Junge Profis

Gründerin Hanna Franz lädt ein zum Kaffee mit Katzen

Hanna Franz hat Screen- und Webdesign studiert, gründete dann aber lieber das Katzencafé BaristaCats.

Hanna Franz hat Screen- und Webdesign studiert, gründete dann aber lieber das Katzencafé BaristaCats.

Foto: Sven Lambert

Hanna Franz gehört das Café BaristaCats in Lichtenberg. Für eine Gastronomie mit Tieren musste sie Auflagen der Behörden erfüllen.

Berlin.  Erst hat sie studiert, aber dann kam doch alles anders. Eigentlich wollte Hanna Franz als Screen- und Webdesignerin Karriere machen und Computerspiele illus­trieren. "Ich bin von klein auf mit Games aufgewachsen. Da lag die Studienwahl nahe", sagt die 29-Jährige. Für ihr Studium ging sie nach Freiburg – und wollte anschließend in eine Großstadt ziehen. "So viel war klar, doch die Suche nach einem Arbeitsplatz war schwieriger als gedacht", erzählt Franz.

Dazu sei die Erkenntnis gekommen, nicht den ganzen Tag am Computer sitzen zu wollen. Als Kind von Gastronomen – ihre Eltern betrieben ein Hotel am Titisee im Schwarzwald – lag es nahe, selbst auch Unternehmerin zu werden.

Gründungsidee: ein Katzencafé

Mit einer für Deutschland noch ungewöhnlichen Geschäftsidee im Gepäck zog Hanna Franz 2015 nach Berlin: Ein Katzencafé sollte es werden. "Ich liebe Katzen", sagt sie. In Asien gibt es bereits zahlreiche dieser Cafés, in denen Besucher Kaffee und Kuchen verzehren können, während einige Hauskatzen um ihre Beine streichen.

"Die Kombination von Katzen und Gastronomie hat mich fasziniert", erzählt sie. "Hier kommen Menschen über die Tiere ins Gespräch. Das wollte ich auch möglich machen." Barista­Cats hat Franz ihr Café in Lichtenberg genannt.

Die hotelerfahrenen Eltern beraten die 29-Jährige

Ihre Eltern unterstützen die 29-Jährige. "Sie gaben mir viele Ratschläge, etwa, wie man Preise kalkuliert und die Finanzen im Auge behält." Durch das elterliche Hotel wusste sie in vielen Bereichen auch schon, was als Gastronomin auf sie zukommen würde. Sie habe sich stets mehr auf ihre Eltern als auf externe Berater verlassen, erzählt sie.

Ihr Vater habe sie oft darauf hingewiesen, dass ein Projekt wie BaristaCats ein bis zwei Jahre Anlaufzeit brauche. Bis es im Außenbezirk richtig laufe, könnten sogar drei Jahre vergehen. "Das zu wissen, ist ungeheuer wichtig, um auch harte Zeiten überstehen zu können", findet Franz. "Rücklagen sind da außerdem von entscheidender Bedeutung."

Inzwischen sind es sechs Café-Katzen

Doch bevor ihre Café-Katzen – mittlerweise sind es sechs – ins Lichtenberger Domizil einziehen konnten, gab es für die Gastronomin einige Herausforderungen zu meistern. "Allein die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten war schwierig", sagt Franz. "Ich hätte mir durchaus vorstellen können, ein Katzencafé in der Innenstadt zu betreiben. In Mitte zum Beispiel, mit viel Laufkundschaft."

Doch habe es unter anderem bei den Hausverwaltungen Bedenken wegen der Katzen gegeben. Auch die Ablösesummen und die Pacht für geeignete Objekte seien immens hoch gewesen, erzählt die Gründerin. So entstand die Idee, das Café in einem Außenbezirk zu eröffnen – und in einem eigenen Haus.

Projekt im eigenen Haus verwirklicht

"Beim Kauf einer Immobilie verschwindet das Geld nicht", sagt Franz. Glücklicherweise hätte sie Eigenkapital gehabt. "Hier kann ich meine Ideen umsetzen. Und nicht nur die Katzen wissen den Außenbereich zu schätzen. Auch meine Gäste freuen sich über den Katzengarten." Die Gasträume sind auf 75 Quadratmeter verteilt. Ein Raum mit Katzenklappe ist Gästen vorbehalten, die mit den Tieren schmusen möchten.

"Außerdem gibt es einen Wintergarten und den Theken- und Küchenbereich, in den die Tiere aus hygienischen Gründen keinen Zutritt haben", sagt Hanna Franz. In einem Katzencafé sei es wichtig, dass sich die Gäste an Regeln hielten: "Also nicht die Katzen füttern, sie nicht mit Blitzlicht fotografieren und immer die Tür zum Thekenraum geschlossen halten", erklärt sie.

Tiere brauchen Rückzugsmöglichkeit

Damit sich die Tiere eine Auszeit von streichelfreudigen Gästen nehmen können, gibt es Rückzugsmöglichkeiten, etwa ein Körbchen, das unter der Zimmerdecke hängt. Auch im Außenbereich gibt es Ruheplätze für die Tiere. Alle Katzen hat Franz aus dem Tierheim geholt.

Für die Eröffnung des Cafés am Malchower Weg habe sie nicht nur eine Gastronomen-Schulung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) absolviert, auch einen Sachkundekurs zur Katzenhaltung habe sie belegen müssen. "Gemäß dem Tierschutzgesetz betreibe ich eine gewerbliche Zurschaustellung von Katzen", erklärt die Café-Besitzerin.

Veterinäramt war da, Gesundheitsamt auch

Vor der Eröffnung von BaristaCats hätte sie außer zum Gewerbeamt auch Kontakt zum Veterinäramt herstellen müssen. "Die haben dann vor Ort geprüft, ob alles den Bestimmungen entspricht", erzählt sie. Auch das Gesundheitsamt war da, um sicherzustellen, dass keine Katze in einen der Räume gelangen kann, in denen Essen zubereitet oder gelagert wird.

Nach einem halben Jahr Umbauzeit konnte Franz ihr Café im August 2015 eröffnen. Ihr Partner, freiberuflich als Mediendesigner tätig, kümmert sich um den Internetauftritt und die Werbung.

Kaffee aus fairem, regionalem Handel

Freundlicher Service und Qualität seien ihr sehr wichtig, sagt Hanna Franz. Der Kaffee beispielsweise kommt aus einer regionalen Rösterei mit fairem Handel. Außer Kaffee, Kuchen und Waffeln nach dem Rezept ihrer schwäbischen Oma gibt es bei Franz auch herzhafte Snacks, auf Wunsch vegan.

Die Gasträume hat die Unternehmerin im Landhaus-Stil mit "Shabby Chic" eingerichtet: weiß gestrichene Möbel, kombiniert mit Pastellfarben, Sessel im Vintage-Look. Hanna Franz: "Manche Gäste sagen zu mir: 'Ein Besuch bei BaristaCats ist ein bisschen wie ein Kurzurlaub.'" Die 29-Jährige ist sich sicher, dass sich ihr Katzencafé auf Dauer etablieren wird.