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Von der Innenarchitektin zur Chefin eines Café-Bistros

Caroline Mekas hat ihr Café-Bistro im Wedding „Kater & Goldfisch“ genannt.

Caroline Mekas hat ihr Café-Bistro im Wedding „Kater & Goldfisch“ genannt.

Foto: Christian Kielmann

Zwei Jahre Vorbereitung – dann eröffnete Caroline Mekas mit einem Kompagnon ein Café-Bistro in Berlin. Gestaltet hat sie es allein.

Innenarchitektin kann sich Caroline Mekas trotz ihres Masterabschlusses in dem Fach nicht nennen. Ihr fehlen die Praxis und die Eintragung bei der Architektenkammer. "Kater und Goldfisch" kam ihr vor diesem letzten Schritt zur Innenarchitektin dazwischen: ein Café, das sie mit ihrem Geschäftspartner Kaitas Malik im vergangenen Jahr eröffnet hat.

Für ihren ursprünglichen Berufswunsch war die Berlinerin nach Wiesbaden gezogen, um dort an der Hochschule RheinMain Innenarchitektur zu studieren. In Berlin gab es den Studiengang damals nicht. Erst seit knapp drei Jahren bietet die private und kostenpflichtige BAU International das Studium an.

Seit 2016 hat Mekas ihren Masterabschluss, sagt aber: "Innenarchitektur war mir letztendlich zu wenig kreativ, und ich hatte keine Lust, so viel vor dem Computer zu sitzen." Schon vor und während ihres Studiums jobbte die heute 26-Jährige in der Gas­tronomie – auch in den Cafés von Kaitas Malik, einem Weddinger Gastronom, dem Läden wie die "Jatz Bar" und das "Jatz Café" gehören. "Ich sagte zu ihm, wenn du irgendwann noch einmal einen neuen Laden eröffnen willst, dann bitte mit mir."

Leer stehende Räume nahe den Uferstudios entdeckt

Dieser Wunsch erfüllte sich. Bei einem Spaziergang entdeckte Malik die leer stehenden Geschäftsräume in Wedding, direkt neben den Uferstudios – den ehemaligen Werkstätten der BVG, in denen sich die freie Tanzszene eingerichtet hat. Große Räume mit Küche und einem Biergarten: "Ich war sofort begeistert, als Kaitas mir davon erzählte", sagt Caroline Mekas.

Doch wie genau sollte das Cafékonzept aussehen? Es folgten Brainstorming und eine Marktanalyse, die die beiden weg von ihrer Anfangsidee, einem Burger-Laden, brachte. "Davon gibt es zu viele auf dem Markt, und wir wollten ein Alleinstellungsmerkmal", sagt Mekas. Ihnen fielen die Pastrami-Sandwiches ein, die sie unlängst gegessen hatten, und "Katz's Delicatessen" in New York, ein Deli, das berühmt ist für seine Pastrami-Leckereien. Pastrami sind dünne, gewürzte Rindfleischscheiben.

Die Sandwicht-Lage in Berlin gecheckt

Die beiden checkten im Internet die Berliner Sandwich-Lage und hatten ihr Alleinstellungsmerkmal gefunden: Pastrami-Sandwiches. "Dann ging alles ganz schnell", erinnert sich Caroline Mekas. Sie stieg als gleichberechtigte Geschäftspartnerin ein. Mit den Gastroerfahrungen von Kaitas Malik fühlte sie sich auf der sicheren Seite.

Schon während der letzten beiden Semester ihres Masterstudiums war sie mehr in Berlin als in Wiesbaden. "Ich hatte die Genehmigung, meine Masterarbeit hier zu schreiben", erzählt sie. Es war eine Herausforderung, zeitgleich das Studium zu Ende zu bringen und das Café aufzubauen – zumal die beiden Gründer das Projekt ohne Bankfinanzierung auf die Beine stellen wollten.

Zusammengewürfeltes Mobiliar

Möbel kamen aus dem "Jatz Café", das Kaitas Malik aufgab, der Rest des zusammengewürfelten Mobiliars sind Geschenke und Eigenbauten. Dass der Laden dennoch nicht aussieht wie eine Resterampe, verdankt er Mekas Blick für Innenarchitektur und ihrer Leidenschaft für Gestaltung. Der Veranstaltungsraum ist schwarz gestrichen, goldene Rahmen ohne Bilder schmücken die Wände, im Cafébereich stehen abgebeizte Holztische, Bistrostühle, Omas Sofa und ein aus grobem Holz zusammengezimmerter Tresen, auf dem in Vitrinen der selbst gebackene Kuchen angeboten wird.

Auf einer Schiefertafel werden unter anderem die Klassiker des Cafés angekündigt – Pastrami-Sandwiches. Bei "Kater & Goldfisch" gibt es sie in einer Marinade mit Knoblauch, Koriander und Pfeffer, zusammen mit Senf, Sauerkraut und Zwiebelchutney in hausgemachtem Brot. "Wir überlegen uns auch immer wieder neue Kreationen", sagt Mekas, die zwar schon immer eine leidenschaftliche Hobbyköchin war, jedoch von Pastrami-Zubereitung anfangs keine Ahnung hatte.

Während der Umbauphase begannen die Geschäftspartner in der Restaurantküche zu experimentieren. Infos fanden sie im Internet. "Wir mussten viel Geduld mitbringen, bis wir erste Ergebnisse hatten", sagt Caroline Mekas. "Das Fleisch wird eine Woche lang gepökelt, zieht in seiner Marinade, wird dann auf niedrigen Temperaturen langsam gegart bis die Kerntemperatur stimmt, denn es muss saftig und rosa bleiben", erklärt sie. Zum Testen der Ergebnisse luden sie Freunde und Familie ein. "Die haben alles verkostet, was wir hier anbieten", sagt Mekas.

Mobiliar und Speisekarte entwickeln sich weiter

Fast zwei Jahre dauerte die Instandsetzung der Räume. Nun läuft der Laden, hat zehn Mitarbeiter und zieht Menschen aus den Uferstudios und umliegenden Gewerbebetrieben zum Mittagstisch und am Abend in den Biergarten. "Wir richten auch große Gesellschaften aus und machen externes Catering", sagt Mekas.

Der Laden entwickelt sich immer weiter: "Uns war es wichtig, dass er mit der Eröffnung nicht fertig ist, denn ich finde Veränderung spannend", sagt Mekas. Das zeigt sich am Interieur und am wechselnden Speiseangebot. Gerade ist die 26-Jährige dabei, ein eigenes Brotrezept zu entwickeln.

Und die Innenarchitektur? "Die Selbstständigkeit und das Selbstbewusstsein, das ich habe, habe ich im Studium mitbekommen", antwortet sie. Die Richtung, die sie eingeschlagen hat, fühle sich richtig an. "Ich kann meine Vorstellungen verwirklichen." Sie arbeitet viel. Sonntag, wenn sie eigentlich frei hat, zieht sie durch Berlin und betreibt Marktforschung. Sie besucht Cafés und guckt, was diese anders oder besser machen als sie. Raum für Optimierung gibt es immer, glaubt die 26-Jährige.