Arbeitsrecht

Darf man im Bewerbungsgespräch nach Drogen gefragt werden?

Ein Personaler fragt im Interview nach einem Drogenkonsum des Bewerbers. Ein Anwalt erklärt, wann dieser lügen darf und wann nicht.

Einige Fragen im Einstellungsgespräch sind zulässig, andere nicht. Geregelt wird das durchs Arbeitsrecht.

Einige Fragen im Einstellungsgespräch sind zulässig, andere nicht. Geregelt wird das durchs Arbeitsrecht.

Foto: kzenon / Getty Images/iStockphoto

Berlin. Dr. Heiko Peter Krenz, Fachanwalt für Arbeitsrecht, beantwortet Fragen der Leser.

Ich schreibe zurzeit Bewerbungen. Wenn ich zum Gespräch eingeladen werde, darf mich der Arbeitgeber dann nach Drogen fragen?

Das sagt der Anwalt: Jeder potenzielle neue Mitarbeiter soll im Vorstellungsgespräch auf Herz und Nieren geprüft werden. Das steht auch Ihnen bevor, wenn Sie zum Jobinterview gebeten werden. Schließlich verursachen die umfangreichen Bewerbungsverfahren und die Einarbeitung eines Arbeitnehmers jedes Mal hohe Kosten beim einstellenden Unternehmen.

Sie möchten wissen, ob der Personaler Sie nach Drogen fragen darf. Generell gilt erst einmal: Solange keine grundgesetzlich geschützten Rechte eines Bewerbers betroffen sind oder die geschützten Rechte des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) verletzt werden, darf der Arbeitgeber auch heikle Fragen stellen. Die Fragen müssen allerdings für die Ausübung der jeweiligen Tätigkeit von Bedeutung sein, beispielsweise wenn die Arbeitssicherheit betroffen ist oder es um den Schutz von Patienten oder Klienten geht.

Was die Frage nach Ihrem Drogenkonsum betrifft, so wäre sie relevant, wenn Sie sich um eine gefährliche und sicherheitsrelevante Tätigkeit bewerben, beispielsweise als Kraftfahrer, Gerüstbauer, Maschinenführer oder Pilot. Darüber hinaus wäre sie auch zulässig, wenn Sie eine Anstellung in der sozialpädagogischen Betreuung Drogenabhängiger oder als Arzt suchen.

Arbeitsvertrag kann aufgelöst werden

Fragen nach aktuellem Drogenkonsum sowie nach generellen Drogenerfahrungen dürfen in diesen Fällen gestellt werden. Gibt es darüber hinaus einen konkreten Anlass, darf der Arbeitgeber auch nach strafrechtlichen Verurteilungen fragen. In diesen Fällen sind Sie verpflichtet, wahrheitsgemäß zu antworten. Wenn Sie hier nachweislich lügen, kann der Arbeitgeber den Arbeitsvertrag wieder auflösen.

Nicht endgültig geklärt ist aber die Rechtslage, wenn es um Arbeitsverhältnisse geht, bei denen ein Drogenkonsum nicht unmittelbar problematisch ist. Das heißt, hier können Sie die Unwahrheit sagen. Aber es bleibt das Risiko, dass der Arbeitgeber den Vertrag bei einem Verdacht dennoch anficht.