Gartenbau

Landschaftsgärtner: Teiche anlegen, Bagger fahren, rechnen

Garten- und Landschaftsbauer bringen Natur in die Stadt. Der vielseitige und anspruchsvolle Beruf wird allerdings oft unterschätzt.

Landschaftsgärtner Gino Daunke arbeitet auf einer Baustelle an der Pacelliallee in Berlin-Dahlem.

Landschaftsgärtner Gino Daunke arbeitet auf einer Baustelle an der Pacelliallee in Berlin-Dahlem.

Foto: Sven Lambert

Berlin.  „Es ist ein Hybrid zwischen dem Gärtnern und dem Bauhandwerk“, beschreibt Henning Schmidt seinen Beruf. Der 22-Jährige wird Landschaftsgärtner. Dafür besucht er zurzeit die Peter-Lenné-Schule in Zehlendorf. Das Oberstufenzentrum (OSZ) für Natur und Umwelt bietet den theoretischen Teil der dreijährigen Berufsausbildung an. Die Praxis vermitteln private Garten- und Landschaftsbaubetriebe oder kommunale Einrichtungen wie das Straßen- und Grünflächenamt.

Vor allem die Vorstellung, draußen arbeiten zu können, hat Henning Schmidt von der Ausbildung überzeugt. Bei Wind und Wetter, Kälte und Hitze im Einsatz? „Klar, wir sind ja nicht aus Zucker“, sagt der künftige Landschaftsgärtner und lacht. Ein Händchen für Pflanzen hat er schon immer gehabt. Jetzt baut er auch seine Theoriekenntnisse weiter aus. Die botanischen Bezeichnungen von Stauden, Sträuchern und Bäumen sowie ihre Besonderheiten zu kennen, bedeute viel Lernaufwand und Fleiß, sagt Schmidt.

Landschaftsgärtner erfüllen Kundenwünsche

Einen Schwimmteich gestalten, Gehwegplatten legen oder eine Holzterrasse zimmern – Wünsche der Kunden privater GaLaBau-Firmen (so heißen Fachbetriebe des Garten- und Landschaftsbaus im Fachjargon) sind vielfältig. Schippe, Säge, Schubkarre, aber auch schwere Geräte wie Radlader und Bagger kommen zum Einsatz. Michael Rassokhin arbeitet besonders gern mit den Maschinen. Er ist im zweiten Ausbildungsjahr.

Rassokhin hat sich bereits vor Beginn der Lehre in einem Kursus über den Beruf schlau gemacht. „Das war ein Zierpflanzenkurs“, erzählt der 19-Jährige, der bei der Firma Friedrich Scharf lernt, einem mittelständischer Betrieb in dritter Generation. In die Auftragsprojekte wird er voll und ganz einbezogen.

So arbeitet er beispielsweise an der Gestaltung von Innenhöfen und Sportplätzen mit, bei der Dach- und Fassadenbegrünung und bei Steinarbeiten. Michael Rassokhin möchte nach seiner Ausbildung bei Friedrich Scharf bleiben. Er ist zuversichtlich: „Wenn ich gut durch die Prüfungen komme, sollte das auch klappen“, meint er.

Großer Bedarf an fachlichem Nachwuchs

Kommunen, Industrie, Gewerbe und Wohnungsbaugesellschaften haben die Bedeutung gestalteter Außenanlagen bei Neu- und Umbauten erkannt. Und diese Grünflächen müssen angelegt und gepflegt werden. Dementsprechend ist der Bedarf an fachlichem Nachwuchs da. Dennoch kämpft die Peter-Lenné-Schule beim Garten- und Landschaftsbau mit zurückgehenden Schüler-Zahlen.

Bei jedem Wetter draußen zu arbeiten, gefalle nicht jedem Schüler, sagt Ralf Heldmann, Fachleiter Landschaftsbau. Und auch der oft körperlich anstrengende Acht-Stunden-Tag sei für manchen schwierig durchzuhalten. Fitness und Belastbarkeit seien deshalb wichtige Voraussetzungen – ebenso wie Freude am Lernen und Spaß am Gestalten mit Pflanzen und Baumaterialien.

„Vor allem sollte man lernen, Theorie und Praxis gut zu verbinden“, sagt Heldmann. „Etwa Pläne der Bauherren zu lesen und umzusetzen sowie auch selbst Planskizzen zu zeichnen oder anspruchsvolle Messarbeiten durchzuführen.“ Er selbst kam über ein Studium der Landschaftsgestaltung und die anschließende Promotion zu seinem Beruf. Seit 23 Jahren ist Ralf Heldmann Fachlehrer an der Peter-Lenné-Schule.

Spezialisierung zum Fachagrarwirt

Wer sich als Landschaftsgärtner weiter qualifizieren will, hat eine breite Palette an Möglichkeiten. Nach einem Jahr Berufspraxis kann man sich zum Techniker, nach zwei Jahren zum Meister weiterbilden. Ein Hochschulstudium führt zum Bachelor- oder Masterabschluss. Auch Spezialisierungen sind möglich, etwa zum Fachagrarwirt für Golfplatz- oder Sportrasenpflege.

