Arbeitsrecht

Anruf per Diensthandy: Wenn der Chef den Urlaub stört

Der Chef verlangt, dass der Mitarbeiter in den Ferien für ihn telefonisch erreichbar ist. So beurteilt ein Anwalt diese Forderung.

Arbeitgeber sind rechtlich dazu verpflichtet, ihre Mitarbeiter für mindestens vier Wochen pro Jahr von der Arbeit freizustellen.

Arbeitgeber sind rechtlich dazu verpflichtet, ihre Mitarbeiter für mindestens vier Wochen pro Jahr von der Arbeit freizustellen.

Foto: kzenon / Getty Images/iStockphoto

Fragen rund ums Arbeitsrecht beantwortet Dr. Heiko Peter Krenz, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin.

Ich fahre nächste Woche in den Urlaub. Mein Chef will, dass ich mein Diensthandy mitnehme, damit er mich bei Fragen erreichen kann. Ich möchte das aber nicht. Wie ist die Rechtslage?

Das sagt Anwalt Heiko Peter Krenz: Verständlich, dass Sie das Ansinnen Ihres Chefs infrage stellen. Denn ob im Wohnwagen an der Ostsee, im Zelt in den Alpen oder zu Hause auf dem Balkon – Ihre wohlverdiente Auszeit vom Job wollen Sie sich nicht vom Arbeitgeber stören lassen.

Vor diesem Problem stehen Sie allerdings nicht allein: Viele Arbeitgeber fordern von ihren Mitarbeitern, auch im Urlaub ständig erreichbar zu sein. Das sehen sie als selbstverständlich an. Doch erlaubt ist es nicht.

Fest steht: Jeder Arbeitnehmer hat einen gesetzlichen Anspruch auf Urlaub. Arbeitgeber sind dazu verpflichtet, ihre Mitarbeiter für mindestens vier Wochen pro Jahr von der Arbeit freizustellen. Diese Zeit dient in erster Linie der Erholung. Das höchste deutsche Arbeitsgericht hat dazu schon vor Jahren ausgeführt, dass es dem Arbeitnehmer in seiner Urlaubszeit uneingeschränkt möglich sein muss, seine Freizeit eigenständig zu gestalten. Das ist jedoch nicht möglich, wenn er jederzeit mit einem Anruf seines Chefs rechnen muss.

Recht auf ungestörten Urlaub

Die Rechtslage ist also eindeutig. Dass Sie für ihn auch während des Urlaubs permanent erreichbar sind, kann Ihr Arbeitgeber grundsätzlich nicht von Ihnen fordern. Etwas anderes könnte sich allenfalls dann ergeben, wenn hierzu eine vertragliche Absprache getroffen wurde. Dann ist diese Art Bereitschaftsdienst grundsätzlich möglich, allerdings auch das nur in sehr engen Grenzen. Das Recht auf ungestörten Urlaub haben im Übrigen auch Führungskräfte.

Sie können also unbesorgt ihre Koffer packen. Im Normalfall darf das Arbeitshandy ausgeschaltet bleiben. Das Gleiche gilt übrigens auch für die Kontaktversuche Ihres Chefs per E-Mail oder Kurznachricht. Sie können getrost ignoriert werden. Eine böse Überraschung bei der Rückkehr müssen Sie nicht befürchten. Eine Abmahnung oder gar eine Kündigung hätte vor Gericht keine Chance. Ihrem Urlaub steht also nichts im Wege.

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