Berufsporträt

Ohne die Arbeit der MTA klappt nichts in Praxis und Labor

Medizinisch-technische Assistenten (MTA) gelten als die rechte Hand des Arztes und tragen große Verantwortung. Hier berichten Azubis.

Die Berlinerin Sophie Grützmacher ist in der Ausbildung zur Medizinisch-technischen Assistentin (MTA).

Die Berlinerin Sophie Grützmacher ist in der Ausbildung zur Medizinisch-technischen Assistentin (MTA).

Foto: Sven Lambert

Berlin.  Die Zeit drängt: Ein Patient des Krankenhauses braucht eine Blut­transfusion. Die Medizinisch-technische Laborassistentin der Klinik bestimmt die Blutgruppe des Notfalls, ordnet eine der Blutkonserven zu und prüft noch einmal, ob sich das Blut von Spender und Patient verträgt.

Jeder Handgriff muss sitzen. Eine falsche Transfusion kann ernste Konsequenzen haben – bis hin zum Tod des Patienten.

Wichtiger Beitrag zur Diagnose

„Wir tragen eine hohe Verantwortung“, sagt Karen Czipull. „Trotzdem bleibt unser Beitrag zum Gesundheitswesen oft unerwähnt“, bedauert sie. Czipull ist Leiterin des Bereichs MTA Labor beim Ausbildungsinstitut Lette Verein Berlin.

Bei ihr erlernen Medizinisch-technische Laborassistenten (MTLA) ihren Beruf. Czipull unterstreicht, wie wichtig diese Fachkräfte sind: Sämtliche Diagnosen der Ärzte beruhen bis zu 80 Prozent auf den Untersuchungen, die MTA machen – und die auch nur sie mit ihrer fachlichen Ausbildung machen dürfen.

Drei Jahre an einer Berufsfachschule

MTA analysieren Proben in Labors, röntgen und bestrahlen Körperteile, überprüfen tierische Lebensmittel auf Krankheiten oder messen die Funktion der Lungen.

Von der Fachrichtung, die sie in der Ausbildung gewählt haben, hängt es ab, wo MTA ihren Arbeitslatz finden: Im Labor (MTLA), in der Radiologie (MTRA), in der Funktionsdia­gnostik (MTAF) oder in der Veterinär-, also Tiermedizin (VMTA).

Abschluss mit Staatsexamen

Arbeitgeber sind Kliniken, Praxen, Labore, Forschungseinrichtungen oder Unternehmen. Die dreijährige Ausbildung an einer Berufsfachschule wird mit einem Staatsexamen abgeschlossen.

Finn Lammers (25) befindet sich im ersten Ausbildungsjahr zum MTRA beim Lette Verein. Als solcher wird er später in einer radiologischen Praxis oder Abteilung arbeiten: „Ich erhalte eine Überweisung und sehe, dass ein Knie zu röntgen ist“, erklärt Lammers einen typischen Arbeitsschritt.

„Dann positioniere ich den Patienten auf dem Röntgentisch, sodass die Aufnahmen des Gelenks exakt werden. Anschließend überprüfe und sende ich die Röntgenbilder weiter an den Arzt oder an Fachabteilungen.“

Enger Kontakt zu den Patienten

Außer dem Umgang mit der Technik sieht der Auszubildende den Kontakt zu den Patienten als eine der wichtigsten Aufgaben in seinem Job. Man müsse nicht nur das eigene Auge für gute Röntgenaufnahmen schulen, sondern auch mit schwer erkrankten und verletzten Patienten umgehen können, sagt er.

„Der aktive Kontakt mit den Menschen gibt einem aber auch viel zurück“, findet der 25-Jährige. „Es ist eine sehr schöne Arbeit, ich tue etwas Gutes.“

Lammers freut sich schon auf sein einjähriges Praktikum am Ende des zweiten Ausbildungsjahres. Er wird dann täglich in einer Klinik oder Praxis arbeiten und einmal wöchentlich zur Schule gehen.

Lieber in die Praxis als ins Hotelfach

Der gelernte Hotelfachmann fühlte sich beruflich „noch nicht angekommen“. Deshalb entschied er sich für eine zweite Ausbildung im medizinisch-technischen Bereich. „Auf der Gesundheitsmesse in Berlin habe ich eine MTRA aus einem Krankenhaus kennengelernt“, erzählt er. „Ich durfte sie bei der Arbeit besuchen und konnte mir ein Bild von dem Beruf machen.“

Zwar hätten ihn auch Berufe in der Pflege interessiert, doch in der Radiologie sah er bessere Zukunftschancen. „MTRAs werden passend entlohnt und die flexiblen Arbeitszeiten sind verlockend, wenn ich einmal eine Familie habe.“

Das durchschnittliche Gehalt von Berliner MTA liegt laut einer Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung aus dem Jahr 2015 bei rund 2850 Euro brutto, basierend auf einer 38-Stunden-Woche. „Medizinische Berufe sind gefragt“, sagt Finn Lammers.

Mit der Technik Schritt halten

„Aber egal ob Krankenhaus oder Arztpraxis, man muss sich fortbilden und die eigene Fachkunde erneuern, um mit der Technik Schritt zu halten.“

Auch Bildungsreferentin Wiebke Bruns betont, dass die Fachkräfte stets am Ball bleiben müssen, um mit dem Wandel in der Medizin Schritt zu halten. Sie arbeitet beim Deutschen In­stitut zur Weiterbildung für Technologen/-innen und Analytiker/-innen in der Medizin (DIW-MTA).

