Berufsfindung

„Für das Freiwillige Soziale Jahr braucht man gewisse Reife“

Berufsberaterin Cindy Forte von der Arbeitsagentur informiert über das FSJ. Sie erklärt die Vorteile im Vergleich zu Work & Travel.

Im FSJ übernehmen die jungen Menschen Verantwortung und entwickeln ihre Sozialkompetenz.

Im FSJ übernehmen die jungen Menschen Verantwortung und entwickeln ihre Sozialkompetenz.

Foto: FatCamera / Getty Images

Berlin.  Cindy Forte ist Berufsberaterin bei der Berliner Agentur für Arbeit. Christine Persitzky sprach mit ihr darüber, für wen sich ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) eignet und welche Vorteile es jungen Menschen beim Berufseinstieg bietet.

Berliner Morgenpost: Frau Forte, was nehmen die Teilnehmer aus ihrem Jahr als Freiwilliger mit, was bringt es ihnen?

Cindy Forte: Darauf gibt es keine pauschale Antwort, weil jeder Lebensweg individuell ist. Da sind die einen, die tatsächlich mit dem Gedanken spielen, einen sozialen Beruf zu ergreifen. Denen bringt ein FSJ erste Einblicke in diese Berufswelt und eine bessere Einschätzung der Frage: Passt dieser Beruf zu mir?

Eine zweite Gruppe sind diejenigen, die in sich den Drang spüren, etwas Nützliches zu machen. Die profitieren für ihre eigene Persönlichkeit vom FSJ, lernen Verantwortung zu übernehmen, entwickeln noch weitere Sozialkompetenzen und können ihre Hilfsbereitschaft verwirklichen.

Und dann sind da sicher noch die, die nicht so genau wissen, wohin sie wollen ...

Richtig. Diejenigen, die noch unentschlossen sind und am Ende der Schullaufbahn nicht konkret wissen, was sie machen wollen.

Die aber auch keine Auszeit nehmen möchten, sondern sagen: Ich entscheide mich für ein Modell, das mir später im Berufsleben Vorteile bringt, weil es im Lebenslauf gut aussieht und weil ich mich auch persönlich weiterentwickeln konnte. Die Jugendlichen erhalten während eines solchen freiwilligen Jahres oft entsprechende Coachings.

Welche Vorteile habe ich damit denn konkret beim Berufseinstieg?

Arbeitgebern ist in der heutigen Zeit die Motivation der Bewerber wichtig, genauso Verantwortungs- und Leistungsbereitschaft. So ein Freiwilliges Soziales Jahr kann ja auch sehr anstrengend sein. Das durchgehalten zu haben, beweist einem Arbeitgeber schon, dass derjenige in der Lage und willens war, sich da durchzubeißen.

Unterscheidet dieser Aspekt das FSJ von anderen Möglichkeiten, die ich nach der Schule hätte, zum Beispiel in der Welt herumreisen und jobben?

Wenn ich für mein Leben etwas Sinnvolles machen möchte, dann kann ich das in einem freiwilligen Jahr wesentlich mehr und besser, als Work and Travel mir das bieten könnte.

Raten Sie denn dann jedem zu einem Freiwilligenjahr?

Ich wäge immer sehr sorgfältig ab, wem ich das empfehle und wem nicht. Ich bekomme die Frage nach dem FSJ sehr häufig gestellt, und ich sage immer ganz klar: Wer nicht das Bedürfnis hat, sich persönlich weiterzuentwickeln, den oder die sehe ich nicht im FSJ.

Man braucht auch eine gewisse Reife. Und denen, die schon recht selbstständig sind, beruflich aber noch gar kein Ziel haben, sage ich: Wenn du dich für ein FSJ entscheidest, dann verliere nicht aus den Augen, dass du dich trotzdem beruflich orientieren musst.

Da kann so ein FSJ einen ersten Anschub geben. Vielleicht auch nur für die Antwort, dass es ein sozialer Beruf später auf keinen Fall sein soll. Das kann ja auch dabei herauskommen.

Hatten Sie schon einmal den Fall, dass ein FSJ im Rückblick für jemanden komplett das Falsche war?

Nein, das habe ich noch nicht erlebt. Die Jugendlichen treffen so eine Entscheidung ja nicht leichtfertig. Sie haben sich das reiflich überlegt, bevor sie diesen Schritt wagen.

Auch wenn den Jugendlichen ganz vieles noch nicht bewusst ist – vor allem auch, wo ihre berufliche Reise hingehen soll –, haben sie doch relativ schnell für sich klar: Kann ich mir das vorstellen, für andere Menschen einzustehen, oder eher nicht?