Vergütung

Einstiegsgehälter für Architekten sind eher gering

Gehaltsexperte Tim Böger über die Aussichten: Jahresgehalt mit Architektur-Master und bis zu drei Jahren Erfahrung bei 33.000 Euro.

Ihre Qualifikation schlägt sich bei Architekten nicht unbedingt auf dem Gehaltszettel nieder.

Ihre Qualifikation schlägt sich bei Architekten nicht unbedingt auf dem Gehaltszettel nieder.

Foto: Paul Bradbury / Getty Images

Berlin.  Sehr gute Abiturnoten, künstlerisches Talent, handwerkliches Geschick, technisches und mathematisches Verständnis – die Anforderungen an Nachwuchsarchitekten sind hoch.

Der Zugang zum Beruf führt über ein anspruchsvolles Studium, bei dem die Absolventen lernen, selbst unter Termindruck sorgfältig zu arbeiten und ihre Ideen anschaulich zu präsentieren.

Warum sich die Qualifikationen aber nicht unbedingt auf dem Gehaltszettel niederschlagen, erklärt Vergütungsexperte Tim Böger, Geschäftsführer des Infoportals Gehalt.de im Gespräch mit Kirstin von Elm.

Berliner Morgenpost: Herr Böger, Architekten müssen viel wissen und viel können. Ist der Beruf auch lukrativ?

Tim Böger: Leider nein. Unsere Auswertungen zeigen, dass Architekten im Vergleich zu anderen Akademikern trotz des langen Studiums eher wenig verdienen. Das mittlere Jahresgehalt eines Berufseinsteigers mit Masterabschluss und bis zu drei Jahren Berufserfahrung liegt bei rund 33.000 Euro.

Zum Vergleich: In der Chemie- oder Autoindustrie startet ein Nachwuchsingenieur beispielsweise schon mit Bachelor bei rund 50.000 Euro, mit Master sogar bei rund 56.000 Euro brutto im Jahr.

Und später? Schließt sich die Lücke mit zunehmender Berufserfahrung?

Nein, der Abstand bleibt bestehen. Grundsätzlich gilt: Wer mit einem geringen Gehalt ins Berufsleben startet, kann später nur selten zu den Top-Verdienern aufholen. Das zeigt sich auch bei den Architekten. Erst nach mehr als neun Jahren im Job knackt ungefähr die Hälfte von ihnen die 50.000-Euro-Marke, deutlich später als viele andere Akademiker.

Warum werden Architekten denn so mäßig bezahlt?

Die Mehrzahl ist in kleineren Architekturbüros tätig, wo die Umsätze entsprechend gering ausfallen. Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass von den rund 39.000 Architekturbüros in Deutschland mehr als drei Viertel weniger als 250.000 Euro Umsatz pro Jahr erzielen. Das sorgt bei Inhabern und Angestellten gleichermaßen für wenig Spielraum beim Gehalt.

Das zahlen Berliner Arbeitgeber

Wie sieht es speziell in Berlin aus? Hier gibt es ja renommierte Büros, die große Projekte realisieren.

Ja, allerdings können die sich ihre Bewerber meist aussuchen. Und auch die Konkurrenz um lukrative Aufträge ist groß. Bundesweit liegt Berlin bei Ar­chitektengehältern je­denfalls nur im Mittelfeld.

Deutlich bes­ser verdienen Architekten beispielsweise in Hessen, Hamburg, Bayern oder Baden-Württemberg. Wirtschaftlich schwächere Regionen wie Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern liegen dagegen am unteren Ende der Skala, denn dort wird weniger gebaut.

Positive Entwicklung beim Gehalt

Aber in Berlin und vielen anderen Regionen boomt die Baubranche. Kommt das früher oder später auf dem Gehaltszettel an?

Es gibt durchaus positive Entwicklungen: Die Zahl der arbeitssuchenden Architekten befindet sich derzeit auf einem Tiefststand, der Wohnungsbau wird weiter vorangetrieben. Das wird sich positiv auf die Gehälter auswirken.

Besser bezahlt als in kleinen Büros werden Architekten übrigens schon jetzt in der gewerblichen Wirtschaft. In großen Unternehmen gelten oft Tarifverträge, sie bieten regelmäßige Gehaltserhöhungen und finanzielle Zusatzleistungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld oder betriebliche Altersvorsorge.