Tanzlehrer

Die Kellers sind ein Paar – auf dem Parkett und im Business

Karola und Sebastian Keller leiten eine Tanzschule mit 24 Angestellten. Sie ergänzen sich gut in ihrem eher ungewöhnlichen Beruf.

Tanzlehrerinnen Karola und Sebastian Keller.

Tanzlehrerinnen Karola und Sebastian Keller.

Foto: Sven Lambert

Berlin.  Kaum dass Karola Keller laufen konnte, begann sie auch schon zu tanzen. Kein Wunder: Ihre Mutter führte die Tanzschule Dieter Keller in Friedenau, gab jeden Tag Tanzunterricht, organisierte die Weltmeisterschaften der Profipaare in der Deutschlandhalle.

„Da gab es auch ein Rahmenprogramm mit Vorführungen von Kindern und Jugendlichen“, erzählt Karola Keller, heute 33. „Mit zwei Jahren, glaube ich, habe ich da das erste Mal mitgemacht.“ Im Jahr 2010 stieg sie in die Geschäftsleitung ein, zwei Jahre später kam ihr Mann Sebastian hinzu.

Tanzschule mit langer Tradition

Die Anfänge dieser Berliner Institution reichen bis in die 1920er-Jahre zurück. Karola Keller betreibt die Tanzschule in vierter Generation. Als Jugendliche überlegte sie kurz, mit der Tradition zu brechen. „Ich habe gedacht: Ich will eigentlich nicht arbeiten, wenn meine Freunde freihaben“, erinnert sie sich.

Doch der Widerstand dauerte nicht lange: „Ich habe damals auch Turniere getanzt und gemerkt, dass mich das doch interessiert.“ Mit 17 Jahren begann sie also ihre Ausbildung zur Tanzlehrerin in einer Tanzschule in Spandau. In die Leitung des Familienbetriebs stieg sie 2011 ein, zwei Jahre später kam ihr Mann hinzu. Er stammt ebenfalls aus einer Tanzschulfamilie.

Strukturen aufbauen, die Freizeit ermöglichen

Nun teilen sich die beiden die Aufgaben. Sie haben ihren Tagesablauf so strukturiert, dass Zeit für die Kinder und gemeinsame Unternehmungen bleibt. Auf ihre Mitarbeiter können sie sich verlassen, sagt Karola Keller. 24 sind es inzwischen, darunter auch Verwaltungs-, Gastro- und Reinigungspersonal.

Geschlossen hat die Tanzschule selten – Weihnachten zum Beispiel. „Und vor Ostern“, erzählt Karola Keller. „Da fahren wir zur Fortbildung zum internationalen Tanzlehrer-Kongress.“ Für die Motivation und damit alle Mitarbeiter stets auf dem Laufenden sind, veranstalten die Kellers Teamtage.

Personalmanagement und Eventplanung

Jüngst waren sie mit ihren Angestellten in Hamburg, haben den Status quo und Ideen für die Zukunft besprochen – und alle ins Musical eingeladen. Die Aufgaben der Kellers sind vielfältig: „Man muss alles organisieren, was hier in der Tanzschule passiert“, erklärt die Firmenchefin.

Zum Tagesgeschäft rund um den Tanz kommen ganz normale Tätigkeiten eines Firmeninhabers hinzu, zum Beispiel Personalmanagement, die Planung von Veranstaltungen und die Unternehmensentwicklung. „Wir sehen uns inzwischen mehr als Unternehmer denn als Tanzlehrer“, erklärt Sebastian Keller.

Mehr als 160 Kurse pro Woche

In den fünf Sälen der Tanzschule an der Friedenauer Rheinstraße finden mehr als 160 Kurse pro Woche statt, noch einige weitere in ihrer neuen Außenstelle in Teltow. „Unser Kerngeschäft ist Gesellschaftstanz“, sagt Sebastian Keller.

Das sind Standardtänze wie Walzer, Foxtrott, Rumba und Cha-Cha-Cha. Daneben gibt es Angebote für spezielle Zielgruppen: Paare, Singles, Senioren, Jugendliche oder Fans besonderer Tanzstile wie Salsa, West Coast Swing, orientalischer Tanz, Hip-Hop.

Zukunftsstrategie im Kopf

Wichtig sei, eine Strategie für die Zukunft im Kopf zu haben, sagt die 33-Jährige. Das Tanzlehrer-Paar versucht, immer mindestens fünf Jahre vorauszudenken. Um zukunftsfähig zu sein, müssen sie einen Spagat zwischen Tradition und Moderne schaffen, sind die Kellers überzeugt.

Zur guten Tradition gehört zum Beispiel, dass Seniorchefin Monika Keller – inzwischen 72 und aus der Geschäftsführung ausgestiegen – immer noch ihre drei Tanzkurse pro Woche gibt. Auch das Festhalten an sogenannten Traditionsbällen gehört dazu, erzählt Karola Keller. „Den Winter-Gala-Ball im Palais am Funkturm zum Beispiel. Wir veranstalten ihn jedes Jahr im Januar.“

Tanzunterricht in der Grundschule

Zum Thema Moderne gehört dagegen der „Dancing Classroom“. Das Konzept wurde vom Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverband (ADTV) entwickelt, dem auch die Tanzschule Keller angehört. Dabei werden Fünftklässler im Sportunterricht im Tanzen unterrichtet.

Gerade in Schulen, in denen die Atmosphäre „ein bisschen schwieriger ist“, sei das sinnvoll, sagt Sebastian Keller. Denn beim Tanzen geht es nicht nur um die gemeinsamen Schritte, sondern auch um den zwischenmenschlichen Umgang.

Das präge fürs Leben, findet der 31-Jährige. Die Inhaber sind stolz darauf, dass ihre Tanzschule die einzige in Berlin und Brandenburg ist, die lizenziert ist, an Schulen heranzutreten und den Dancing Classroom anzubieten.

Tanzschule mit Shop und Social-Media-Kanälen

Problematisch für Tanzschulen ist heutzutage: Viele Jugendliche und junge Erwachsene denken, der Stil ist noch so wie vor 20 Jahren, sagt Sebastian Keller. „Aber das ist bei uns halt gar nicht mehr der Fall.“

Mit ihrem neuen Kurssystem könne zum Beispiel jeder Teilnehmer sein Lerntempo selbst bestimmen. Das tanzschuleigene Magazin gibt es heute auch online mit Login und Shop, die Tanzkurse und die Teilnahme an Veranstaltungen lassen sich online buchen. Und in den sozialen Medien sind die Kellers natürlich auch vertreten.

Arbeiten, wenn andere Feierabend haben

Was sich aber nicht geändert hat: Tanzen gehen die Menschen abends und am Wochenende. Für Tanzlehrer heißt das: Wenn andere Feierabend haben, fängt der eigene Job erst an. Freizeitaktivitäten mit Familie und Freunden scheitern daran oft.

Das sei vielen angehenden Tanzlehrern gar nicht bewusst, sagt Karola Keller. Sie selbst empfindet ihren Beruf als Berufung. „Wenn man das nicht mit Leidenschaft macht, sollte man etwas anderes machen.“