Junge Profis

Bühnenbildnerin: „Ich wollte schon immer zum Theater“

Die Berlinerin Theresa Reiwer studiert Bühnen- und Kostümbild an der Kunsthochschule Weißensee. Einen Preis hat sie schon erhalten.

Ihren Beruf vergleicht Bühnenbildnerin Theresa Reiwer mit dem einer Architektin – nur für die Bühne.

Ihren Beruf vergleicht Bühnenbildnerin Theresa Reiwer mit dem einer Architektin – nur für die Bühne.

Foto: Sven Lambert

Berlin.  Theresa Reiwer (31) steht kurz vor ihrem Abschluss. Seit fünf Jahren studiert sie das Fach Bühnen- und Kostümbild an der Weißensee Kunsthochschule Berlin, ist im zehnten Semester und arbeitet derzeit an ihrer Di­plomarbeit.

Dabei wird es um eine Theaterinstallation gehen, einen „narrative space“, sprich einen selbsterklärenden Raum, wie sie sagt. „An dem genauen Thema arbeite ich noch. Es wird eine Mischung aus Technologie und Mensch“, erklärt Reiwer. Mehr möchte sie nicht verraten, das Thema „nicht zerreden“. Die Installation soll für sich sprechen, wenn sie fertig ist.

Am Film „Jibril“ mitgearbeitet

Obwohl Reiwer ihr Studium noch nicht beendet hat, hat sie bereits einige Erfahrungen in der Branche gesammelt. Zum Beispiel war sie für die Szenografie – die Inszenierung des Bühnenbilds – im Film „Jibril“ verantwortlich.

Eine Kooperation mit drei Studentinnen der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf: Gemeinsam mit Henrika Kull (Regie), Sophie Lakow (Produktion) und Carolina Steinbrecher (Kamera) erhielt Reiwer dafür den Studio Hamburg Nachwuchspreis. Das ist eine der bedeutendsten Nachwuchs-Auszeichnungen in der Branche.

Sieben Wochen in einer Wohnung gedreht

„Wir haben sieben Wochen in einer Berliner Wohnung gedreht“, erzählt die 31-Jährige. Es sei Glück gewesen, jemanden zu finden, der ihnen die Wohnung zu günstigen Konditionen überlassen hat. „Wir brauchten lediglich die laufende Miete zu begleichen.“

Ansonsten konnte das Team schalten und walten, wie es wollte. „Ich durfte die Wohnung komplett entrümpeln und nach meinen Ideen gestalten“, erzählt Reiwer. „Die Ausstattung hat echt gewirkt. Das war ästhetisch super für den Film. Darauf bin ich wirklich stolz.“

Als Jugendliche mit Videokamera experimentiert

Zum Film oder zum Theater wollte die in Brühl bei Köln geborene Reiwer „schon immer“, wie sie erzählt. Als Jugendliche hatte sie sich eine Videokamera gewünscht und damit erste Filme gedreht. In der Schule hat sie in der Theater-AG gespielt. „Ich wusste immer, dass ich etwas in der Richtung beruflich machen möchte, nur noch nicht, wo genau mein Platz ist“, erzählt sie.

In Köln jedenfalls sei ihr die Theaterlandschaft zu bürgerlich gewesen, darum ging sie zum Studium nach Berlin. An der Freien Universität schrieb sie sich für Film- und Theaterwissenschaft ein.

Das Studium brachte Klarheit. Es zeigte Theresa Reiwer, dass sie „fürs Bühnenbild gemacht“ sei. Vor allem ihre Arbeit im Foyerdienst am Theater HAU Hebbel am Ufer und Praktika bei einer Performancegruppe sowie als Produktionsassistentin am Set des Daniel-Brühl-Films „Lila, Lila“ gaben den Ausschlag.

Studium in Weißensee dauert zehn Semester

Nach ihrem Abschluss ging sie an die Weißensee Kunsthochschule und belegte dort den zehnsemestrigen Di­plomstudiengang Bühnen- und Kostümbild.

Ihr Studium finanziert Reiwer mit mehreren Jobs. „Ich bin als DJ unterwegs, lege in Clubs und auf Festivals auf“, erzählt sie. Als Lichtdesignerin verschönert sie Konzerte und Clubs. „Das macht Spaß und gleichzeitig den Kopf frei für neue Ideen.“

Reiwer hat sich für ihren Beruf entschieden, weil sie „Kunst machen möchte“, wie sie betont. Sie sieht sich zukünftig als Kostüm- und Bühnenbildnerin am Theater, wo sie an verschiedenen Projekten arbeiten möchte.

Die 31-Jährige vergleicht ihren Beruf mit dem einer Architektin, nur eben für die Theaterbühne. Installationen interessieren sie besonders. Käme ein Angebot im Bereich des klassischen Bühnenbilds, würde sie aber auch nicht Nein sagen, fügt sie an.

Mit Witz im Bühnenbild

Reiwer ist begeistert von den Arbeiten von Herbert Fritsch, der als Regisseur unter anderem auch an der Berliner Schaubühne tätig war. „Er macht Theater mit ganz viel Spaß. Ich mag sein ästhetisches Konzept.“ Sein Witz, den er im Bühnen- und Kostümbild unterbringt, funktioniert auch ohne Sprache, findet sie.

Die angehende Bühnenbildnerin würde „eine freie und abwechslungsreiche künstlerische Arbeit“ der Festanstellung an einem Theater vorziehen. „Es sei denn, ich könnte dort genauso abwechslungsreich agieren“, ergänzt sie. Dennoch hofft sie, vielleicht einmal über einen Assistenzjob an einem Theater anheuern zu können. „Das ist der übliche Weg in meiner Branche“, erklärt sie.

Arbeit in fester Anstellung oder freiberuflich möglich

„Sobald ich mit dem Studium fertig bin, werde ich mich wie viele meiner als Freelancer arbeitenden Kollegen um eine Förderung bewerben und hoffe, etwas zu bekommen“, sagt Reiwer. Nach dem Diplom will sie sich dann auch an Theatern bewerben. „Das ist alles aber leider erst nach Abschluss des Studiums und zu Beginn einer neuen Spielzeit möglich“, erklärt sie.

Momentan teilt sich die Studentin mit acht Kollegen ein Atelier in Neukölln. „Hier arbeiten alle freiberuflich. Ich kann Kontakte knüpfen und mich ausprobieren“, sagt sie. Dort setzt sie auch ihre Ideen für die Installation im Rahmen ihrer Diplomarbeit um.

Den Beruf sieht sie als Berufung

Theresa Reiwer betont gern, dass ihr Beruf Berufung ist. „Man muss mutig sein, um in meiner Branche arbeiten zu können, und immer wieder aufs Neue begeistert sein von Kunst und Theater“, sagt sie. Wichtig sei auch, dass man sich gut verkaufen kann, Lust am Basteln hat und gern im Team arbeitet.

„Reich wird man mit der Arbeit jedoch nicht“, ergänzt sie. Doch die Kunst ist ihr wichtiger als ein prall gefülltes Portemonnaie.