Junge Profis

Sie ist die "Schützen-Wirtin" – und ein Business-Coach

Jessica Bernsteiner (32) hatte schon als Achtjährige einen eigenen Eisstand. Heute gibt sie ihre Erfahrungen als Beraterin weiter.

Schützen-Wirtin Jessica Bernsteiner ist es wichtig, in der Praxis am Ball zu bleiben – auch wenn sie heute vor allem als Coach tätig ist.

Schützen-Wirtin Jessica Bernsteiner ist es wichtig, in der Praxis am Ball zu bleiben – auch wenn sie heute vor allem als Coach tätig ist.

Foto: Sven Lambert

Wenn Jessica Bernsteiner an ihre beruflichen Anfänge denkt, muss sie lachen. "Ich hatte bereits als Achtjährige einen eigenen Eisstand", sagt die heute 32-Jährige. Sie sei ein richtiges "Gastronomiekind". Ihre Eltern betreiben bis heute den Avus-Treff "Spinnerbrücke", einen bekannten Bikertreff.

Auch wenn Jessica Bernsteiner mittlerweile nicht nur eine Ausbildung als Touristik-Kauffrau und Business-Coach absolviert hat – die Gastronomie ließ die Berlinerin einfach nicht mehr los. So betreibt sie seit 2006 nicht nur die Gastronomie im Strandbad Wannsee, sondern seit 2015 auch die "Schützen-Wirtin" im Düppeler Forst.

Bereits als 14-Jährige wusste Jessica Bernsteiner, wohin es beruflich gehen sollte: in die Hotellerie. Ihr Vater empfahl ihr eine Elite-Schule in Österreich. "Ich wollte das unbedingt, aber ich habe dann doch während der ganzen Fahrt nach Salzburg geheult."

Mit knapp 15 Jahren sei es für sie an der Tourismusschule Salzburg-Kleßheim anfangs nicht leicht gewesen. "Dorthin kommt viel Hotelnachwuchs aus Familienbetrieben. Ich hatte einen ähnlichen Hintergrund und lebte mich dann doch schnell ein. Zum Abschluss hatte ich ein großes theoretisches und praktisches Fachwissen."

Aus der weiten Welt wurde nur München

Eigentlich hätte sie in die weite Welt gewollt, sagt sie etwas nachdenklich. Doch es sei dann doch erst einmal nach München in ein Trainee-Programm des Hilton gegangen. Zehn Monate später sei dann ein überraschender Anruf von zu Hause gekommen.

"Mein Vater fragte, ob ich in drei Wochen die Gastronomie im Strandbad Wannsee übernehmen könne. Wenn ja, solle ich sofort meinen Job und die Wohnung kündigen", sagt die 32-Jährige. "Mein Vater ist eben ein richtiger Machertyp und fackelt nicht lang. Und er brauchte eine Führung für das neue Unternehmen. Nach kurzer Überlegung ging ich zurück nach Berlin."

Das sei ein gewaltiger Sprung ins kalte Wasser gewesen: "Mit gerade einmal 21 Jahren hatte ich plötzlich eine Führungsposition inne und war für 20 Mitarbeiter verantwortlich." Es sei eine unglaublich harte, aber letztlich auch erfolgreiche Zeit gewesen. "Das Geschäft hat sofort gebrummt. Die Stadt war 2006 voll mit WM-Fußballfans und Touristen. Und das Wetter blieb sieben Wochen lang hochsommerlich."

Aus Fehlern gelernt

In dieser Zeit habe sie viel gelernt, "besonders auch aus meinen Fehlern", sagt Bernsteiner. "Ich wollte es jedoch unbedingt schaffen. Mein Ziel war, künftig nicht mehr an sieben Tagen in der Woche vor Ort sein zu müssen." Sie sei überzeugt, dass man seinen Mitarbeitern, wenn man den Überblick über das Geschäft gewonnen hat, vertrauen muss. "Dann kann man vieles delegieren."

Ihr Projekt am Wannsee sollte jedoch keine Endstation sein. Außerdem sei das ja ein Saisongeschäft. Von Oktober bis März habe sie deshalb die Schichtleitung im elterlichen Avus-Treff "Spinnerbrücke" übernommen und "klassisch am Tresen gearbeitet".

Ausbildung zum Business-Coach

Dies jedoch nur bis 2012, dann widmete sich die junge Unternehmerin einem neuen Projekt. "Das Thema Personalführung ist schon immer mein Steckenpferd." So absolvierte sie eine Business-Coach-Ausbildung in Frankfurt am Main und ergänzte ihre Ausbildung mit einem "Train the Trainer"-Lehrgang bei der IHK in Berlin.

"Mein Ziel war, neben meinen gastronomischen Aktivitäten auch beratend tätig zu werden. Trotz meines jungen Alters hatte ich ja schon viel Erfahrung gesammelt. Ich wollte mein Wissen gern an andere Gastronomen weitergeben." So gründete sie ihre eigene Beratungsfirma mit dem Namen Personal Entwicklung Beratung, kurz "peb".

Auf ihrer Internetseite heißt es selbstbewusst: "Profitieren Sie von meiner Erfahrung: Ich habe Gastronomie und Hotellerie gelebt, jeden Handgriff gelernt, hart für meinen Erfolg gearbeitet und jahrelang erfolgreich ein eigenes Gastronomieunternehmen geführt."

Einmal in der Woche hinter dem Tresen

Ein Spruch des mittelalterlichen Mönchs Bernhard von Clairvaux ist auch Motto von Bernsteiner: "Stehe an der Spitze, um zu dienen, nicht, um zu herrschen." So gehört es zu ihrem Führungsstil, sowohl in der "Schützen-Wirtin" als auch im Strandbad Wannsee mindestens einmal in der Woche mitzuarbeiten. Die Kollegen wüssten ihren Einsatz zu schätzen, erklärt sie. "Im Sommer stehe ich, wenn Not am Mann ist, im Strandbad den ganzen Tag an der Fritteuse."

In diesem Jahr steht noch ein ganz anderes Projekt an. Jessica Bernsteiner heiratet. Ihren künftigen Mann Johannes lernte sie auf der Hotelfachschule kennen. "Der Liebe wegen zieht es mich also nach Österreich. Doch ich bleibe auch in meiner Mutterstadt Berlin beruflich verwurzelt."

Gibt es darüber hinaus Pläne? "Ja, ich möchte mir als Business Coach und Trainerin für Service Excellence in Salzburg etwas aufbauen. Vielleicht kann ich meine Erfahrungen ja auch in Fachschulen weitergeben. Das wäre toll."

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