„Weitergebildete MTA haben bessere Arbeitsmarktchancen und können anspruchs- und verantwortungsvolle Tätigkeiten übernehmen“, sagt sie.

Lehrgänge in Qualitätsmanagement

An Bruns’ Institut gibt es nicht nur fachspezifische Weiterbildungen, sondern auch Lehrgänge in Qualitätsmanagement, in Betriebswirtschaft speziell fürs Gesundheitswesen und im Bereich Praxisleitung.

Auch zwei Masterstudiengänge werden dort angeboten: in Biomedizinischer Analytik und in Radiologietechnologie. Sie richten sich an MTLA und MTRA, die schon einen Bachelorabschluss oder mehrjährige Berufserfahrung plus Fachweiterbildung haben.

Nicht nur der Verantwortungsbereich, natürlich auch das Gehalt könne sich mit einer Weiterbildung positiv verändern.

Verband will attraktivere Ausbildung

Christiane Maschek ist Präsidentin des DVTA. Das ist der Dachverband für Technologen/-innen und Analytiker/-innen in der Medizin Deutschland. Sie sagt, dass 22 Prozent der berufstätigen MTA heute schon älter als 55 Jahre sind. „Das heißt, dass uns in Zukunft ein Mangel an Fachkräften droht, wenn die Ausbildung nicht attraktiver gestaltet wird.“

Momentan werde unter einer 25 Jahre alten Ausbildungs- und Prüfungsverordnung ausgebildet, kritisiert sie. Die entspreche keinesfalls der medizinisch-technischen Entwicklung der vergangenen Jahre ab.

Ziel ist Akademisierung des Ausbildungsberufs

Wie gut die Ausbildung ist, hängt also sehr von den einzelnen Schulen und ihrem Anspruch ab. Immerhin – in den beiden Berliner Ausbildungszentren für MTA wird bereits erfolgreich umgesetzt, was Maschek bundesweit fordert: „Mehr Praxisbezug, kompetenzorientiertes und berufsbegleitendes Lernen.“

Der Verband will außerdem für eine „Akademisierung der MTA-Berufe“ sorgen. „Akademisierung“ bedeutet, dass es immer mehr Berufstätige mit Hochschulabschluss geben soll – plus oder sogar statt der Berufsausbildung.

Spannender als Krankenpflege

Sophie Grützmacher (19) hat gerade ihr zweites Ausbildungsjahr zur MTAF begonnen. Sie erlernt ihren Beruf an der Akademie der Gesundheit Berlin/Brandenburg.

Warum sie einen MTA-Beruf gewählt hat? „Nach dem Abitur wollte ich etwas mit Medizin machen“, erzählt sie. Doch statt sich für eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin oder Medizinischen Fachangestellten zu entscheiden, wählte Grützmacher den Bereich der MTAF. Das erschien ihr spannender.

„Ich untersuche die Patienten weitgehend selbstständig“, erklärt sie. „Ich messe Hirnströme, die Hörfähigkeit, teste den Gleichgewichtssinn oder prüfe Lungenfunktion und Herztätigkeit. Eine sehr vielseitige Arbeit.“

Vorauswertung für den Arzt

Nach jeder Untersuchung überprüft sie, ob die Ergebnisse aussagekräftig sind. Und sie checkt, ob sie sich mit den bislang vom Arzt erhobenen Befunden decken. „Dann treffe ich eine Vorauswertung auf Anordnung des Arztes“, erklärt Sophie Grützmacher.

Am meisten interessiert sich die 19-Jährige für Anatomie. Das ist die Lehre vom inneren Bau der Organismen. „Ich finde es spannend, was im Körper passiert.“ Dass sie sich an ihrer Berufsfachschule in einem realitätsnahen Umfeld ausprobieren kann, findet sie toll.

„Skillcenter“ heißen diese Lernbereiche an der Akademie der Gesundheit. Dort können viele Situationen aus dem späteren Berufsalltag simuliert werden.

Eventuell noch studieren

Knapp zwei Jahre wird Grützmacher noch an der Akademie verbringen. Dann schließt sie ihre Ausbildung zur MTAF ab. Ihre Zukunftspläne? „Ich möchte in einer Klinik arbeiten“, sagt sie. Anschließend noch zu studieren, kommt für sie auch infrage.

Was sie Jugendlichen, die noch in der beruflichen Orientierung stecken, über ihren Beruf sagen würde? Außer viel Verantwortungsbewusstsein sollte man unbedingt geduldig und einfühlsam sein, findet Sophie Grützmacher.

Hohes Maß an Empathie erforderlich

MTRA Jacqueline Globig, Leiterin des Bereichs MTA Radiologie beim Lette Verein, stimmt der Auszubildenden voll und ganz zu: „In der Radiologie ist die Strahlentherapie ein Bestandteil der Tätigkeit“, erklärt sie.

„Also kommt man auch mit Patienten in Kontakt, die an Krebs erkrankt sind.“ Und gerade diese Erkrankung setze beim medizinischen Personal ein hohes Maß an Empathie voraus.