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Dozent für Denkmalpflege: „Viele Wege führen in den Beruf“

Studium, Ausbildung und Jobaussichten in der Denkmalpflege: Ein Dozent der TU Berlin informiert über das Berufsbild und die Chancen.

Viele Ausbildungswege führen in den Beruf des Denkmalpflegers, auch das Bauingenieurwesen.

Viele Ausbildungswege führen in den Beruf des Denkmalpflegers, auch das Bauingenieurwesen.

Foto: Cineberg / Getty Images/iStockphoto

Berlin.  Bauingenieur Axel Seemann lehrt im Masterstudiengang Denkmalpflege an der Technischen Universität Berlin. Außerdem ist er selbstständig als Berater bei der Sanierung von Denkmälern tätig. Seemanns Schwerpunkt sind historische Holzkonstruktionen. Mit ihm sprach Anna Klar.

Herr Seemann, was genau macht ein Bauingenieur in der Denkmalpflege?

Axel Seemann: Er ist für die konstruktive Planung und Umsetzung von baulichen Maßnahmen an Denkmalen verantwortlich. Und er berät Bauherren sowie Architekten zu speziellen fachlichen Fragen. Darüber hinaus ist eine wesentliche Aufgabe, den Zustand denkmalgeschützter Bauwerke und Konstruktionen unter anderem im Hinblick auf die Statik zu dokumentieren. Auf dieser Grundlage können dann erhaltende Maßnahmen ergriffen werden.

Welche Voraussetzungen sollte man für einen Beruf in der Denkmalpflege mitbringen?

Seemann: Außer einer geeigneten Qualifikation, die neben den entsprechenden Studienrichtungen insbesondere auch die Ausbildung von Handwerkern umfasst, Liebe im Umgang mit historischer Bausubstanz.

Welche Bildungswege gibt es?

Seemann: Ein „klassisches“ Studium für einen Beruf in der Denkmalpflege gibt es eigentlich nicht. Vielmehr führen viele Wege zu Berufen, die mit Denkmalen zu tun haben. Das sind zum einen Studiengänge wie Architektur, Kunstgeschichte, Archäologie, Restaurierung, Bauingenieurwesen oder Vermessungswesen. Zum anderen aber auch handwerkliche Berufe, in denen man sich mit Denkmalen auseinandersetzt, wie Maurer, Zimmerer, Tischler, Glaser, Steinmetz, Maler oder Dachdecker – um nur einige zu nennen.

Wie schnelllebig ist die Branche in Bezug auf Weiterbildung? Welche Entwicklungspotenziale hat man?

Seemann: So schnelllebig wie unsere Zeit insgesamt. Ein Beispiel: Als Anfang der 90er-Jahre CAD-Programme einen breiten Einzug in den Bereich Architektur und Bauwesen hielten, gab es nicht wenige Stimmen, die davon ausgingen, dass dies für Denkmalobjekte nicht zutreffen würde. Heute gibt es auch im Bereich der Denkmalpflege kein Büro, das auf hochmoderne Rechentechnik verzichten kann. Punktwolken (eine Methode, um Oberflächenformen zu visualisieren, Anm. d. Red.) und 3D-Animationen bestimmen zunehmend das Geschehen.

Das bedeutet aber dennoch, dass Handwerker, Architekten und Ingenieure in der Lage sein müssen, historische Bauweisen und Konstruktionen detailliert zu erfassen – was auch den Einsatz von Handzeichnungen beinhaltet. In der Verbindung von klassischer Bauaufnahme und modernen Hilfsmitteln liegt ein wesentliches Spannungsfeld heutiger Denkmalpflege. Und genau daraus ergeben sich riesige Entwicklungspotenziale für jeden Einzelnen.

Wie sehen die Zukunftsaussichten heute für Berufseinsteiger aus?

Seemann: Generell würde ich sie als sehr gut einschätzen. Fachkräfte mit einer Spezialisierung werden gebraucht und auch gesucht.

Was mögen Sie besonders an der Arbeit in der Denkmalpflege?

Seemann: Es ist ein vielschichtiger und abwechslungsreicher Beruf. Jedes Denkmal ist auf seine Art einzigartig. Daraus ergibt sich, dass auch jede Bauaufgabe an Denkmalen einzigartig ist. Was mich daran fasziniert, ist der Umgang mit der gebauten Geschichte.