Florian Breuer ließ sich parallel zum Zivildienst in damals zwei Jahren zum Rettungsassistenten ausbilden und fuhr neben dem Medizinstudium einen Notarztwagen. Es folgte die Facharztweiterbildung in Anästhesiologie.

Sechs Oberärzte bei der Berliner Feuerwehr

„Und jetzt mache ich genau das, was ich immer machen wollte“, so der 37-Jährige, der für den Job 2017 von Nordrhein-Westfalen nach Berlin zog. Er ist einer von sechs Oberärzten neben dem Ärztlichen Leiter bei der Berliner Feuerwehr.

Der verbeamtete Mediziner schwärmt von der Vielseitigkeit seiner Arbeit. Bis zu sechsmal im Monat ist er mit dem Notarztwagen auf Rettungsmission. „90 Prozent der Notrufe, die bei der Feuerwehr eingehen, sind Rettungsdiensteinsätze“, sagt er.

Koordination größerer Unfälle

Florian Breuer ist als Oberarzt vom Dienst Ansprechpartner für die Leitstelle der Feuerwehr. Regelmäßig ist er als leitender Notarzt eingesetzt, um gegebenenfalls bei größeren Unfällen mit vielen Verletzten zu koordinieren.

Einsatzauswertungen, Schulungen, Qualitätsmanagement, Beratung bei rettungsdienstlichen Fragen – das gehört alles zu seinen Aufgaben.

Studium in Katastrophenmanagement

Und wenn es mal zu Massenunfällen oder Katastrophen kommt? Auch dann ist er gerüstet. Im Studiengang Katastrophenvorsorgemanagement hat er im vergangenen Jahr an der Uni Bonn den Abschluss „Master of Disaster Management and Risk Governance“ gemacht, der ihn unter anderem für die Risiken- und Krisenkommunikation fit machte.

„Der Rettungsdienst ist mehr als ein reiner Transportdienst. Er wird immer professioneller“, betont Jan-Peter Jüttner.

Der Job ist auch eine Berufung

Der Rettungsassistent schloss sein Medizinstudium in Rostock ab. Bereits vor dem Studium hat er Rettungsdienste geleistet und ist nun während seiner Promotionszeit wieder mit der Feuerwehr unterwegs.

Überzeugt versichert er: „Wen einmal das Blaulichtfieber gepackt hat, der kommt davon nicht mehr los.“

Lindern von Panikattacken gehört dazu

Zur Arbeit gehöre neben dem Wiederbeleben, dem Legen von Zugängen und der Gabe von Medikamenten manchmal einfach nur ein bisschen Zuwendung und das ruhige Lindern von Panikattacken.

„Wenn es zum Beispiel einer Seniorin schlecht geht, kann es daran liegen, dass sie einfach ihre Medikamente nicht genommen hat“, sagt der 32-Jährige. Ihr sei mit ein paar beruhigenden Worten geholfen.

Der Rettungsdienst werde ohnehin nicht nur wegen körperlicher, sondern auch bei psychosozialen Problemen gerufen. „Ein Großstadtproblem“, sagt Jüttner.

Dreijährige Ausbildung zum Rettungsassistenten

Die hohen Anforderungen an Rettungsassistenten waren auch der Grund, dass aus der bis vor fünf Jahren zweijährigen Ausbildung ein neuer dreijähriger Ausbildungsberuf wurde.

„Bis zum Jahr 2026 wird es in Berlin Pflicht sein, dass jeder Rettungswagen nicht nur mit einem Rettungsassistenten, sondern mit einem Notfallsanitäter besetzt ist“, erklärt Melanie Fleischer. Die Medizinpädagogin leitet die Landesrettungsdienstschule des DRK Berlin.

Auch Qualifikation für Quereinsteiger im Angebot

Die Schule bildet seit September 2018 selbst Notfallsanitäter aus. Zwölf Auszubildende haben diese Ausbildung begonnen. Die Chancen stehen gut, übernommen zu werden.

Ebenfalls im DRK-Programm: Rettungssanitäter-Vollzeitkurse, die in drei Monaten Kenntnisse rund um den Transport der Patienten im Rettungswagen vermitteln – keine Berufsausbildung, aber eine Qualifikation für Quereinsteiger, die den Job wechseln wollen.

Ausnahmezustand Rettungsdienst

Für den Malteser Hilfsdienst im Einsatz

Dimo Schaulies wusste schon in seiner Kfz-Mechatroniker-Ausbildung, dass er sich umorientieren würde. Er machte vor neun Jahren die Rettungsassistenten-Ausbildung, legte die Zusatzausbildung zum Notfallsanitäter drauf und ist jetzt für den Malteser Hilfsdienst im Einsatz.

Die Katholische Hilfsorganisation beschäftigt 90 Mitarbeiter im Rettungsdienst, die auf sechs Wachen verteilt sind.

Schichtdienst tags und nachts gehört dazu

Als Schaulies erzählt, kommt er gerade aus dem Nachtdienst. Für den 33-Jährigen kein Problem. Schichtdienst gehöre halt dazu. Egal, zu welcher Zeit: Man müsse immer voll dabei sein und alles parat haben, um für jede Situation gerüstet zu sein.

Was ist jeweils zu tun oder welche Medikamentendosierung muss gegeben werden? Fragen, für die es immer sofort eine Antwort brauche. Ständige Fortbildungen seien Pflicht.

Man weiß nie, was der Einsatz bringt

Dennoch seien die Einsätze immer wieder eine Hausforderung, die nicht nur Wissen, sondern auch Feingefühl erfordere.

„Herauszufinden, was der Notfallpatient hat, ist oft wie Detektivarbeit“, findet Schaulies. Man wisse nie, was der Tag oder die Nacht bringe.

Woran er sich besonders erinnert? Im Februar vergangenen Jahres musste er eine Person retten, die unter einem Zug eingeklemmt war. „Platzangst darf man nicht haben“, deutet er an und schickt stolz hinterher: „Aber derjenige hat überlebt.“

Angst vor Perspektivlosigkeit, weil er die auch körperlich anstrengende Arbeit später nicht mehr machen kann, hat er nicht: „Die Technik wird immer besser und erleichtert vieles.“ Die Alternative zum Rettungsdienst sei für ihn die Arbeit in einem Krankenhaus.