Junge Profis

Ein 25-Jähriger will helfen, die Probleme der Welt zu lösen

Seine Generation will sich für andere einsetzen, glaubt Stefan Torges (25). Er arbeitet für die Stiftung für Effektiven Altruismus.

Stefan Torges hat Philosophie und Neurowissenschaft studiert.

Stefan Torges hat Philosophie und Neurowissenschaft studiert.

Foto: Christian Kielmann

Berlin.  Gutes tun und andere bewegen, ebenfalls Gutes zu tun – das ist das Motto von Stefan Torges. Seit zwei Jahren managt der 25-Jährige die Öffentlichkeitsarbeit der Stiftung für Effektiven Altruismus mit Sitz in Charlottenburg. Die Stiftung wurde ursprünglich in Basel, in der Schweiz, gegründet.

Torges trat ihr nach seinem Bachelorstudium in Magdeburg bei. Seinen Abschluss hat er im Fach „Philosophie – Neurowissenschaft – Kognition“ gemacht. „Ich habe mich viel mit Ethik beschäftigt und wollte mich konkret engagieren“, erzählt er. „Bei einer Internetrecherche bin ich dann auf die Stiftung gestoßen und zu einem Vortrag der Lokalgruppe gegangen.“

Würden Passanten das Kind retten?

Die Initialzündung, um sich gesellschaftlich zu engagieren, war ein Gedankenexperiment, mit dem er im Studium konfrontiert wurde. Darin ging es um ein ertrinkendes Kind und die Reaktionen der vorbeigehenden Passanten.

„Werden sie das Kind aus dem lediglich knietiefen Wasser retten? Spielt es in dem Fall für die Passanten eine Rolle, sich beim Tritt ins Wasser die schicken neuen Schuhe oder die teure Hose zu ruinieren?“, fragt Torges. Und antwortet: „So ziemlich jeder würde in der konkreten Situation das Kind retten. Doch wenn man das Experiment als Metapher sieht, ist es leider anders.“

Gegen Armut, Tierleid und riskante Technologien

Im übertragenen Sinne gebe es viele ertrinkende Kinder und andere Notlagen auf der Welt. Dort zu helfen ist nicht so selbstverständlich. Für die Stiftung schon: „Wir streben eine Welt ohne ex­tremes Leid an“, erklärt Torges. „Deshalb engagieren wir uns für eine wirksame Armutsbekämpfung, die Verminderung von Tierleid und einen verantwortungsvollen Umgang mit risikoreichen Technologien.“

Schon als Kind ging Stefan Torges aufmerksam mit seiner Umwelt um. „Meine Eltern erzählten mir, ich hätte beim gemeinsamen Spaziergang immer die Schnecken aus dem Weg geräumt, damit sie nicht zertreten werden“, erinnert er sich.

Auf Reisen viel Elende gesehen

„Bevor ich hauptberuflich bei der Stiftung angefangen habe, bin ich gereist, zum Beispiel nach Indien“, erzählt der 25-Jährige. „Auf meinen Reisen habe ich viel Elend gesehen und dabei erfahren, wie viel man mit wie wenig Mitteln bewegen kann.“

Er absolvierte Praktika bei der Menschenrechtsorganisation MAAT in Ägypten, dem inzwischen eingestellten Sozialunternehmen Proboneo in Berlin und beim Auswärtigen Amt. Dass er anschließend aus seiner ehrenamtlichen Tätigkeit für die Stiftung eine hauptberufliche machen konnte, war „ein Glücksgriff“, findet er. Dort sei er am richtigen Platz.

Aufklärungsarbeit und Spenderberatung

Torges Aufgaben sind vielfältig. „Zum Beispiel leiste ich Aufklärungsarbeit für die Stiftung indem ich viele Vorträge halte und auf internationale Konferenzen fahre“, erklärt er. Er berate aber auch Menschen, die mit ihrem Geld Gutes tun wollen und nicht wissen, an welche der zahlreichen Nichtregierungsorganisationen („Non-Governmental Organisations“, NGO) sie spenden sollen. „Meine Kollegen und ich kennen uns im Fundraising aus, wissen welche Hilfsorganisationen es gibt und wo diese konkret helfen und können hier vermitteln“, erklärt Stefan Torges.

Über all das hinaus ist er auch noch in der Karriere- und Berufsberatung der Stiftung tätig. „Es kommen immer mehr junge Menschen auf uns zu, die sich gern beruflich in einem Feld engagieren würden, in dem sie Gutes für Menschen, Tiere oder die Umwelt tun, und fragen nach den Möglichkeiten.“ Darüber freut er sich. Torges sieht einen positiven Trend in seiner Generation, den sogenannten Millennials. Das sind diejenigen, die im Zeitraum zwischen den Jahren 1980 und 2000 geboren wurden.

„Wir sind die reichste Generation in der Welt, die es je gab, und haben eine gute Position, viele Probleme der Welt zu lösen“, findet Torges. Er treffe oft Menschen, die ihrem Leben einen Sinn geben möchten. „Sie haben einen lukrativen Beruf in modernen Branchen wie Technologie oder Finanzen, verdienen viel und möchten mit ihrem Geld die Welt zum Positiven verändern.“

Geld für Moskitonetze und Gesundheitsvorsorge

Gern erzählt er von den drei Mitarbeitern einer Investment-Firma, die sich über ihn an die Stiftung gewandt haben, um einen Gewinn von mehreren Millionen Euro zu spenden. „Ihnen war wichtig, dass das Geld konkret bei den Menschen ankommt“, erinnert sich Torges.

„Wir haben die Summe auf zehn NGOs verteilt.“ Darunter seien zum Beispiel die „Against Malaria Foundation“ gewesen, eine Organisation, die in Afrika Bettnetze gegen Moskitos verteilt, und die „Schistosomiasis Control Initiative“, eine Initiative, die sich in der Erforschung und Bekämpfung von Wurmerkrankungen engagiert. „Das sind Krankheiten, die bei uns äußerst selten sind, in vielen armen Ländern aber viel Leid anrichten“, sagt Torges.

Für die gute Sache, nicht für viel Geld

Reich wird man selten, wenn man sich gesellschaftlich engagiert. Stefan Torges sagt: „Wir arbeiten hier für die gute Sache und nicht für viel Geld.“ Im Zusammenhang mit dem Thema Einkommen verweist er gleich auf ein weiteres seiner Ziele: „Es wäre schön, wenn wir mal so weit wären, dass jeder zehn Prozent seines Gehalts spendet. Damit kann man viel Leid verhindern und sehr viel Gutes tun.“

Für seine eigene berufliche Zukunft hat er noch keine konkreten Pläne. „Tatsächlich bin ich aktuell sehr zufrieden“, sagt er. „Ich will vor allem dazu beitragen, dass die Stiftung weiterhin wächst und auf einem guten Weg bleibt.“