Gründerin

„Es wird cool, mit Digidip in den US-Markt zu gehen“

| Lesedauer: 6 Minuten
Dagmar Trüpschuch
Sabrina Spielberger ist die Gründerin von Digidip.

Sabrina Spielberger ist die Gründerin von Digidip.

Foto: Patrick Runte

Sabrina Spielberger betreibt eine Plattform, auf der 40.000 Händler aktiv sind. Sie hat zurzeit 15 Angestellte und will expandieren.

Berlin.  Sabrina Spielberger freut sich auf den Umzug. Ihre neuen Büroräume in Kreuzberg sind fast fertig gestrichen, die Möbel sind bestellt. „Seit Gründung im Jahr 2013 werden wir das erste Mal unsere eigenen Räume haben, die wir so gestalten können, wie es uns gefällt“, sagt sie.

Zurzeit ist Spielberger noch Untermieterin eines Unternehmens im Königlichen Leihamt in Mitte. Eine tolle Adresse, aber nun reizt sie das Unbekannte. Kreuzberg ist ihr nicht so vertraut, dort wartet ein Neuanfang. Das ist eine Herausforderung, und Herausforderungen liebt die 34-Jährige.

Eigentlich war der Plan, Journalistin zu werden

Sonst wäre sie sicher nicht auf die Idee gekommen, ein Technologie-Start-up zu gründen. Ihre Träume gingen in eine andere Richtung: Sie wollte Journalismus studieren, in ihrer Freizeit betrieb sie einen Mode-Blog.

Nichts davon hatte mit Technik zu tun. Dennoch besitzt sie heute mit Digidip (abgekürzt von „digitaler Dip“) ein auf ausgefeilter Technologie basierendes Start-up mit einem internationalen Netzwerk aus 40.000 Internethändlern.

Geld machen mit der Provision für die Provision

Die Idee dahinter: Viele Blogs und Webseiten verlinken auf Online-Shops, die wiederum eine Provision für jeden über den Link getätigten Geschäftsabschluss bezahlen.

Klicken Nutzer auf die Links und kaufen das Kleidungsstück, die Reise oder schließen die jeweilige Versicherung ab, erhält der Blogger oder der Webseiten-Betreiber diese Provision. In diesem Markt hat sich Spielberger etabliert und macht Geld mit der Provision von der Provision.

Wirtschaft in Kufstein studiert

Um ihrem damaligen Ziel, Wirtschaftsjournalistin zu werden, näher zu kommen, studierte die gebürtige Münchnerin zunächst Internationale Wirtschaft & Management an der Fachhochschule Kufstein in Österreich.

Während ihres Studiums nahm sie einen Job in der Online-Werbebranche an. „Da dachte ich noch, das sei temporär“, sagt sie.

Erster Job im Online-Marketing

Nach dem Bachelorabschluss im Jahr 2008 hatte sie zwar immer noch das Ziel, Journalistin zu werden, bekam aber über ihren Bruder einen Job in einer Online-Marketingfirma angeboten. Die Aufgabe fand sie interessant: „Ich sollte ihnen bei der Internationalisierung helfen.“ Das passte – Spielberger spricht Englisch, Spanisch und Portugiesisch.

Zur gleichen Zeit gründete Spielberger einen Mode-Blog. „Ich war schon immer an Trends und Beauty interessiert“, erzählt sie. Der Blog sollte Ausgleich zur eher trockenen Vertriebstätigkeit in der Marketingfirma sein.

Als Zielgruppe hatte Spielberger Menschen mit kleinem Budget im Blick. Im Blog zeigte sie ihnen, wie sie sich mit günstigen Stücken der Modeketten kleiden konnten wie Promis, und sie machte auf Ausverkäufe aufmerksam.

Mit dem Blog Geld verdienen

Die Bloggerin suchte nach Möglichkeiten, um mit ihren Tipps und Links etwas zu verdienen. „Ich leitete meine Leserinnen auf Online-Shops, dafür wollte ich auch Geld“, sagt sie.

Spielberger meldete ihren Blog auf populären Marketing-Plattformen an, sogenannten Affi­liate-Netzwerken. Doch sie war enttäuscht: Die Plattformen waren ihr zu kompliziert, und sie warfen zu wenig Provision ab.

Also entschloss sich Spielberger, ein eigenes Affiliate-Netzwerk aufzubauen. „Ich wollte den Nutzern eine Lösung anbieten, bei der sie sich einfach nur bei einem Anbieter anmelden müssen, der ihnen dann alles gibt, was sie brauchen“, erklärt sie.

Umzug nach Berlin und Start als Selbstständige

In der Zwischenzeit war sie aus privaten Gründen nach Berlin gezogen. Kaum angekommen, machte sie sich selbstständig. Sie nahm Kontakt auf zur Berliner Business-Angel-Gruppe „SB21“. Diese stellte ihr einige Programmierer zur Seite. „Den Programmierern habe ich meine Vision erzählt, und die haben sie umgesetzt“, erzählt Spielberger.

Seit diesem Tag sind rund fünf Jahre vergangen. Mittlerweile umfasst Digidip etwa 40.000 Internethändler, 15 fest angestellte Mitarbeiter und ist in mehr als 40 Ländern aktiv. Seit knapp zwei Jahren arbeitet das Unternehmen profitabel.

Wissen in Unternehmensführung fehlte noch

Was so einfach klingt, war kein Selbstläufer. „Am Anfang dachte ich, ist ja alles voll cool“, erinnert sich Sabrina Spielberger. Aber nach einiger Zeit erkannte sie, dass sie Unternehmensführung lernen musste, vor allem Mitarbeiterführung.

„Ich hatte ja plötzlich Personalverantwortung.“ Sie belegte gemeinsam mit ihrem IT-Leiter und dem Vertriebschef eine Schulung in Unternehmensführung an der „School 4 Games“, einer privaten Bildungseinrichtung in der Games-Branche.

„Vorher hatte ich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr gesehen, Probleme übersehen, statt sie aktiv anzugehen, auf falsche Mitarbeitermotivation gesetzt“, sagt die 34-Jährige. „Danach wurde alles anders.“

Mitarbeiter finden, die ihre Vision verstehen

Die Gründerin lernte, dass sie Mitarbeiter einstellen musste, die ihre Werte teilen und ihre Vision verstehen. Inzwischen fragt sie jeden Bewerber, was ihn motiviert, für sie zu arbeiten.

„Nicht jeden reizt ein hohes Gehalt“, sagt sie. „Einigen geht es um einen Titel, andere wollen mehr Verantwortung.“

Ihr wurde klar, dass sie Verantwortung abgeben musste, um gute Mitarbeiter zu halten. Konflikte spricht sie heute früh an. „Ich hoffe nicht mehr darauf, dass sich alles von alleine löst.“

Weiterbildung mit „krassen Auswirkungen“

Sie hätte sich niemals träumen lassen, dass eine Weiterbildung in Unternehmensführung „so krasse Auswirkungen“ auf sie habe, sagt sie.

Den Spaß an ihrer Arbeit merkt man Sabrina Spielberger sofort an. Kein Wunder, dass es ihr leichtfällt, Menschen mit ihrer Vision anzustecken. Mit viel Enthusiasmus nimmt sie ihre Mitarbeiter nun mit auf dem Weg der Expansion: „Ich zeige ihnen, wie cool es sein kann, in den US-Markt zu gehen.“