Berufsbild

Wie Denkmalpfleger mit ihrer Arbeit die Geschichte erhalten

Denkmalpfleger bewahren alte Bauten und Kunstwerke vor dem Verfall. Im Freiwilligen Sozialen Jahr kann man den Beruf kennenlernen.

Denkmalpflegerin Lorena Rombach in der Dorfkirche Berlin-Rosenthal. Die historische Kirche wurde um das Jahr 1300 erbaut.

Denkmalpflegerin Lorena Rombach in der Dorfkirche Berlin-Rosenthal. Die historische Kirche wurde um das Jahr 1300 erbaut.

Foto: Christian Kielmann

Berlin.  Lorena Rombach schreibt nicht nur eine Abschlussarbeit für die Uni. Sie entwickelt ein Sanierungskonzept, das gute Chancen hat, anschließend auch einmal umgesetzt zu werden. „Es ist immens wichtig, Geschichte zu erhalten“, findet die 25-Jährige. Darum studiert sie „Historische Bauforschung und Denkmalpflege“ an der Technischen Universität (TU) Berlin.

Zurzeit schreibt sie an ihrer Masterarbeit. Als Thema hat sie sich die Instandsetzung des spätgotischen Dachstuhls der Wunderblutkirche St. Nikolai in Bad Wilsnack (Brandenburg) ausgesucht. „Es ist ein schönes Projekt“, schwärmt Rombach. „Das Holz ist wunderbar erhalten.“ Und das Beste an ihrem Masterprojekt: „Es ist nicht für die Mülltonne.“

Praktikum in einer Tischlerei

Ein Gefühl für Geschichte und Denkmäler wurde Lorena Rombach bereits in ihrer Kindheit vermittelt. „Ich komme gebürtig aus Freiburg. Mein Vater ist Tischler und hat eine Holzbaufirma. Er saniert Schwarzwaldhöfe in Baden-Württemberg“, erklärt sie. Nach dem Abitur hatte Rombach zunächst einmal bei ihrem Vater ein Praktikum gemacht und anschließend Bauingenieurwesen in Karlsruhe studiert.

Doch von ihrem Studium war sie enttäuscht. Das, was sie damals am meisten interessierte, das Bauen im Bestand, nahm nur wenig Platz darin ein, erzählt sie. Trotzdem zog Rombach ihr Studium durch und schloss es mit dem Bachelortitel ab.

Perspektivwechsel in Brasilien

„Nach dem Studium wusste ich nicht, wie es für mich beruflich weitergehen soll“, erinnert sie sich. „Ich wollte in eine andere Sparte reinschnuppern.“ Sie beschloss, für ein Jahr nach Brasilien zu gehen. „In São Paulo habe ich in einem Zentrum für Naturkatastrophen gearbeitet“, berichtet Lorena Rombach.

Der Perspektivenwechsel nach dem Studium tat ihr offenbar gut: In Brasilien fand sie ihr berufliches Ziel. Beim Anblick von alten wunderschönen, aber verfallenden Gebäuden habe es „Klick gemacht“, sagt sie. Schätze wie diese möchte sie für die Zukunft erhalten. Zurück in Deutschland bewarb sich Rombach um einen Platz im Aufbaustudiengang Denkmalpflege an der TU.

Übernahme nach dem Studium steht schon fest

Parallel zu ihrem Studium arbeitet Lorena Rombach als Werkstudentin im Architekturbüro „Der Laden“ in Prenzlauer Berg. Die Inhaber sind auf Kunst und Denkmalpflege spezialisiert. Nach ihrem Masterabschluss wird sie übernommen, das weiß die 25-Jährige schon. Und sie freut sich auf die kommenden Aufgaben. „Mein nächstes Projekt ist die St.-Matthäus-Kirche am Potsdamer Platz“, erzählt sie.

Doch obwohl Berlin und Brandenburg ihr beruflich viel zu bieten haben, möchte sie irgendwann weiterziehen. „Es gibt noch so viele interessante Städte und Denkmäler in Deutschland und der Welt“, sagt sie und schwärmt vom Kölner Dom und von der portugiesischen Hauptstadt Lissabon. Dort in der Denkmalpflege zu arbeiten, sei ihr Traum.

Einstieg in die Branche gilt als nicht einfach

Karla Schäffner hat in Pankow genug zu tun. Die 34-jährige Kunsthistorikerin arbeitet seit drei Jahren in der Unteren Denkmalschutzbehörde des Bezirks und ist für die Denkmäler in Prenzlauer Berg, Karow, Blankenburg und Heinersdorf zuständig. „Bei den wenigen Stellen ist es ein absoluter Glücksgriff“, freut sich Schäffner. Denn der Einstig in die Denkmalpflege sei nicht leicht, sagt sie.

Wer nicht mit einem fundierten Vorwissen, sprich Studium der Architektur, Archäologie oder des Bauingenieurwesens punkten könne, brauche viel Ausdauer und müsse praktische Erfahrung vorweisen. Für eine bessere Ausgangsposition absolvierte auch Karla Schäffner den Aufbaustudiengang Denkmalpflege an der TU. Eine Garantie für einen Job in der Sparte sei das aber nicht, sagt sie.

