Interview

Mode-Expertin: „Jobs gibt es bei kleinen Labels“

Wie die Berufsperspektiven innerhalb Deutschlands sind, sagt Carmen Lilienthal, stellvertretende Leiterin der Modeschule Berlin.

Carmen Lilienthal, stellvertretende Schulleiterin der Modeschule Berlin / Oberstufenzentrum Bekleidung & Mode

Carmen Lilienthal, stellvertretende Schulleiterin der Modeschule Berlin / Oberstufenzentrum Bekleidung & Mode

Foto: Christine Persitzky

Berlin.  Carmen Lilienthal ist stellvertretende Schulleiterin des Oberstufenzentrums Bekleidung & Mode in Berlin. Christine Persitzky sprach mit ihr über die Berliner Modebranche und die Ausbildungswege an der Modeschule Berlin.

Berliner Morgenpost: Im Bereich Bekleidungstechnik gibt es in Berlin nur das Studium an der HTW. Warum?

Carmen Lilienthal: Bis vor wenigen Jahren hatten wir an dieser Schule noch die Fachschule für Bekleidungstechnik. Dieses Pendant zur Meisterprüfung wurde wegen mangelnder Nachfrage eingestellt.

Mangelnde Nachfrage? In der Modestadt Berlin?

Bis zum Zweiten Weltkrieg war die Modebranche in Berlin der zweitgrößte Wirtschaftsfaktor. In unserer Nachbarschaft, am Hausvogteiplatz, war das Zentrum der Mode-Konfektion. Inzwischen gibt es in Berlin nur noch wenige Betriebe, die Kleidung industriell fertigen, sodass Bekleidungstechniker kaum noch gebraucht werden. Es gibt eher die kleineren Modelabels oder Jobs in anderen Bereichen, bei Film und Theater zum Beispiel.

Wie könnte ich ohne Abitur in diese berufliche Richtung gehen?

Ich kann eine Ausbildung im Bereich Mode und Bekleidung machen. An der Modeschule Berlin bieten wir verschiedene Bildungsgänge an. Wir sind die Berufsschule für mehrere duale Ausbildungen, zum Beispiel Maßschneiderin, Modistin oder Schuhmacherin. Wir bieten aber auch verschiedene Vollzeit-Ausbildungen an, bei denen die Ausbildung ausschließlich an unserer Schule stattfindet. Das sind die zweijährigen Ausbildungen zur Textil- und Modenäherin, zur Änderungsschneiderin und zur Assistentin für Mode und Design sowie die dreijährigen Ausbildungen zur Textil- und Modeschneiderin und zur Modedesignerin.

Und man kann bei Ihnen das Abitur machen?

Richtig. Wer klug in seine Zukunft investieren will, macht bei uns eine zweijährige Ausbildung und besucht anschließend ein Jahr die Fachoberschule. Dann hat man innerhalb von drei Jahren beides – eine Berufsausbildung und die Fachhochschulreife. Außerdem haben wir in einem Modellversuch mit dem Oberstufenzentrum Handel 1 in der Wrangelstraße eine Kooperation zum beruflichen Gymnasium.

Was ist das genau?

Nach bestandenem mittleren Schulabschluss (MSA) können die Schüler in drei Jahren ihr normales Abitur machen und besondere Fächer belegen. Die Modeschule bietet dafür einen Leistungskurs Modedesign an. Das ist bundesweit einzigartig.

Lohnt es sich, trotzdem eine berufliche Ausbildung zu machen?

Bei uns lernen die Schüler die Basics. Die Schneider haben hier drei Jahre lang jede Woche zwei ganze Tage praktischen Unterricht. Das ist meiner Meinung nach das A und O.Sie brauchen die Kenntnisse über Herstellung, Materialien und Verwendung. Und dann können sie sehen, in welche Bereiche sie gehen.Wir greifen auch immer wieder neue Techniken oder Richtungen auf, das Schweißen von Nähten beispielsweise.

Wie können Sie sich gegen die privaten Modeschulen behaupten?

Dass unsere Schule staatlich ist, hat Vorteile. Sie ist hervorragend ausgestattet. Sie ist gebührenfreiEs entspricht dem Aufbau unseres Bildungssystems, dass die berufliche Erstausbildung nichts kostet. Wir unterliegen außerdem der Qualitätsentwicklung von Schule: Unsere Unsere Lehrer werden regelmäßig geschult, fortgebildet und beurteilt.Wir müssen neueste pädagogische Erkenntnisse umsetzen, unsere Prüfungsaufgaben werden überprüft und vereinheitlicht. Es ist sogar eine Zertifizierung aller Berliner Oberstufenzentren geplant. Dieses sind alles wichtige Qualitätskriterien, die unseren Schülerinnen eine solide und zukunftsweisende Ausbildung ermöglichen.