Gründerteam

Dieses Berliner Paar hat die Buchtasche „CaYouBo“ erfunden

Zwei Berliner Gründer haben die Buchtasche „CaYouBo“ erfunden. Sie rennen mit ihrem Produkt offene Türen ein. So kam ihnen die Idee.

Michael Rödiger und Sophia Alexandridis fertigen die Buchtaschen „CaYouBo“ an. Für Heimarbeit wurde die Nachfrage zu groß – jetzt lassen sie bei einer Behindertenwerkstatt produzieren.

Michael Rödiger und Sophia Alexandridis fertigen die Buchtaschen „CaYouBo“ an. Für Heimarbeit wurde die Nachfrage zu groß – jetzt lassen sie bei einer Behindertenwerkstatt produzieren.

Foto: Sven Lambert

Berlin.  An Sophia Alexandridis’ Hand baumelt ein Buch, als sie neben ihrem Freund und Geschäftspartner Michael Rödiger steht. Das Buch ist eingeschlagen in blauen Stoff mit Zebramuster und hat einen Henkel. Das ist eine „CaYouBo“, kurz für „Carry Your Book“.

Wie ihr Produkt, so heißt auch das Unternehmen der beiden. Mit ihren Taschen wollen sie Menschen motivieren, unterwegs zum Buch zu greifen – statt zum Smartphone. Und die Idee kommt an. „Ich hätte nicht gedacht, dass das so durch die Decke geht“, sagt Rödiger.

Viele Kunden schickten ihnen Fotos mit den Taschen, erzählt er. Sie sagten, nach so etwas hätten sie immer schon gesucht.

Idee kam beim U-Bahn-Fahren

Auf die Idee einer Buch­tasche kam Alexandridis beim U-Bahn-Fahren. „Ich habe mir immer gesagt, ich könnte doch die Zeit in der U-Bahn zum Lesen nutzen.“ Aber das Kramen in der großen Tasche habe genervt.

„Da dachte ich, nähe ich mir doch eine Tasche, wo das Buch genau reinpasst“ – mit einem Extrafach für die Fahrkarte. Als sie Rödiger davon erzählte, kam bei ihm der BWLer durch. „Ich dachte: Was sie gebrauchen kann, brauchen andere auch.“

Sie ist die Kreative, er kann gut mit Zahlen

Als Gründer-Paar ergänzen sie sich gut. „Ich bin der kreative Kopf, er kann gut mit Zahlen“, sagt Alexandridis. Nach dem Abitur machte Rödiger eine verkürzte Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann bei der Unternehmensgruppe Rewe – in der Nähe von Thüringen, wo die beiden aufwuchsen.

In dem Unternehmen arbeitete er später als stellvertretender Filialleiter. „Das ging relativ zügig“, sagt der 25-Jährige über seine Karriere im Einzelhandel. Jedoch wurde es ihm bald zu eintönig. „Ich wollte mich weiterbilden.“

Gemeinsam zogen sie nach Berlin. Rödiger begann ein BWL-Studium an der Freien Universität (FU). Alexandridis absolviert ein Sprachenstudium mit Griechisch im Hauptfach. „Ich bin auch halbe Griechin“, sagt die 21-Jährige.

Nach dem Studium will sie sich in der Übersetzerbranche etablieren. „Das Erste wäre, dass sie mal die Website übersetzt“, sagt Michael Rödiger und lacht. Ihr Ziel: bald europaweit zu verkaufen.

„CaYouBo“ entstand im Rahmen des diesjährigen Funpreneur-Wettbewerbs der FU. Das Projekt überzeugte die Jury und landete auf dem ersten Platz. „Ich würde den Wettbewerb jedem empfehlen“, sagt Alexandridis.

Wettbewerb ist fächerübergreifend

Ihr habe die Teilnahme am Gründercontest gezeigt: „Ich kann auch in eine vollkommen andere Richtung gehen.“ Denn der Wettbewerb ist fä­cherübergreifend ausgelegt. Studierende könnten dabei Produktideen entwickeln und sich als Unternehmer ausprobieren.

