Studenteninitiative

Ingenieur-Verein für Studierende: Darum engagieren sie sich

Kontakte zu Arbeitgebern und Ideen für die Berufsorientierung: Student Leon Thormeyer, Vorstand der AG WiIng, erklärt die Vorteile.

Leon Thormeyer ist Vorsitzender der Arbeitsgruppe Wirtschaftsingenieure an der Technischen Universität Berlin.

Leon Thormeyer ist Vorsitzender der Arbeitsgruppe Wirtschaftsingenieure an der Technischen Universität Berlin.

Foto: Sven Lambert

Berlin. „Generell würde ich jedem Studierenden empfehlen, sich an der Uni zu engagieren“, sagt Leon Thormeyer. „Man nimmt sehr viel mit, was später praktisch ist.“

Der 22-Jährige ist Vorsitzender der Arbeitsgruppe Wirtschaftsingenieure (AG WiIng e. V.) an der Technischen Universität (TU) Berlin.

Der gemeinnützige Verein wurde 1980 als Studenteninitiative gegründet. Er hat etwas mehr als 200 Mitglieder, davon 60 aktive, die sich an Veranstaltungen beteiligen oder im Vorstand mitarbeiten. Regelmäßig am Montagabend gibt es während der Vorlesungszeit ein Treffen, genannt MoM – Meet on Monday.

Wirtschaft und Technik - die Kombi lag nahe

Leon Thormeyer hat gerade sein sechstes Semester Wirtschaftsingenieurwesen hinter sich. Dass er ein Ingenieurstudium aufnehmen würde, war für ihn eigentlich schon immer klar, „weil mich das Mathematisch-Physikalische am meisten interessiert hat“.

Außerdem fand er Wirtschaft in der Schule spannend. So lag die Kombination aus beidem nahe.

Früh mit interessierten Firmen in Kontakt treten

Nach dem Abi mit den Leistungskursen Mathematik und Physik verbrachte der Berliner ein Jahr in Australien und ging dann an die TU. Ganz pragmatisch, weil er hier im richtigen Moment einen Studienplatz bekam.

Den Verein lernte er gleich zu Beginn kennen: Verschiedene Initiativen hatten sich bei den Orientierungstagen vorgestellt, ein Schulfreund schleppte ihn dann mit zur AG WiIng.

Motiv: persönliche Weiterentwicklung

Seit Ende 2017 ist Leon Thormeyer nun Vorstand. Er habe sich damals bewusst entschieden, sich mehr im Verein einzubringen, und wollte sich damit auch persönlich weiterentwickeln, erzählt er.

Seine Aufgabe ist es, den Überblick über alle Aktivitäten in der AG zu behalten. Außerdem pflegt er den Kontakt zu den Ehemaligen.

Brücke vom Studium in die Praxis

Der Verein will eine Plattform sein, hauptsächlich – aber nicht nur – für Wirtschaftsingenieure und -ingenieurinnen.

Sie sollen dadurch schon während des Studiums der Praxis näherkommen: „Das machen wir, indem wir mit Unternehmen kooperieren und Workshops, Seminare und Unternehmensbesichtigungen veranstalten“, beschreibt Thormeyer das Konzept. Zu einigen Firmen bestehen schon langjährige Kontakte.

Interesse von Arbeitgebern ist groß

Das Interesse an den angehenden Wirtschaftsingenieuren sei groß. Schließlich können die Firmen so engagierten Nachwuchs kennenlernen und die Gelegenheit zum Recruiting nutzen.

Auch ehemalige Vereinsmitglieder engagieren sich und bieten kleine Trainings an.

Von Unternehmensberatern lernen

Häufig sind es Unternehmensberatungen, mit denen der Verein zusammenarbeitet. Die kommen auch schon mal zu den Studis und geben Know-how weiter, zu Themen wie Networking etwa, oder zu Rhetorik, sagt Thormeyer.

„Das sind Leute, die gut präsentieren können, die gut reden können, weil es ihr Job ist.“ Und die Selbstpräsentation zu beherrschen sei wichtig.

Veranstaltungen organisieren, Kontakte pflegen

Außerdem gehört die AG WiIng zu zwei überregionalen Dachverbänden: zum VWI, dem Verband Deutscher Wirtschaftsingenieure, und zu den European Students of Industrial Engineering and Management (Estiem).

Als regionaler Ableger organisiert die AG WiIng Veranstaltungen mit Teilnehmenden aus Deutschland und dem europäischen Ausland.

„Gleichzeitig kann man zu Events in ganz Deutschland und Europa fahren“, so Thormeyer, der vergangenen November erst beim Estiem Council Meeting in Warschau war.

Hilfe bei der Berufsorientierung

Die Mitarbeit in der Arbeitsgruppe bringt Kontakte zu potenziellen Praktikums- oder Arbeitgebern und zeigt, dass man soziales Engagement mitbringt. Und sie hilft bei der Orientierung: „Ich glaube, es hilft total, wenn man nicht weiß, in welche Richtung man später gehen will“, sagt Thormeyer.

Auch wenn eine Veranstaltung meist nur einen Nachmittag dauere: „Sich anzuschauen, wie zum Beispiel eine Unternehmensberatung funktioniert, oder Amazon – dann hat man schon mal einen besseren Einblick, als wenn man nur darüber liest.“

Kommilitonen schneller kennenlernen

Außerdem vernetzt die AG die WiIngs miteinander: „Die TU Berlin ist riesig und auch irgendwie sehr anonym“, sagt Leon Thormeyer. Da falle es schwer, Anschluss zu finden.

In der AG finde man Leute, „die alle durch die gleichen Probleme gegangen sind, die die gleichen Prüfungen geschrieben haben“. Das helfe.

Zum Auslandssemester nach Südkorea

Neben Studium und Vereinsengagement arbeitet Thormeyer, der den Schwerpunkt Informations- und Kommunikationssysteme gewählt hat, als studentische Hilfskraft an der Humboldt-Universität im IT-Support.

Ab September wird er in einem Auslandssemester seine Bachelorarbeit schreiben. Ihn zieht es an die Partneruniversität der TU in Daejeon/Südkorea.

Den AG-Vorsitz gibt er ab, die normale Amtszeit beträgt ein Jahr. „Es ist schon ein zeitlicher Aufwand, sich als Vorstand zu engagieren“, räumt Thormeyer ein. Doch es lohnt sich.