Junge Profis

Klemens Nowak: Azubi, Erfinder, Gründer – und erst 21

Azubi Klemens Nowak an der TU Berlin ist begeisterter Trekker. Er hat einen Holzkocher entwickelt und die Firma Friendstuff gegründet.

Klemens Nowak steht kurz vor dem Abschluss seiner Tischlerlehre an der TU Berlin.

Klemens Nowak steht kurz vor dem Abschluss seiner Tischlerlehre an der TU Berlin.

Foto: Christian Kielmann

Berlin.  Was für ein Typ Klemens Nowak ist, zeigt die Geschichte mit den Haferflocken. Er erzählt sie gern: "In einem Supermarkt habe ich immer eine bestimmte Sorte Haferflocken gekauft, dann haben sie die Verpackung geändert." Mit der Folge, dass sich die Haferflocken, als er die Tüte öffnete, über den ganzen Tisch verteilten.

Klemens Nowak tüftelte an einer Lösung, rief beim Unternehmen an, schilderte das Pro­blem, machte Verbesserungsvorschläge, rief wieder an, weil er keine Antwort bekam. Irgendwann hatte seine Hartnäckigkeit Erfolg, das Unternehmen änderte die Verpackung, Klemens Nowak erhielt als Dankeschön einen Gutschein über 2,50 Euro.

Das war während der Schulzeit des heute 21-Jährigen, der an der Technischen Universität (TU) Berlin eine Ausbildung zum Tischler macht. Noch in diesem Jahr wird er die eigentlich drei Jahre dauernde Lehre nach 2,5 Jahren abschließen. Weil er Abitur hat und gut in der Berufsschule ist, kann er die Prüfung vorziehen.

Zur Selbstfindung an den Bodensee gewandert

Welchen Beruf er ergreift, hat Nowak sich reiflich überlegt. Um sich über seinen Lebensweg klar zu werden, begab er sich mit 18, gleich nach dem Abi, auf eine Reise: zu Fuß und ohne Geld von Berlin an den Bodensee. Unterstützt wurde er damals von einem Outdoor-Händler.

Er stellte ihm eine Trekkinghose und ein T-Shirt zur Verfügung – mit dem Aufdruck "Ohne Geld durch Deutschland, Abitur-Projekt 2014, gesponsert von Globetrotter". Klemens Nowak wollte auf seiner Tour seriös wirken.

Auf der Wanderung entstanden Freundschaften

Es waren dann auch das T-Shirt und seine einnehmende Art, die ihm die Türen öffneten. Menschen, die er auf seiner 29 Tage dauernden Wanderung traf, luden ihn zum Essen ein, ließen ihn bei sich übernachten. "Das waren spannende Begegnungen", erzählt Nowak. Er traf Rechtsanwälte, Musiker, Handwerker, Ärzte. Er diskutierte mit ihnen über ihr Leben, nahm Eindrücke von ihren Berufen mit. "Die Tour lebte vom Austausch" sagt. Auch Freundschaften seien entstanden.

Am Ende seiner Reise hatte Nowak gefunden, wonach er suchte: die nächsten Schritte auf seinem persönlichen Weg. "Ich hatte mich entschieden, erst einmal eine Ausbildung im Handwerk zu machen", erzählt er. Seine Überlegung: "Mit den Skills, die ich dort lerne, verschaffe ich mir die Freiheit, später auf jedem Stück Erde arbeiten und Geld verdienen zu können." Er sei ein Mensch, der gern reist, darum bedeute ihm diese Freiheit viel.

14 Praktika in verschiedenen Ländern

Doch welches Handwerk sollte es sein? Klemens Nowak absolvierte 14 Praktika in verschiedenen Ländern. Unter anderem arbeitete er bei einem Blockhausbauer, einem Möbelrestaurator, bei einem Kfz-Zulieferer und in einem Landwirtschaftsbetrieb. "Ich habe die Praktika für mich ausgesucht, die mir für meinen Werdegang sinnvoll erschienen", sagt der 21-Jährige. Letztendlich entschied er sich für die Tischler-Ausbildung an der TU.

Von seiner Bodensee-Tour brachte er außer der Entscheidung, eine Ausbildung zu absolvieren, auch Entwicklergeist mit. Nowak hatte sich unterwegs Mahlzeiten mit einem Holzkocher zubereitet. Doch dieser sogenannte Hobokocher, der gleichzeitig die Umsitzenden wärmen soll, qualmte und sei "eine einzige Pleite" gewesen. Zurück in Berlin machte sich Nowak darum sofort an die Entwicklung eines besseren Hobokochers. Eine hohe Heizleistung sollte er haben, solide konstruiert sein und flexible Einsatzmöglichkeiten bieten.

Achtwöchiger Test für den Prototypen

Mit seinem Prototyp ging Klemens Nowak im Jahr 2015, kurz bevor seine Ausbildung an der TU begann, auf eine achtwöchige Tour durch Schweden. "Ich habe damit auch andere Trekker überzeugen können", erzählt er.

Demnächst soll das Utensil im eigenen Online-Shop und im Fachhandel zu kaufen sein. Parallel zur Ausbildung hatte sich Nowak Berliner Produzenten für den Kocher, einen Transportbeutel und die Verpackung gesucht und sein Unternehmen Friendstuff gegründet. Zurzeit unterstützt ihn ein Unternehmensberater in allen Fragen, die für ein Start-up relevant sind. Einmal pro Woche treffen sie sich. Finanziert wird das zum Teil über das Förderprogramm "Coaching Bonus". Die Investitionsbank Berlin fördert damit kleine und mittlere Unternehmen sowie Existenzgründer.

Sonnabends jobbt er im großen Outdoor-Laden

Neben Ausbildung und Gründung arbeitet Klemens Nowak sonnabends in einem großen Laden für Outdoor-Ausrüstung – zum einen, weil ihm der Kontakt zu anderen Trekkern Spaß macht, zum anderen, um sich ein Netzwerk für sein junges Unternehmen aufzubauen. "Ich bin dabei zu lernen, mein Produkt auch zu vermarkten", sagt er und zitiert den Ingenieur und Erfinder Robert Bosch: "Wir leben nicht von dem, was wir produzieren, sondern von dem, was wir verkaufen."

Kommt bei all diesen Aktivitäten die Ausbildung nicht zu kurz oder die Freizeit? "Ich arbeite zwar sehr viel, aber ich finde immer noch Zeit, mich mit Freunden zu treffen und gemeinsam zu kochen", sagt er. Seine Ausbildung möchte er mit einem schönen Gesellenstück abschließen und dann das Kapitel schließen.

"Ob ich alles richtig mache, das weiß ich nicht", sagt Klemens Nowak. "Aber ich hoffe, an den Punkt zu kommen, an dem alles, was ich gelernt habe, zusammenfließt." Mit 30 wolle er nur noch das machen, wozu er Lust habe. "Und dafür muss ich jetzt richtig Gas geben."