Forstwirtschaft

Waldarbeiter schaffen mit Körperkraft und GPS-Technik

Tomke Mäckler wird bei den „Berliner Forsten“, dem Landesforstamt, zur Forstwirtin ausgebildet.

Tomke Mäckler wird bei den „Berliner Forsten“, dem Landesforstamt, zur Forstwirtin ausgebildet.

Foto: Sven Lambert

Auf die Arbeit als Forstwirt bereitet man sich mit Ausbildung, Studium oder beidem vor. Fachkräfte aus dem Landesforstamt berichten.

Bei Tomke Mäckler dreht sich schon lange alles um Bäume: Früher – als ausgebildete Konditorin – waren es Baumkuchen. Heute hat sie mit richtigen Bäumen zu tun. Mäckler sorgt als angehende Forstwirtin gemeinsam mit ihren Kollegen vom städtischen Arbeitgeber Berliner Forsten dafür, dass der Baumbestand in den hiesigen Wäldern gesund bleibt.

"Dazu gehört auch, dass wir bestimmte Bäume fällen, entasten und zerkleinern", sagt die 28-Jährige, während sie die Motorsäge schultert. Eigentlich hatte sie nach dem Abschluss ihrer Konditor-Lehre zunächst an die Uni gewollt, um Forstwirtschaft zu studieren. Doch dann fand sie auch die duale Ausbildung zum Forstwirt interessant und entschied sich um.

Inzwischen ist Tomke Mäckler im dritten Lehrjahr bei den Berliner Forsten, dem Landesforstamt der Stadt. Sie arbeitet in der Revierförsterei Eichkamp, die zum Forstamt Grunewald gehört. Doch auch wenn sie ihre Studienpläne über Bord geworfen hat, weiterqualifizieren will sich die 28-Jährige auf jeden Fall. Sie kann sich eine Meisterausbildung vorstellen. Dafür muss sie jedoch erst einmal zwei Jahre Berufserfahrung sammeln.

Ein Tag Berufsschule, vier Tage im Wald

Tomke Mäckler hätte ihre Ausbildungszeit zur Forstwirtin auf zwei Jahre verkürzen können, weil sie das Abitur hat. Doch sie sagt: "Ich mache trotzdem drei Jahre. Ich will alles mitnehmen, was man so lernen kann." Einmal pro Woche sitzt sie im Unterricht an der Peter-Lenné-Schule, dem Oberstufenzen­trum Natur und Umwelt. An den übrigen Tagen geht es hinaus in den Wald.

Je nach Jahreszeit werden dort zum Beispiel Wege frei geschnitten, Zäune oder Hochstände repariert oder auch Waldpfade von illegal entsorgtem Müll befreit. So etwas wie hitze- oder frostfrei kennen Forstwirte nicht. "Es gibt kein schlechtes Wetter", sagt Mäckler und lacht. "Nur schlechte Kleidung." Doch sie räumt ein, dass Sägearbeiten bei 30 Grad im Schatten durchaus anstrengend seien. Denn dabei muss langärmlige Schutzkleidung getragen werden. Aber Sicherheit gehe vor, sagt sie.

Am liebsten körperlich arbeiten

Maurice Romeike hat direkt nach der Schule mit der Ausbildung begonnen. "Ich wollte körperlich arbeiten, am liebsten im öffentlichen Dienst", begründet er seine Entscheidung, nach dem mittleren Schulabschluss Forstwirt bei der Stadt zu werden. Im Bewerbungsgespräch wurde unter anderem sein Allgemeinwissen geprüft: "Dabei gab's kleine Matheaufgaben und auch die Frage, was ein Hektar sei", erinnert sich der 18-Jährige. Im praktischen Test musste er ein Vogelhäuschen bauen.

Inzwischen wird der Azubi im zweiten Lehrjahr für größere Aufgaben bei der Waldarbeit eingesetzt. An den frühen Arbeitsbeginn hat sich Romeike längst gewöhnt. Auch die Teilnahme an der Jagd gehört zur Ausbildung. Als Treiber scheuchen die Auszubildenden das Wild auf. Maurice Romeike: "Allein 40 Sauen sind beim letzten Mal erlegt worden. Wir helfen, die Tiere auf- und abzuladen, zu wiegen und zu zerlegen."

Im Winter wird der Wald durchforstet

Körperlichen Einsatz erfordert auch das Holzspalten mit dem Spalthammer, der bei der Holzernte zum Einsatz kommt. "In der kalten Jahreszeit wird der Wald durchforstet, und es wird gefällt. Das Holz wird später zerkleinert und in Raummetern verkauft", erklärt er.

Holz direkt aus dem Wald als Brennstoff für den Ofen? "Die Nachfrage hat stark nachgelassen. Baumärkte bieten fertige Holzscheite gut verpackt an. Das ist einfacher", sagt Josef Kucera. Der Forstwirtschaftsmeister hat 25 Jahre Berufserfahrung. Seine Meisterausbildung liegt zweieinhalb Jahre zurück. Anfang des Jahres trat er seine Meisterstelle im Revier Eichkamp an.

