Arbeitsmarkt

Beste Aussichten für Jobsuchende in der Medizintechnik

Wirtschaftsexperte Kai Uwe Bindseil informiert über den Arbeitsmarkt und den Einstieg. Ein Überblick über die Medizintechnik in Berlin.

Die Gesundheitsbranche ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige der Hauptstadtregion.

Die Gesundheitsbranche ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige der Hauptstadtregion.

Foto: simonkr / Getty Images

Berlin.  Dr. Kai Uwe Bindseil ist Geschäftsbereichsleiter Gesundheitswirtschaft bei „Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie“. Darin kooperieren der Senat und gut 270 Unternehmen und Wissenschaftsbetriebe. Im Gespräch mit Yvonne Scheller gibt Kai Uwe Bindseil einen Überblick über die Medizintechnik-Branche in der Hauptstadtregion.

Berliner Morgenpost: Die Medizintechnik gilt als Jobmotor innerhalb der ohnehin starken Gesundheitswirtschaft in Deutschland. Stimmt das?

Kai Uwe Bindseil: Deutschlandweit gehört fast jeder siebte Arbeitsplatz zur Gesundheitswirtschaft, das ist somit die Branche mit den größten Arbeitsmarkteffekten, richtig. Und die wichtigsten Jobmotoren sind sicher Innovationen aus Medizintechnik, Pharmaindustrie und der Biotechnologie. Doch anders als in der Pharmaindustrie, wo der Innovationszeitraum etwa 12 bis 15 Jahre beträgt, ist er in der Medizintechnik deutlich kürzer. Hier reden wir von nur zwei bis drei Jahren.

Wie ist Berlin als Standort aufgestellt?

Die Gesundheitsbranche ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige der Hauptstadtregion, und speziell die Medizintechnik ist in Berlin traditionell eine Branche mit überdurchschnittlichem Wachstum von fünf bis sieben Prozent. Rund 300 Unternehmen erwirtschaften mit etwa 13.500 Beschäftigten einen jährlichen Umsatz von 1,2 Milliarden Euro. Damit sind wir im Moment einer der am schnellsten wachsenden Standorte in Deutschland und auch international hervorragend posi­tioniert.

Das ist wichtig, denn die Medizintechnik ist stark exportorientiert, über 70 Prozent der Produkte gehen in den Export. Für das Branchenwachstum speziell in Berlin spricht übrigens die hohe Attraktivität des Standorts. Viele wesentliche Akteure der Branche zieht es in die Hauptstadt: Verbände, große Krankenkassen und hochkarätige wissenschaftliche Einrichtungen. Und nimmt man dann noch den für die Branche relevanten Aspekt der Digitalisierung hinzu, ist Berlin-Brandenburg der Standort, an dem man einfach sein muss.

Was empfehlen Sie jungen Menschen, die sich für die Medizintechnik interessieren?

Ganz generell rate ich dazu, mit einem breiten naturwissenschaftlichen Studium zu starten und sich später zu spezialisieren. Und in der Master- und Promotionsarbeit zu schauen, ob das gewählte Thema für die Industrie interessant sein könnte. Wer die Sprache der „anderen Seite“ beherrscht, erleichtert sich den Eintritt in die Berufswelt.

Wie sind die Berufschancen?

Die Unternehmen suchen händeringend, und das betrifft vor allem die gesamte Bandbreite der Ingenieure, vom klassischen Maschinenbau-Ingenieur über Elektrotechniker bis zu Ingenieuren mit Kenntnissen in der IT-Systemintegration. Darüber hinaus sind Informatiker generell gesucht, aber auch Fachkräfte, die Kleinserien auf den Weg bringen können, oder solche, die den internationalen Vertrieb von Medizinprodukten übernehmen.

Und in Zukunft werden vermehrt Beschäftigte mit Erfahrungen in Zulassungsverfahren gefragt sein. Denn das ist eine der großen Herausforderungen, die in der Medizintechnik auf uns zukommen: verschärfte Zulassungsverordnungen, wie sie in der Pharma-industrie bereits üblich sind.

Was können Hochschulabsolventen als Einstiegsgehalt in dieser prosperierenden Branche erwarten?

Das Einstiegsgehalt für Universitätsabsolventen liegt etwa zwischen 40.000 und 50.000 Euro und steigt in den ersten Jahren erfahrungsgemäß schnell an. Wobei das Gehalt natürlich von einer Vielzahl von Faktoren abhängt. In kleineren Unternehmen liegt das Einstiegsgehalt sicher niedriger als bei den Branchengrößen, dafür erlauben die flacheren Hierarchien eine schnellere Übernahme von Verantwortung.