Elektrotechnik

Ein Studium für Menschen mit Spaß an Mathe und Physik

Ihr Studium verlangt Elektrotechnikern viel ab. Doch Absolventen sagen: Es lohnt sich. Auch, weil die Berufsaussichten bestens sind.

Josephine Sausmikat studiert Elektrotechnik an Beuth Hochschule für Technik.

Josephine Sausmikat studiert Elektrotechnik an Beuth Hochschule für Technik.

Foto: Sven Lambert

Ingenieure der Elektrotechnik sind heiß begehrt: Unternehmen werben sie oft schon an, wenn sie noch nicht einmal ihren Hochschulabschluss gemacht haben. Darum ist sich Josephine Sausmikat (23) sicher, bei ihrer Studienwahl „auf die richtige Karte“ gesetzt zu haben.

„In der Schule war Mathe noch nicht so mein Lieblingsfach“, erzählt die Studentin der Beuth Hochschule für Technik. „Es war mir anfangs zu trocken. Erst als ich in einem Computerkursus in der sechsten Klasse gemerkt habe, wie spannend praktische Mathematik ist, hat es mich gepackt.“

Praxis ist am wichtigsten

Sausmikat studiert im fünften Semester Elektrotechnik mit dem Schwerpunkt Energie- und Antriebssysteme. Die Praxis ist ihr immer noch am wichtigsten. „Daher habe ich mich nach meinem Fachabitur und einer Ausbildung zur Industrieelektrikerin für ein Studium an einer Fachhochschule und nicht an einer Universität entschieden“, erklärt sie.

Sie wolle zwar „tiefer ins Fach der Elektrotechnik eintauchen“, wie sie es nennt, aber die Praxis nicht vernachlässigen. „Das kann ich an einer Hochschule am besten“, findet die 23-Jährige.

Neben ihrem Studium arbeitet sie als Werkstudentin in einem Projektplanungsbüro des Unternehmens Arup. „Ich bin dort an Projekten rund um die Steuerung von Gebäudeautomatik beteiligt“, erklärt sie.

Das umfasse zum Beispiel die Planung von Fahrstühlen oder Jalousien für große Gebäude weltweit. „Dafür studiere ich wahrscheinlich länger als andere“, meint sie. „Doch das macht mir nichts.“ Dafür kann sie beim Berufseinstieg schließlich schon eine umfangreiche praktische Erfahrung vorweisen.

Ziel: Arbeiten in der Hochspannungstechnik

Ihre berufliche Zukunft sieht Sausmikat in der Hochspannungstechnik. Sie kann sich zum Beispiel gut vorstellen, bei einem Unternehmen tätig zu werden, das im Bereich Blitzschutz arbeitet. Davor steht aber noch das Masterstudium in Automatisierungstechnik auf ihrer Agenda.

Selin Cali (22) studiert ebenfalls Elektrotechnik an der Beuth Hochschule, ist im dritten Semester und dabei, sich über die weiteren Spezialgebiete des Studiums zu informieren. „Bisher war es noch so ähnlich wie in der Schule“, sagt sie. „Wir hatten viel Mathe und Physik und sind nun alle auf dem gleichen Stand.“ Ab dem vierten Semester werde es dann spannend.

Start ins duale Studium

Anders als an einer Universität gibt es an der Beuth Hochschule die Möglichkeit eines dualen Studiums, also Hochschule plus betriebliche Ausbildung. Das bedeutet aber auch, dass die Studenten mit durchaus unterschiedlichem Wissensstand starten.

Darum werden sie erst einmal auf dasselbe Niveau gebracht, bevor sie sich im weiteren Verlauf des Studiums für einen der Schwerpunkte entscheiden. Zur Wahl stehen „Elektronik und Kommunikationssysteme“, „Energie- und Antriebssysteme“ sowie „Elek­tronische Systeme“. Neu angeboten werden ab dem Wintersemester 2018/19 „Humanoide Robotik“ und „Elektromobilität“.

Spezialisierung auf das Thema Antriebssysteme

Momentan liebäugelt Selin Cali mit dem Spezialgebiet Ener­­gie- und Antriebssysteme. „Aber ­entschieden ist noch nichts“, sagt sie. Das Studium mache ihr großen Spaß, besonders die Arbeit an den Geräten in den Laboren. Schon in der Schule mochte sie Mathematik und Physik am liebsten. Beide belegte sie als Leistungsfächer und bekam im Abitur sehr gute Noten.

„Das ist die beste Voraussetzung“, findet Sebastian Preis. Der 32-Jährige arbeitet als Gast-Dozent an der Beuth Hochschule und weiß, dass das Studium der Elektrotechnik mit viel Arbeit und Fleiß verbunden ist. Doch wer am Ball bleibt, könne sich sicher sein, einen guten Job zu ergattern.

„Auch wenn es in Berlin nicht so viele große und namhafte Betriebe für Elek­troingenieure gibt wie zum Beispiel in Süddeutschland, so kann man hier aus einem Pool von guten mittelständischen Betrieben und Start-ups wählen“, erklärt Preis.