„Die Spezialisierung auf nur ein Gebiet kann ich mir noch gar nicht vorstellen“, sagt Christina Vollert. „Es gibt so viele interessante Bereiche.“ Die 42-Jährige sitzt mit weitaus jüngeren Mitschülern zusammen. Sie hat im vergangenen Jahr ihre zweite Ausbildung begonnen. „Ich mache jetzt mein Hobby zum Beruf“, erzählt die leidenschaftliche Freizeitgärtnerin. 22 Jahre lang arbeitete sie als Rechtsanwaltsfachangestellte.

Den Bürojob hatte Christina Vollert satt. Sie will nach dem Abschluss als Landschaftsgärtnerin neu durchstarten. Die Ausbildung macht sie beim Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf. Zurzeit baut sie dort an einem Spielplatz mit. „Ich bin trotz körperlicher Anstrengung nach acht Stunden Arbeit draußen fitter als nach einem Büro-Tag.“

Auf jeder Baustelle lernt man dazu

Auch Gino Daunke mag die Einsätze im Freien. Er ist seit zwölf Jahren als Landschaftsgärtner, inzwischen als Vorarbeiter, bei der Firma Gärt’nerleben beschäftigt. „Mein Vater hat denselben Beruf. Ich wusste, was auf mich zukommt“, sagt der 35-Jährige. Er könne sich nicht vorstellen, ständig in einer Halle oder an einem einzigen Gerät zu arbeiten. Gerade die Abwechslung in den Tätigkeiten und Vielfalt an Aufgaben seien für ihn wichtig: „Jede Baustelle ist anders. Man lernt immer dazu.“

Welche Pflanzen passen zum Standort, was für Steine sollen verarbeitet werden? Fragen, die jeweils neu zu entscheiden sind. Auch hinsichtlich der Technik sei Fachwissen notwendig, sagt Daunke. „Wir bauen ja zum Beispiel auch Beregnungsanlagen ein“, erzählt er. Es gibt jedoch auch Aufgaben, an die er sich nicht herantraut: Die Arbeit als Baumkletterer kommt für ihn nicht infrage, sagt Gino Daunke. „Ich habe Höhenangst.“

Im Winter werden die Aufträge weniger

Die Hauptsaison für Landschaftsgärtner geht vom Frühjahr bis zum Herbst. Die Wintermonate sind ruhiger. „Doch wir hatten ja in den letzten Jahren eh keinen richtigen Winter“, sagt Daunke. „Dadurch gab es meist nur drei bis vier Wochen, in denen wir wegen des starken Frosts keine Gartenbauarbeiten ausführen konnten.“

In dieser Zeit ist es bei Mitarbeitern in den Firmen üblich, Überstunden abzubummeln oder Urlaub zu nehmen. Die Regelung funktioniert gut, findet Daunke. Seine Bilanz: „Es ist ein schöner Beruf, aber die Bezahlung in der Branche könnte etwas besser sein.“

Jens-Peter Fischer, der Chef von Gino Daunke, stimmt dem zu: „Spitzenverdiener wird man im Landschaftsbau nicht.“ Jedoch als Ausgleich schaffe man mit dem, was man tue, viel Freude. „Wir arbeiten oft in Schulen. Das Ergebnis findet Anerkennung“, erzählt er. Und das mache Spaß. „Wenn ich an von uns gebauten Spielplätzen vorbeikomme, habe ich Gänsehaut“, sagt Fischer.

Freiraumplanung an der Beuth Hochschule

Als gelernter Landschaftsgärtner hat er in der Garten- und Denkmalpflege, in einem Planungsbüro, aber auch in der Bauleitung einer Gartenbau-Firma gearbeitet. Der Firmeninhaber hat an der Beuth Hochschule für Technik Freiraumplanung und Grünflächenmanagement studiert. Der Studiengang kann inzwischen unter dem Namen „Landschaftsbau und Grünflächenmanagement“ dual absolviert werden, sodass die Praxis ins Studium integriert ist.

Vor zwölf Jahren machte sich der 52-jährige Diplom-Ingenieur selbstständig. „Ich habe ganz klein angefangen, sozusagen mit nur zwei Schippen und Auto mit Transportanhänger“, erzählt er. Inzwischen beschäftigt Fischer – je nach Saison – bis zu zwölf Mitarbeiter. Er bildet Landschaftsgärtner aus und ist selbst Prüfer für andere Auszubildende. „Angst vor Muskelkater darf man nicht haben“, frotzelt er. Die Arbeit erspare ihm die Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio.

Jens-Peter Fischer möchte ausdrücklich unterstreichen, wie wichtig eine hochwertige Ausbildung ist. Er wehrt sich gegen Vorurteile: „Wir sind nicht der Mann oder die Frau, die nur hinter dem Rasenmäher herläuft.“ Und es ärgert den Firmenchef, wenn sich auf dem Markt nicht ausgebildete Leute tummeln, die im Beritt der Fachkräfte mitmischen wollen. Gute Fachleute fehlen auf dem Markt, sagt er und hofft auf wieder steigende Lehrlingszahlen. „Wer interessiert ist, kann gerne bleiben.“ Und das gilt nicht nur für seinen Betrieb.