Interview

„Friseur und Kosmetiker sind recht krisensichere Berufe“

Wie sieht die Ausbildung zum Friseur und Kosmetiker aus – und lohnt sie sich? Eine Bildungsexpertin spricht über Karrieremöglichkeiten.

Die Arbeit am Sonnabend, das häufige Stehen, aber auch die engen Kundenkontakte sind für viele Azubis gewöhnungsbedürftig.

Die Arbeit am Sonnabend, das häufige Stehen, aber auch die engen Kundenkontakte sind für viele Azubis gewöhnungsbedürftig.

Foto: Sarah Stolten

Katharina Schumann leitet das Referat Bildungsberatung bei der Handwerkskammer Berlin. Adrienne Kömmler sprach mit ihr über Aus- und Weiterbildung für Friseure und Kosmetiker.

Berliner Morgenpost: Frau Schumann, Friseur und Kosmetiker sind populäre Berufe. Doch wie gut sind Schüler informiert, was mit der Ausbildung auf sie zukommt?

Katharina Schumann: Viele Jugendliche stellen erst zu Beginn der Lehre fest, dass der Beruf ganz anders ist, als sie erwartet haben. Die beiden Berufe haben sehr viel mit den angenehmen und wohltuenden Dingen des Lebens zu tun. Allerdings bedeutet das auch, dass sich die Tätigkeiten sehr an den Bedürfnissen der Kunden orientieren.

Die Arbeitszeit an Samstagen, das häufige Stehen, aber auch die engen Kundenkontakte sind zum Teil eine große Herausforderung. Um sich davon wirklich ein Bild machen zu können, ist vorab ein Praktikum zum Reinschnuppern und Ausprobieren nicht verkehrt. Auf jeden Fall sind es anspruchsvolle Berufe.

Aber doch sehr unterschiedlich. Was sollte man bei der Entscheidung für den Kosmetiker- oder den Friseurberuf im Blick haben?

Diese Berufe haben unterschiedliche Rahmenbedingungen. Friseure müssen ständig agieren und stehen unentwegt unter Beobachtung – ob durch die Ladenfenster, die Spiegel oder im direkten Kundengespräch. Im Friseursalon ist es selten ruhig. Es ist eher ein lebendiges Arbeitsumfeld.

Etwas entspannter haben es Kosmetiker, die im Salon ein bisschen abgeschirmter sind. Doch dafür arbeiten sie noch enger am Kunden. Fußpflege und Pickelbehandlung gehen – anders als die dekorative Kosmetik, die der Friseur mit Make-up und Pediküre erledigen kann – eher ins Medizinische. Allerdings sind es eben beides Handwerksberufe, bei denen es heißt: üben, üben, üben. Übung macht den Meister.

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Welche Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es?

Nach einer dreijährigen Ausbildung kann bei allen Handwerksberufen die Meisterprüfung abgelegt werden. Früher musste man drei Jahre warten. Im vergangenen Jahr wurden 51 Friseurmeisterprüfungen bestanden. Weiterbildungsangebote wie Schulungen werden von der Friseurinnung, aber auch oft von Herstellerfirmen angeboten. Qualifizierungen sind bis zu einem Hochschulstudium möglich. So kann man zum Beispiel Berufschullehrer werden.

Wie viele Ausbildungsplätze gibt es derzeit für Friseure und Kosmetiker? Und wie ist die Aussicht auf einen Job?

Bei der dreijährigen dualen Ausbildung, die das schulische Lernen in der Berufsschule mit dem praktischen Lernen im Salon verknüpft, gibt es im Friseurberuf zurzeit mehr als 1000 Lehrlinge in Berlin. Anders ist es bei der dualen Ausbildung für Kosmetiker. Da haben wir insgesamt nur 39 Ausbildungsplätze. Denn das läuft anders.

Die schulische Kosmetikerausbildung ist alternativ privat möglich. Sie dauert dann zwei Jahre, kostet jedoch Geld. Ausgebildete Fachkräfte dieser Branche werden gesucht. Und es besteht immer die Möglichkeit, sich nach der Ausbildung und der Meisterprüfung selbstständig zu machen. Kosmetiker brauchen für die Selbstständigkeit keinen Meisterbrief.

Wie sehen Sie die Zukunft dieser Handwerksberufe?

Sie sind ziemlich krisensicher. Eine wachsende Stadt mit Zuwanderung braucht diese Dienstleistung. Menschen wollen zum Friseur. Und sie investieren in Schönheit und Wohlbefinden. Das hat natürlich auch viel mit Trends und Mode zu tun. Naturkosmetik oder Angebote mit veganen Produkten sind hipp. Gerade beim Haar-Styling gibt es inzwischen nichts, was es nicht gibt.

Ein Trend sind Barber-Shops, in denen auch das Bartschneiden angeboten wird. Es gibt den Billig-Friseur aber auch den hochpreisigen Promi-Friseur, den alternativen Haircut nach Mondphasen oder auch den Service fürs Seniorenheim. Umso wichtiger ist es, den richtigen Ausbildungsplatz zu finden. Die Handwerkskammer hilft dabei.