Supply Chain Manager

Das Ziel: Günstiger, effektiver und schneller werden

Supply Chain Manager organisieren Versorgungsketten aller Branchen. In ihrem Job müssen sie mit Zahlen und Menschen gut umgehen können.

Chantal Reimann studiert Supply Change Management und arbeitet bei Grohmann Logistik.

Chantal Reimann studiert Supply Change Management und arbeitet bei Grohmann Logistik.

Foto: Sven Lambert

Berlin.  Wenn der Wochenendeinkauf ansteht, machen wir uns höchstens Gedanken darüber, ob wir mit zwei Einkaufstaschen auskommen und ob es beschwerlich wird, sie hinauf in den vierten Stock zu tragen. Will der Handel seine Regale füllen, ist das deutlich aufwendiger. Wie schaffen es Händler eigentlich, dass jedes Fach an jedem Tag gut gefüllt ist? Und wie können Produzenten dafür immer genug, aber nicht zu viele Artikel zur Verfügung stellen?

Material muss herangeschafft werden, die Ware muss produziert, transportiert und gelagert werden. Da sind Supply Chain Manager gefragt, die Organisatoren und Qualitätsverantwortlichen der Lieferketten. Sie arbeiten an den Schnittstellen zwischen Warenbeschaffung, Produktion, Transport und Endverbraucher.

Logistik fand sie schon als Schülerin spannend

Zum Beispiel Chantal Reimann: Während die meisten Menschen keinen großen Spaß an Umzügen haben, zuckt sie nur mit den Schultern. Alles eine Frage der Organisation, findet die 23-Jährige. Wie kommen die Sachen von A nach B? Wer hat welche Aufgabe beim Umzug eines ganzen Büros? Und wer behält den Überblick? Das Thema Logistik fand Chantal Reimann schon als Schülerin spannend. „Es begann damit, dass ich mich dafür interessierte, woher die Waren kommen, die man tagtäglich gebraucht.“

Nach dem Abitur begann sie darum, Business Administration mit dem Schwerpunkt Supply Chain Management an der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) zu studieren. Ihr Interesse an der Materie habe sich durch das Studium nur noch weiter vertieft, erzählt sie. Zurzeit absolviert Reimann an der HWR ihr Masterstudium in Global Supply Chain and Operations Management.

Werkstudentin bei großer Umzugsfirma

Daneben arbeitet sie seit April dieses Jahres als Werkstudentin bei der Umzugsfirma Grohmann Logistik. Das Unternehmen hat sich auf Großprojekte spezialisiert. Seine Kunden sind Behörden, Bibliotheken, Krankenkassen oder Bildungseinrichtungen, die ihren Standort wechseln. Auch den Umzug der Deutschen Postbank hat Grohmann gema­nagt.

Oft läuft sogar der Betrieb beim Kunden während des Umzugs weiter – eine zusätzliche Herausforderung für die Organisatoren. Reimann erzählt vom Umzug eines Großunternehmens mit 750 Mitarbeitern: Er sei an zwei verlängerten Wochenenden absolviert worden. Sportlich, aber machbar, findet sie.

Immer wieder neue Kunden und neue Aufgaben

„Besonders spannend wird das Supply Chain Management durch die Projektarbeit“, sagt die 23-Jährige. Jedesmal trifft sie dabei auf einen neuen Auftraggeber und eine neue Branche. Wichtig sei, „sowohl mit Zahlen als auch mit Menschen gut umgehen zu können“, erklärt die Masterstudentin.

Außerdem müsse man weitsichtig planen können: Wie viele Kartons werden benötigt, wie packt man sie, wie werden sie sinnvoll beim Transport gestapelt, um am Zielort in der richtigen Reihenfolge ausgepackt zu werden? Wie viel Zeit wird notwendig sein – und kann an irgendeiner Stelle noch Zeit eingespart werden?

Nerven bewahren und Stress aushalten

Für Supply Chain Manager geht es immer darum, wie etwas schneller, effizienter und günstiger funktionieren kann. „Bei Großumzügen muss man die Nerven bewahren können“, sagt Chantal Reimann. „Aber wenn am Ende alles geklappt hat und der Stress von einem abfällt, ist man richtig glücklich.“

Während Reimann in Berlin im Einsatz ist, reist Hanka Smiejczak jeden Montag zum Werk eines Kunden. „Wir kommen immer dann, wenn es Herausforderungen gibt“, sagt die 29-jährige Unternehmensberaterin. Sie arbeitet beim Berliner Logistikmanagement 4flow. Ihr Titel: Senior Consultant Logistik & Supply Chain Management.

