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Filmemacherin Hermann: "Ich drehe am liebsten Komödien"

Von A bis Z verantwortlich für ihre eigenen Filmproduktionen: Schauspielerin Sabrina Hermann.

Von A bis Z verantwortlich für ihre eigenen Filmproduktionen: Schauspielerin Sabrina Hermann.

Foto: Sven Lambert

Sabrina Hermann ist seit 15 Jahren Schauspielerin. Jetzt hat sich die 28-Jährige mit einer Filmproduktionsfirma selbstständig gemacht.

"Als Schauspielerin hast du gewisse Grenzen", sagt Sabrina Hermann. "Am Ende steht da immer der Produzent und entscheidet." Darum hat sich die Berlinerin vor zwei Jahren entschieden, selbst Filme zu produzieren und die Entscheiderin zu sein. "Ich mache das ganze Ding", sagt die 28-Jährige.

Hermann schauspielert nicht nur oft in ihren eigenen Filmen, sie organisiert Drehorte, stellt Anträge bei der Filmförderung, ist Aufnahmeleiterin und für den Schnitt verantwortlich. Erfahrung hat sie: "Ich habe schon lange neben der Schauspielerei als Produktionsassistentin gearbeitet." Seit jeher fand sie es spannend, wie man ein Set ausleuchtet und wie die Gewerke beim Film ineinandergreifen.

"Fairy Fart Prod." haben Hermann und ihr Partner und Freund Kevin Patzke die Firma genannt. "Die Zusammenarbeit funktioniert als Paar hervorragend", sagt die 28-Jährige. "Am Set ist Kevin einfach nur mein Regisseur, da zicken wir uns auch an." Es geht schließlich um die Firma: "Wir wollen größer werden", sagt Sabrina Hermann.

Sieben Produktionen auf die Beine gestellt

Um sich herum scharen sie ein Team aus Freiberuflern, die bei Bedarf Regie, Kamera oder Schauspielparts übernehmen. "Ich arbeite meist mit denselben Leuten", sagt die gebürtige Berlinerin. Das Logo der Firma steht auch nach zwei Jahren noch nicht, ebenso wenig ist die Internetseite fertig. "Aber wir machen tolle Filme", sagt Sabrina Hermann und lacht. "Wir verwirklichen Projekte, auf die wir Bock haben, der Spaß daran steht im Vordergrund." Sieben Produktionen haben sie in den zwei Jahren schon realisiert.

Zum Beispiel "das Prinzessinnen-Ding", wie Hermann es nennt: ein dreiminütiger Film, mit dem sich das Team beim Festival der Self Made Shorties beworben hat. Das ist eine Talentschau, unter anderem vom Branchenverband Crew United organisiert. "Gestern Nacht haben wir den Film fertiggestellt und hochgeladen." In der kommenden Woche fällt die Entscheidung der Jury, wen sie für einen Preis nominiert.

Komödie ist ein anspruchsvolles Genre

Worum es geht? "Eine Schauspielerin ist auf dem Weg zum Casting für eine Prinzessinnen-Rolle", erzählt Hermann. Auf dem Weg dorthin passiert ihr eine Katastrophe nach der anderen. Eine Komödie? "Ja, die drehe ich am liebsten", sagt die Produzentin. Komik sei nicht so einfach, gibt sie zu. Aber ihr liege das Fach. "Und ich lache gern."

Neben ihren Eigenproduktionen übernimmt die kleine Firma mit Sitz in Prenzlauer Berg auch Auftragsarbeiten – von Kunst bis Werbung. Drei größere Projekte stehen zurzeit an, erzählt Hermann.

Ausbildung zur Produktionsleiterin

Gefilmt wird vor allem am Wochenende. Unter der Woche besucht Sabrina Hermann zurzeit einen Lehrgang am Institut für Schauspiel, Film- und Fernsehberufe (iSFF). Dort macht sie ihren IHK-Abschluss zur Produktionsleiterin. Gerade, was Film- und Vertragsrecht angeht, nütze ihr die Weiterbildung sehr, erzählt Hermann. Im September wird sie die Prüfung ablegen. "In Deutschland ist es wichtig, einen Abschluss zu haben", sagt sie. Das verbessere das eigene Standing in der Branche, zum Beispiel bei der Filmförderung.

Sabrina Hermann ist schon mehr als ihr halbes Leben lang Schauspielerin. Mit 13 Jahren hat sie als Komparsin angefangen. Der Anstoß war auch schon so ein Prinzessinnen-Ding: "Ich habe als Kind viele Disneyfilme geguckt", erzählt sie. Natürlich wollte sie selbst Rapunzel oder Schneewittchen sein.

Ziel war immer das Fernsehen

In der Grundschule trat sie dann in Kindermusicals auf. "Mein Ziel war aber immer das Fernsehen." Ihre Mutter habe sie enorm unterstützt, sagt Sabrina Hermann. "Sie hat mit mir zusammen eine Komparsenvermittlung gesucht und stundenlang mit mir am Set gesessen." Bedingung war immer: gute Schulnoten. Und die hatte sie.

Nach einigen Engagements als Komparsin folgten erste Sprechrollen in Kurzfilmen oder kleinen Serien. Auch in der Werbung kann man Sabrina Hermann sehen: "Ich war zum Beispiel Teil der Kampagne ,Alkohol? Kenn dein Limit' der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung." Sie trat bei "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" auf, spielte ein Opfer bei "Aktenzeichen XY", übernahm Rollen in einem Musikvideo und am Theater, etwa im Hebbel am Ufer.

Dozentin an der Schauspielschule

Zwischendrin absolvierte Hermann in dem Beruf, in den sie hineingewachsen war, eine Ausbildung. An der Starter – Berliner Schauspielschule für Film und Fernsehen legte sie 2012 ihr Examen ab. Auch das eine Sache von Image und Standing – was man aber nicht mit Allüren verwechseln sollte. "Manche Schauspieler nehmen sich so unglaublich wichtig", sagt Sabrina Hermann. Verständnis hat sie dafür nicht. "Ohne jemanden, der Licht macht, geht es genauso wenig." Inzwischen leitet sie selbst als Dozentin Schnupperkurse an der Starter.

Einen dritten Beruf neben Schauspielerin und Filmproduzentin hat die 28-Jährige auch noch: Prinzessin. "Zum Geld verdienen", sagt sie. "Über eine Agentur kann man mich als Eiskönigin oder Rapunzel für Kindergeburtstage oder Auftritte in Einkaufszentren buchen." Das sei eine total dankbare Arbeit, findet sie, Kinder können sich so begeistern.

Aber sie seien auch knallharte Kritiker. "Die Kinder wissen aus den Filmen genau, wie Rapunzel sich bewegt." Stimmt etwas nicht, kommen Zweifel auf: "Bist du denn die echte?" Sie müsse die Biografie jeder Disney-Prinzessin im Detail kennen, sagt Sabrina Hermann. Da hilft es, dass Prinzessin schon von klein auf ihr Traumberuf war.