Karriere

Jobs für Lebensmitteltechnologen durch demografischen Wandel

Auch die Globalisierung schafft Arbeitsplätze. Branchenexperte Jochen Hamatschek über die guten Chancen in der Lebensmittelindustrie.

Viele Lebensmitteltechnologen haben vor ihrem Studium eine Ausbildung absolviert. Experten halten das für sinnvoll.

Viele Lebensmitteltechnologen haben vor ihrem Studium eine Ausbildung absolviert. Experten halten das für sinnvoll.

Foto: industryview / Getty Images/iStockphoto

Berlin. Jochen Hamatschek ist Autor mehrerer Lehrbücher, unter anderem „Lebensmitteltechnologie“ und „Lebensmittelmanagement“, beide erschienen in der wissenschaftlichen Taschenbuchreihe utb. Er unterrichtet an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und ist ehemaliger Präsident der Gesellschaft Deutscher Lebensmitteltechnologen (GDL).

Herr Hamatschek, wo arbeiten Lebensmitteltechnologen?

Jochen Hamatschek: Lebensmitteltechnologen findet man in allen Bereichen der Lebensmittelindustrie: an Hochschulen, in Landesuntersuchungsämtern, in der Beratung, in Labors, überall. Ich selbst habe in der Zulieferindustrie gearbeitet, auch da findet man Lebensmitteltechnologen.

Wie sind die Berufschancen?

Die Lebensmittelwirtschaft ist eine Wachstumswirtschaft und wächst mit der Bevölkerung. Auch durch die Globalisierung gibt es größere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Während in Deutschland eine Tendenz zur Stagnation zu beobachten ist, wächst der Exportmarkt, wodurch neue Arbeitsplätze entstehen.

Wie wird sich der Arbeitsmarkt in Zukunft verändern?

Die Entwicklung der Lebensmittelwirtschaft ist eng an den demografischen Wandel gekoppelt. Zum Beispiel müssen immer mehr altersgerechte Produkte her, weil die Bevölkerung älter wird: Man braucht kleinere Portionen, Etiketten mit größerer Schrift, salzigere Produkte, da die Geschmacksnerven im Alter weniger werden.

Da die Lebensmittelsicherheit wichtiger wird, werden immer mehr Fachleute notwendig. Bei jedem Lebens­mittelskandal fallen dem Gesetzgeber neue Regelungen ein. Die Ansprüche im Verbraucherschutz wachsen. Auch hier tun sich in Zukunft neue Arbeitsfelder auf.

Braucht man als Lebensmitteltechnologe einen Masterabschluss?

Ein akademischer Abschluss ist gerade im Verbraucherschutz und im Management wichtig, hier sollte man mindestens einen Bachelor mitbringen. Es kommt immer ganz darauf an, wo man hin möchte. In vielen Fällen ist der Master keine Voraussetzung.

Ebenso wichtig wie ein akademischer Abschluss sind aber praktische Erfahrungen. Viele absolvieren vor dem Studium eine Ausbildung.

Teamkompetenz und Fremdsprachen sind wichtig

Welche Softskills sind erforderlich?

Man sollte wie überall in der Lage sein, mit Menschen umzugehen, das ist ein ganz wichtiger Aspekt. Für Lebensmitteltechnologen sind außerdem Fremdsprachenkenntnisse wichtig, gerade wenn sie im Exportbereich arbeiten.

Und wie überall zählen auch hier Kontakte, Kontakte, Kontakte. Die kann man zum Beispiel während Praktika oder auf Messen knüpfen. Und wie in den meisten Berufen ist ein hohes Maß an Selbstmanagement erforderlich. Hierzu gehört nicht nur, dass man sich über seine Fähigkeiten bewusst ist und lernt, mit seiner Zeit umzugehen.

Man sollte sich auch klar darüber werden, wo man eigentlich hinwill. Üblicherweise beginnt man auf der Ebene des Sachbearbeiters und arbeitet sich langsam hoch. Im Idealfall endet man als Topmanager.

Aber man sollte sich früh Gedanken über seine Work-Life-Balance machen. Nicht jeder will als Topmanager enden. Familie und eine steile Karriere wird zum Beispiel schwierig. Studierende sollten sich fragen: Will ich in die Rhön oder lieber auf den Mount Everest?