Ausbilder für sieben Lehrlinge

"Ich bin jetzt vorrangig Ausbilder", erzählt Kucera. In diesem Job kümmert sich der 47-Jährige um sieben junge Leute im Revier Eichkamp, denen er Praxiserfahrung vermittelt. "Nicht nur bei der Holzernte, in der Forsttechnik oder bei der Aufforstung", umreißt er die Vielfalt der Lehrinhalte, "sondern auch bei der Verkehrssicherung an Straßen oder Wegen sowie der Mitarbeit bei der Jagd – das Programm ist ziemlich groß."

Er versuche, den Blick der Azubis aber auch über die Reviergrenzen hinaus zu öffnen. Beispielsweise würden im Tegeler Revier noch sogenannte Rückepferde eingesetzt, die gefällte und entastete Baumstämme zum nächsten Waldweg transportieren. Kucera organisiert Exkursionen dorthin, ebenso in Betriebe der holzverarbeitenden Industrie.

220 Mitarbeiter in 28 Forstrevieren

Der Beruf des Forstwirts, früher Waldarbeiter genannt, hat eine lange Tradition. Seit 1909 bewirtschaftet die Stadt ihre Wälder mit eigenem Forstpersonal. Die Gesamtfläche ist auf heute etwa 30.000 Hektar angewachsen. Rund 220 Mitarbeiter bewirtschaften sie in 28 Forstrevieren. Eine Besonderheit der Berliner Wälder: "Der klassische Nutzeffekt von Holz entfällt. In Berlin steht der Erholungswert an erster Stelle", sagt Judith Hochstein, die als Forstwirtschaftsmeisterin in der Revierförsterei Saubucht unter anderem für die Verwaltung und das Planen des Personaleinsatzes im Grunewald verantwortlich ist.

Erhalt und Pflege von Waldwegen und Waldspielplätzen sowie die Beschilderung von Wegen stehen oben auf der Aufgabenliste des Forstpersonals. Außerdem organisiert Hochstein Veranstaltungen, beispielsweise Waldführungen. Für sie sei es eine Berufung, sagt die 40-Jährige.

Mit Schmutz unter den Fingernägeln

Nicht jeder ist für die Forstwirtschaft geeignet. Man müsse die Natur lieben, dürfe sich "nicht zu fein sein, auch mal dreckig zu werden oder Schmutz unter den Fingernägeln zu haben", sagt Hochstein. Oft gebe es bei Bewerbern falsche Vorstellungen. Wichtig sei, sich ausführlich zu informieren, was in dem Beruf gefordert sei. Zum Beispiel werde der Beruf immer spezialisierter, heißt, es gibt zunehmend Experten, die sich nur noch um einzelne Aufgaben kümmern.

Wichtiges Ziel bleibe der aktive Naturschutz, sagt Hochstein. Dabei gehe es um die Entwicklung stabiler und vielfältiger Mischwälder, erklärt sie. "Weg von der Monokultur, die ehemals durch Kiefernpflanzungen forciert wurde." Bis 2050 sollen 60 Prozent der Berliner Waldbäume Laubbäume sein.

"Waldeigentümern empfehlen wir häufig, Laub- und Nadelbäume gemischt zu pflanzen. Solche Wälder sind besonders zukunftsfähig, da sie klimatischen Veränderungen am besten trotzen", sagt Markus von Willert (37). Er ist Projektleiter bei der gemeinnützigen Gesellschaft wald-wird-mobil.de. Das Team aus Forstwissenschaftlern und IT-Spezialisten ist Ansprechpartner für private Waldeigentümer, vermittelt ihnen beispielsweise Hilfs­angebote und informiert über finanzielle Förderung von forstlichen Maßnahmen.

Forstwissenschaftler setzt Drohnen ein

Von Willert: "Fast die Hälfte des deutschen Waldes liegt in ­pri­vater Hand. Viele der etwa zwei Millionen Waldeigentümer ­verfügen über kleinere Flächen, die sie zum Teil geerbt haben. Sie kennen oft gar nicht den Grenzverlauf ihres Eigentums, haben keine Vorstellung, was sie damit machen sollen." Dort hilft von Willert zum Beispiel mit einer Ortung mittels GPS-Technik.

Von Willert legte die Basis für seinen Berufsweg mit einer Ausbildung zum Forstwirt und einem Studium der Forstwissenschaft an der Uni Göttingen und der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde. Auch eine Weiterbildung zum Forstmaschinenführer hat er absolviert. Inzwischen lehrt er selbst an der Göttinger Universität.

Für die Zukunft der Forstwirtschaft erwartet von Willert, dass auch dort mehr und mehr die Digitalisierung einzieht. Das hält für Forstwirte und Forstwissenschaftler neue Herausforderungen bereit. Er selbst ist gut gewappnet: Der Einsatz von Drohnen beispielsweise ist für ihn schon eine Selbstverständlichkeit.