Promotion an der TU zum Mobilfunk

Der Elektrotechniker hat selbst an der Beuth studiert und seine Ausbildung 2009 abgeschlossen. Derzeit promoviert er an der Technischen Universität (TU) Berlin zum Thema „Effiziente und breitflächige Verstärker für Mobilfunk und Rundfunk“.

Seine Zukunft sieht er aber eher in einem Unternehmen als an der Universität. „Funksachen haben mich schon immer interessiert, und es ist gerade ein leichter Weg, in die Industrie zu gehen“, erzählt er. Siemens könne er sich gut als Arbeitgeber vorstellen.

Arbeiten in Vertrieb und Marketing

Bei Elektrotechnikern geht es aber nicht immer nur um das Entwickeln von Geräten. „Ingenieure der Elektrotechnik arbeiten zum Beispiel auch im technischen Vertrieb mit Kunden, im technischen Marketing oder im Kundendienst“, erklärt Professor Sven Tschirley, der im Fachbereich VII Elektrotechnik, Mechatronik und Optometrie an der Beuth lehrt.

Auch die Planung von großen Produktionsanlagen kann zu ihren Aufgaben gehören. Tschirley weiß um den hohen Personalbedarf der Betriebe und legt großen Wert darauf, schon Schüler für Technik und technische Berufe zu begeistern. Im Rahmen des Programms „Miet den Prof“ ist er immer wieder an Schulen unterwegs und will Kindern und Jugendlichen vermitteln: „Technik ist nicht so schwer.“

Studium auch ohne Vorkenntnisse möglich

Das findet auch Julia Kowal. Sie ist Professorin für das Fachgebiet Elektrische Energiespeichertechnik an der TU. „Wer sich schon als Schüler mit Schaltkreisen beschäftigt, ist bei Elektrotechnik genau richtig“, sagt sie. „Aber auch, wer selbst noch keine Schaltungen gebaut hat, kann erfolgreich Elektrotechnik studieren.“

Wichtig für das Studium seien gute Kenntnisse in und vor allem Interesse an den sogenannten Mint-Fächern, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik.

Auch Englisch zu sprechen sei wichtig, betont Kowal. Und das nicht erst im Beruf, wenn man mit internationalen Kollegen zusammenarbeitet. Schon Studenten müssen Literatur auf Englisch lesen oder haben als Werkstudenten Kontakt zu englischsprachigen Kunden. „Wer sich da nicht verständigen kann, dem hilft auch das gute praktische Wissen nicht“, so Kowal.

Von Shanghai nach Berlin

Hervorragend auf Deutsch und auf Englisch verständigen kann sich Tong Wu. Der 22-jährige Student aus der Region Shanghai in China absolviert derzeit sein Masterstudium in Elektrotechnik an der TU. Sein Spezialgebiet ist elek­trische Energie. „Strom ist die Zukunft“, sagt er.

Tong Wu weiß um die Nachwuchssorgen der deutschen Elektro-Indus­trie und freut sich, hier eine Chance zu bekommen. Seinen Bachelorabschluss hat er in Shanghai gemacht und schon dort in einer Zusammenarbeit mit der Universität Hamburg Deutsch gelernt.

Fürs Masterstudium zog es ihn dennoch in die Hauptstadt. „Berlin gefällt mir einfach besser“, erklärt er. Seine Zukunft sieht er im Bereich der Elektromobilität. „Ich möchte eine Zeit lang in Deutschland bleiben und Elek­troautos entwickeln“, erklärt er.

Tipps von zufriedenen Absolventen

Sebastian Wingender (28) und Heiko Winters (31) haben ihr Studium der Elektrotechnik bereits abgeschlossen. Wingender machte seinen Bachelorabschluss an der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) im dualen Studiengang Industrielle Elek­trotechnik und den Masterabschluss an der TU mit dem Schwerpunkt erneuerbare Energien.

Winters absolvierte erst eine Lehre als Vermessungstechniker, bevor er über das Studium der Angewandten Physik an der Hochschule in Bremen zum Masterstudium an die TU Berlin kam.

Seit einem Jahr ist Winters bei Sentech Instruments im Technologiezentrum Adlershof angestellt und dort als Ingenieur für die Inbetriebnahme von Anlagen mit Halbleiterbeschichtung mitverantwortlich. Wingender arbeitet in Fürstenwalde bei der Firma E.DIS Netz und beschäftigt sich mit Hochspannungsnetzen und Strategieplanung.

Viel lernen gehört dazu

Beide blicken zufrieden auf ihr Studium zurück und betonen: „Das viele Lernen hat sich ausgezahlt.“ Es sei eben die Grundlage, die man braucht, um komplexe Zusammenhänge verstehen zu können. Jugendlichen, die sich für das Fach interessieren, empfehlen sie, zunächst ein Grundstudium an einer Fachhochschule zu absolvieren.

Das biete gleich beim Einstieg den so wichtigen Praxisbezug. Anschließend sollten sich die Bachelorabsolventen in einem Masterstudium an einer Universität spezialisieren.