Filmgeschäft

Noumia Film: Erster Langfilm der Produzentinnen ist fertig

| Lesedauer: 6 Minuten
Andrea Pawlik
Laura Mentgen (l.) und Silke Meya haben die Berliner Produktionsfirma Noumia Film gegründet.

Laura Mentgen (l.) und Silke Meya haben die Berliner Produktionsfirma Noumia Film gegründet.

Foto: Sven Lambert

Regisseurin Silke Meya und Kamerafrau Laura Mentgen sind Noumia Film. Künstlerisch könne man ja nicht mit jedem, sagen sie. Sie können.

Berlin.  Es sind spannende Tage für Silke Meya (28) und Laura Mentgen (26). Die beiden Filmemacherinnen haben sich bei einer namhaften Institution beworben. Worum es genau geht, wollen die zwei noch nicht verraten.

Und überhaupt – zu viel darüber reden bringe bestimmt Unglück, sagt Mentgen und lacht. Jedenfalls so viel: Sollte ihr Projekt angenommen werden, wäre das ein großer Schritt in ihrer Karriere.

Regisseurin und Kamerafrau

Die beiden nennen sich Noumia Film – ein frei erfundener Name. „Er klingt einfach schön“, sagen sie. Meya, geboren in Bielefeld, ist die Regisseurin, und Mentgen, gebürtige Luxemburgerin, ist die Kamerafrau.

Sie machen Imagefilme für Unternehmen, drehen Musikvideos, produzieren Dokumentationen und Künstlerporträts. Und setzen ihre eigenen Ideen filmisch um.

„Wir haben gerade unseren ersten Langfilm fertiggestellt“, erzählt Silke Meya. Kein leichtes Unterfangen. Ein Team von rund 25 Freelancern will über zweieinhalb Jahre organisiert und angeleitet werden. Viele haben unentgeltlich am Projekt mitgearbeitet, hatten nicht immer Zeit, wenn der Drehplan es erforderte.

Ihr erster Langfilm soll 2019 auf Festivals laufen

Die Beteiligten seien aber so begeistert gewesen, dass sie auch Unmögliches möglich machten, erzählen die Produzentinnen. Der Film heißt „Mojsłońik“ und handelt von zwei Künstlerinnen, die ihren Platz in der Gesellschaft suchen. „Es geht um Freundschaft und Liebe“, sagt Meya. Zurzeit bewerben sie sich damit für die Filmfestivals im kommenden Jahr.

Meya und Mentgen kennen sich aus dem Studium. Gemeinsam haben sie von 2010 bis 2014 an der Berliner Technischen Kunsthochschule (BTK) „Motion Design“ belegt. Wegen dieses Studiengangs waren beide nach Berlin gekommen: Ein Mix aus analogen und digitalen Techniken sei ihnen dort vermittelt worden, erzählt Meya.

„Das war genau unser Ding.“ In „Motion Design“ geht es um Realfilm, die Bearbeitung am Computer, aber auch ums Zeichnen und Illustrieren.

Dass die beiden filmbegeisterten Studentinnen in ihrer Arbeit gut harmonieren würden, merkten zuerst ihre Professoren. „Sie haben unser Potenzial gesehen“, erzählt Mentgen. „Noch vor uns.“ Und die Dozenten regten an, dass die zwei Frauen zusammenarbeiten sollten.

Abschlussfilm zusammen gedreht

Das taten sie dann auch: während des Studiums schon mehrfach in Projekten, dann aber auch bei ihrem Abschlussfilm an der BTK. „Djado Ivan“ heißt er, ein 20-minütiger Dokumentarfilm über einen 70-jährigen Bulgaren, der sehr bodenständig und mit zahlreichen Tieren in einem kleinen Dorf lebt.

„Wir sind ein super Team“, sagt Silke Meya über ihre Zusammenarbeit. „Künstlerisch kann man ja nicht mit jedem. Aber wir haben die gleiche Bildsprache.“

Anfangs habe sie sogar gedacht, sie und Silke ähnelten sich vielleicht zu sehr, erzählt Laura Mentgen. Aber inzwischen habe sich gezeigt, dass es doch mehr eine Ergänzung als eine Dopplung sei. „Jeder macht seinen Teil, auch am Set sind unsere Aufgaben zwischen Regie und Kamera klar getrennt.“

Dass sie über den Job hinaus befreundet sind, motiviert zusätzlich. „Es ist ein totaler Luxus, mit jemandem zusammenzuarbeiten, den man mag“, sagt Meya.

Bei den Hofer Filmtagen dabei

Mit ihrem Abschlussfilm bewarb sich das Duo 2015 bei den Internationalen Hofer Filmtagen – und wurde angenommen. Hof sei ein sogenanntes A-Festival, erklärt Silke Meya. „Es ist weltweit sehr gut angesehen, so wie die Berlinale. Dort dabei zu sein, war eine große Auszeichnung für uns.“

Nicht zuletzt war ihr Auftritt in Hof auch eine tolle Starthilfe, die ihr 2015 gegründetes Unternehmen in Schwung brachte. „Wir hatten eigentlich von Anfang an gut zu tun“, sagt Laura Mentgen.

Fast zu viel: Oft verzichteten die beiden auf ihren Feierabend oder freie Wochenenden. „Inzwischen machen wir das anders“, erzählt die 26-Jährige. „Zu Beginn der Selbstständigkeit waren wir Workaholics. Man mag ja auch keinen Auftrag ablehnen. Aber auf Dauer geht das nicht.“

Sie haben einen gesunden Mittelweg zwischen Arbeit und Freizeit gefunden.

Bei Events Anregungen für die eigene Arbeit sammeln

Was aber nicht heißt, dass sie sich nicht mehr mit Kultur beschäftigen, wenn sie ihre Büroräume in Kreuzberg abschließen. Ausstellungen, Filme, Events – die beiden sind bei vielen Veranstaltungen der Kunstszene anzutreffen.

„Wir sind total visuelle Menschen“, sagt Silke Meya. „So holt man sich auch Anregungen für die eigene Arbeit.“ Und wenn es wirklich einmal darum geht, richtig auszuspannen, treibt es die beiden Filmemacherinnen in den Wald.

„Man tankt Energie, und das ist super inspirierend“, findet Laura Mentgen. „Im Januar haben wir sogar einen Kurzfilm im Wald gedreht. Wir sind so darin eingetaucht, dass wir die Kälte überhaupt nicht mehr gespürt haben.“

Bei Meya und Mentgen halten sich Auftragsarbeiten und Projekte, deren Geschichten sie selbst entwickeln, die Waage. Ihren filmischen Stil beschreiben sie als dokumentarisch, authentisch, kreativ und frei. „Das sagen zumindest die Leute über uns“, erzählt Mentgen lachend.

Auftraggeber lassen ihnen freie Hand

„In unseren Auftragsarbeiten setzen wir natürlich das um, was der Kunde will“, ergänzt Meya. „Aber oft lassen uns die Auftraggeber auch einfach machen.“

Demnächst möchten die beiden ihre erste Serie schreiben und produzieren. Ansonsten heißt es bei ihnen: „Wir gucken, was kommt.“ Jetzt treibt sie erst einmal die große Frage um, ob es mit der Einreichung geklappt hat . . .