Wichtig: Praxiserfahrung sammeln

Nach dem Studium und einer Menge erfolgloser Bewerbungen hieß es für sie, praktisches Wissen nachzuholen. „Ich habe frei in einem Architektenbüro gearbeitet, viele Praktika in Berliner und Brandenburger Museen gemacht und musste mich drei Jahre gedulden, bis ich meine Anstellung in der Unteren Denkmalschutzbehörde bekommen habe“, erzählt sie.

Was sie an ihrer täglichen Arbeit besonders schätzt? „Ich habe viel mit Menschen zu tun und helfe dabei, sie für Geschichte und Denkmalpflege zu sensibilisieren und Altes zu wahren“, zählt sie auf. Zu ihren aktuellen Projekten gehören zum Beispiel das ehemalige Umspannwerk Humboldt und das Rektorenwohnhaus des Heinrich-Schliemann-Gymnasiums, beide aus den 1920er-Jahren. Auch für die erst kürzlich bei archäologischen Grabungen gefundene Panzersperre, ein Rest der Grenzanlage der Berliner Mauer im Mauerpark, ist Karla Schäffner zuständig.

In der Denkmalpflege arbeiten viele Berufe zusammen

Die Arbeit in der Denkmalpflege ist interdisziplinär. Kollegen aus vielen verschiedenen Professionen arbeiten darin zusammen. Denn die eine Berufsausbildung oder das eine Studium, mit der oder dem man Denkmalpfleger wird, gibt es nicht. Und auch den einen typischen Arbeitsplatz gibt es nicht. „Es ist eine Anzahl an diversen Berufen in Ämtern und Behörden“, erklärt Karla Schäffner.

„Es sind aber auch viele Handwerksberufe dabei, die sich auf die Erhaltung, Sanierung und Restaurierung von Denkmälern spezialisiert haben.“ Darunter seien zum Beispiel Stuckateure, Gärtner, Tischler und Maler. Ebenso treffe man Ingenieure, Architekten, Archäologen, Juristen, Restauratoren und Kunsthistoriker in der Denkmalpflege.

Viele der Berufe finden sich vereint in Stiftungen wie zum Beispiel der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Pressesprecher Frank Kallensee: „Wir beschäftigen derzeit 580 Mitarbeiter, die sich allesamt in diversen Berufen aufstellen, aber alle um die Denkmalpflege kümmern.“

Spezialisierung auf ein Fachgebiet ist sinnvoll

Ähnlich ist es im Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseum in Zossen. Dort ist auch Diplomrestaurator Hans Burger (56) tätig. Burger hat nach seiner Ausbildung zum Stuckateur das Fach Restaurierung an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden studiert. Sein Spezialgebiet ist die Wandmalerei. Sein Antrieb in der Denkmalpflege: „Ich möchte authentische Zustände erhalten“, sagt er.

Die Begeisterung für Kunst bricht sich aber auch auf anderen Wegen Bahn: Hans Burger ist nicht nur Restaurator, sondern auch selbst Künstler und Glasmaler. Eines seiner liebsten Projekte ist die St.-Marien-Kirche in Frankfurt (Oder). Dort begleitete er die Restaurierung der wertvollen Ausstattung, darunter der mittelalterlichen Fenster mit Glasmalerei. Passend dazu gestaltete er sieben Fenster für den Chorumgang gemäß der alten Technik und Farben.

Veränderungen an Baudenkmälern bestimmen

Eine Kollegin von Hans Burger ist Andrea Sonnleitner (46). Die promovierte Kunsthistorikerin ist Referentin für historische Bauforschung im Brandenburgischen Landesamt. Zu ihren Aufgaben gehört es, in akribischer Forschungsarbeit das ursprüngliche Erscheinungsbild und die Veränderungen an Baudenkmälern zu bestimmen. Ihre und Burgers Kenntnisse in der Analyse von Farben, Glas und Hölzern ergänzen sich zum Beispiel darin, Materialien oder Teile eines Bauwerks präzise zu datieren, erklärt die Wissenschaftlerin.

Eine gute Möglichkeit, in die Berufswelt der Denkmalpfleger hineinzuschnuppern, bietet das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) in der Denkmalpflege, erklärt Dr. Christine Wolf. Sie ist Sprecherin des Landesdenkmalamtes Berlin. In dem Amt absolvieren momentan die Studenten Martin Langer (22), Peter Scheurer (21) und die aus Syrien geflüchtete Studentin Najwana Alserawan (32) ihren Dienst. Betreut werden sie vom Archäologen Dr. Uwe Michas, der ihnen mit seinen 40 Jahren Berufserfahrung „die gesamte Bandbreite des Berufs“ zeigen möchte. „Denn wir buddeln nicht nur.“

Auch beim Bau der U5 wurden Objekte gefunden

Najwana Alserawan tut sich mit der deutschen Sprache noch schwer, ist von ihrer Arbeit aber umso begeisterter. Gerade lernt die 32-Jährige das Abmalen und Kleben von Gegenständen, die bei verschiedenen Ausgrabungen gefunden wurden. Außerdem hilft sie ihren Kollegen im Landesdenkmalamt dabei, Objekte zu kategorisieren, die beim Bau der U5-Verlängerung gefunden wurden.

Wenn alles klappt, so wie sie es sich vorstellt, wird Najwana Alserawan ab Oktober das Fach Konservierung, Restaurierung, Grabungstechnik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) studieren. Ihr Ziel: „Irgendwann mal in einem Museum arbeiten.“