Ihre Herausforderungen sind zum Beispiel „überlaufende Lager“. Zu dieser Situation kommt es, wenn ein Hersteller nicht gut geplant hat, etwa wenn er seine Produktion erweitert, ohne die Logistik auszubauen. Smiejczak analysiert die Situation vor Ort, entwickelt eine Lösung und verbessert den Warenstrom.

„Man muss ständig viele Dinge auf dem Schirm haben“

„Den Umgang mit Zahlen muss man mögen“, sagt sie. In ihrem Job geht es um Quadratmeter, Volumen, Produktions- und Mitarbeiterzahlen. Mathe war in der Schule ihr Lieblingsfach. Darum entschied sie sich für ein BWL-Studium. Ihre Bachelorarbeit schrieb sie im Bereich Supply Chain Management. „Alles hängt miteinander zusammen“, sagt die 29-Jährige. „Man muss ständig sehr viele Dinge auf dem Schirm haben. Das gefällt mir.“

Ihren ersten Job nach dem Studium trat Smiejczak beim Hersteller Bombardier in der Sparte Schienenverkehr an. Zwei Jahre blieb sie dort und war für Ausschreibungen zuständig. Das heißt, sie formulierte die Angebote, mit denen sich das Unternehmen um Aufträge bewarb. Wichtig dabei: die Kalkulation der Preise. „Das hat mir Spaß gemacht“, erzählt Smiejczak. „Ich musste mich mit allen Abteilungen austauschen und fühlte mich daher am Puls des Unternehmens.“

Nichtingenieure passen gut zu Beratungsfirmen

Obwohl auch BWLer im Supply Chain Management gefragt sind, seien Ingenieure in der Branche in der Überzahl, hat Hanka Smiejczak festgestellt. Es sei für sie als Betriebswirtin nicht leicht gewesen, sich zu behaupten. Ihr Wechsel in die Beratung lag da nahe. Die Consultingbranche sei generell ein interessantes Feld für Nichtingenieure im Supply Chain Management.

Wenn Hanka Smiejczaks ihren Job macht und Stellen in den Transportketten ihrer Kunden aufspürt, die Probleme verursachen, stößt sie oft auch auf Widerstände. Beim Austausch mit den Mitarbeitern des Kundenunternehmens ist Fingerspitzengefühl gefragt, Empathie und Überzeugungskraft gefragt. „Wenn einer jahrelang seine Arbeit auf eine bestimmte Weise gemacht hat, dann ändert er diese nicht gerne“, sagt die 29-Jährige.

Vom Vertriebler zum Lieferkettenmanager

Wieder einen anderen Weg ins Supply Chain Management hat Ryan Lott gewählt. Der BWL-Absolvent sah sich ursprünglich als Vertriebler: Er kann sich gut ausdrücken, mit Menschen umgehen, mag es, Waren zu verkaufen, und reist gern. Während des Studiums verbrachte er Semester in Budapest und Angers (Frankreich).

Er fühlte sich stets wohl in der Welt der Zahlen. „Ich bin aber nicht so der Anzugtyp.“ Also suchte Lott nach einem Arbeitgeber, bei dem er das nicht sein musste, und landete als Junior Operations Manager bei Zalando Lounge. Das ist ein sogenannter Shopping-Club, bei dem Mitglieder Preisnachlass bekommen.

Projektleiter mit fünf Mitarbeitern

Inzwischen leitet der 31-Jährige – in Jeans, T-Shirt und Baseball-Cap – ein Team von fünf Projektmanagern. Fragen der Wirtschaftlichkeit, Wettbewerbsfähigkeit und Programmierung fallen in Lotts Bereich. Seine Aufgabe besteht darin, Verbesserungspotenzial zu erkennen und zu nutzen. Sein Team löst auch Probleme, die Laien nicht sofort dem Supply Chain Management zuordnen würden: zum Beispiel die Frage, wie man schneller als bisher Fotos von Schmuck für die Internetseite anfertigen könnte.

Problematisch war immer wieder, dass sich die Umgebung im Schmuck spiegelte. Schließlich kamen der 31-Jährige und sein Team auf die Idee, den Schmuck in einen weißen Würfel zu legen und nur die Linse der Kamera hineinschauen zu lassen. Auch das ist Supply Chain Management: Prozesse verbessern, mit denen man die Artikel dem Kunden nahebringt.

Lotts Arbeit reicht bis in den gesundheitlichen Bereich hinein, etwa wenn ein Fotograf beim Ablichten der Produkte Rückenschmerzen bekommt, weil er dafür eine schlechte Körperhaltung einnehmen muss. Auch dann ist sein Team gefragt, Abhilfe zu schaffen. „Es geht immer darum, den sinnvollsten Ablauf zu gestalten“, sagt Ryan Lott. „Nicht nur wirtschaftlich, sondern auch für den Mitarbeiter.“