„Ziel ist es, innerhalb von fünf Wochen ein marktreifes Produkt zu haben“, sagt die 21-Jährige. Kurz nach dem Wettbewerb haben die beiden offiziell gegründet.

Michael Rödiger hat dabei sein Nebenjob in einer Softwarefirma geholfen. Er arbeitet dort im Telemarketing. „Praktische Erfahrung ist immer von Vorteil“, sagt er. Außerdem hat er sich in seinem Studium neben der Informatik auch auf Marketing spezialisiert.

Bei anderen Rat holen

„Für mich war am Anfang alles eine Herausforderung“, sagt Alexandridis. Anderen Gründern rät sie: Man solle sich auf seine Fähigkeiten verlassen, aber auch nicht davor zurückschrecken, sich bei anderen Rat zu holen. „Gerade hier in Berlin gibt es super Leute, die einem helfen“, findet Rödiger. Auch von seinem Chef, selbst ein Gründer, habe er viele Tipps bekommen.

Die Taschen von „CaYouBo“ werden inzwischen in vielen Buchhandlungen verkauft, darunter Hugendubel und Dussmann. Auch einige kleinere Läden wie die Dorotheenstädtische Buchhandlung in Spandau – ihre Stammbuchhandlung – konnten sie als Handelspartner gewinnen.

Persönlich in Buchhandlungen vorgestellt

Rödiger und Alexandridis sind mit ihren Taschen einfach in den Buchhandlungen vorbeigegangen und haben nachgefragt. „Die meisten waren begeistert. Sie haben gefragt: Wie viele könnt ihr uns in welcher Zeit liefern?“, erzählt Rödiger. Genug: Allein schon während der fünfwöchigen Funpreneur-Ausscheidung haben sie 150 Stück produziert.

Man dürfe sich nicht scheuen zu fragen und nicht enttäuscht sein, wenn eine Buchhandlung mal absagt, sagt Alexandridis. Bei den meisten haben sie jedoch Erfolg. Aus seinem Nebenjob weiß Rödiger: „Zehn Prozent Zusage sind eine gute Quote. Wir sind momentan bei 80 Prozent.“

Die Etiketten, die sie in die Buch­taschen nähen, gab es von der Herstellerfirma zu Beginn gratis, als sie sagten, dass sie studieren und an einem Wettbewerb teilnehmen. „Wir haben gefragt, ob wir die Etiketten preisgünstiger haben können, und bekamen sie schließlich kostenlos“, erzählt Rödiger. Auch hier habe sich das Fragen gelohnt.

Anfangs war der Esstisch auch der Werktisch

„Anfangs sah die Produktion so aus: Ich habe geschnitten, Sophia hat genäht“, erklärt Rödiger. Ihr Esstisch sei zugleich ihr Werktisch gewesen. Inzwischen näht eine Behindertenwerkstatt den Großteil der Taschen. Der soziale Aspekt ist ihnen wichtig. „Wir können zeigen, dass es möglich ist, zu fairen Preisen und bei fairer Produktion in Deutschland Produkte zu fertigen“, sagt Rödiger.

Auch den ökologischen Aspekt ihres Produkts betonen sie. Ihre Devise: So wenig Verpackungsmaterial wie nötig. „Deshalb gibt es nur einen Strick und eine Papierkarte als Verpackung. Das war’s“, sagt Sophia Alexandridis. Ein Teil des Preisgeldes aus dem Funpreneur-Wettbewerb spendeten sie an den Verein „Sukuta-Wannsee“, der eine Schule in Gambia fördert.

Die Zusammenarbeit als Paar funktioniere gut, meistens seien sie sich über ihre Ziele einig, sagen die beiden. Natürlich gebe es auch Auseinandersetzungen, aber Alexandridis betont: „Es schweißt auch zusammen.“ Doch es sei wichtig, die Arbeit auch mal zu vergessen. Deshalb machen die beiden in den nächsten drei Wochen erst einmal Urlaub – in Griechenland.