Arbeitsleben

Aus der Wirtschaft zum DRK: Arbeit mit Sinn gesucht

Judith Klimin leitet den Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes und studiert nebenbei Internationale Notfall- und Katastrophenhilfe.

Ein Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes bei der Vorbereitung eines Hilfsflugs mit Zelten und Geräten zur Wasseraufbereitung.

Ein Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes bei der Vorbereitung eines Hilfsflugs mit Zelten und Geräten zur Wasseraufbereitung.

Foto: imago stock&people / imago/CommonLens

Berlin.  Die Hochschulen in Berlin bieten im Rahmen des großen Themenbereichs „Sicherheit“ auch die Möglichkeit, sich für eine Arbeit in der Notfall- und Katastrophenhilfe ausbilden zu lassen. Judith Klimin arbeitet beim Deutschen Roten Kreuz und steht kurz vor ihrem Bachelorabschluss an der Akkon-Hochschule. Mit Kirstin von Elm sprach sie über ihre Arbeit und den Nutzen ihres Studiums.

Frau Klimin, Sie leiten hier in Berlin den Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes. Welche Aufgaben hat der Dienst?

Judith Klimin: Wir forschen nach Menschen, die durch Kriege und Katastrophen von ihren Familien getrennt wurden. Bis vor einigen Jahren waren das vor allem noch Vermisste aus dem Zweiten Weltkrieg oder Personen, die durch Flucht, Vertreibung und die Teilung Deutschlands den Kontakt zu ihren Angehörigen verloren haben.

Auch bei Katastrophen im Ausland, so wie dem Tsunami in Südostasien, helfen wir Familien bei der Suche nach verschollenen Angehörigen. Mit den vielen Flüchtlingen ist seit 2014 allerdings noch ein sehr anspruchsvolles Aufgabenfeld dazugekommen.

Ist es im Internet-Zeitalter denn immer noch so schwierig, jemanden wiederzufinden?

Klimin: Ja, viele Menschen wurden unterwegs getrennt oder mussten Angehörige im Bürgerkrieg oder in einem Flüchtlingscamp mehrere Tausend Kilometer entfernt zurücklassen. Dort hat nicht jeder Strom, geschweige denn Telefon oder Internet, zum Teil gibt es nicht einmal Hausnummern oder eine feste Adresse.

Wir nehmen uns sehr viel Zeit für die Betroffenen. Oft sind wir die ersten, die sich ihrer Sorgen annehmen und damit auch der erste Hoffnungsschimmer, den Kontakt zu geliebten Menschen wieder herstellen zu können.

Sie studieren Internationale Notfall- und Katastrophenhilfe an der Akkon-Hochschule. Warum?

Klimin: Ich bin 2013 aus der Privatwirtschaft zum Roten Kreuz gewechselt, weil ich eine Arbeit mit Sinn gesucht habe. Als gelernte Bürokauffrau, die noch nie längere Zeit im Ausland gelebt hat, wäre ich allerdings wohl schnell an meine Grenzen gestoßen und habe deshalb eine Möglichkeit gesucht, mich berufsbegleitend weiterzubilden.

Das Studium vermittelt einen guten Überblick über die verschiedenen Akteure in der Humanitären Hilfe. Wir werden sehr breit ausgebildet – von Betriebswirtschaft und Logistik über internationales Recht und Entwicklungszusammenarbeit bis hin zu Katastrophenpsychologie und interkulturellem Verständnis.

Das Erlernte kommt Ihnen also im Beruf zugute?

Klimin: Auf jeden Fall. Zum einen hilft es mir, die Situation meiner Klienten besser zu verstehen, die ja fast alle aus Kriegs- und Krisengebieten kommen. Zugleich habe ich mir aber auch eine strukturierte Herangehensweise antrainiert. Durch ein berufsbegleitendes Studium lernt man, sich zu organisieren und Projekte zu managen.

Auch im Job musste ich in den vergangenen drei Jahren viel organisieren und Strukturen schaffen. Inzwischen leite ich ein Team aus zwei festen und 15 ehrenamtlichen Mitarbeitern, und die Suchanfragen werden immer mehr. In den ersten vier Monaten 2017 haben wir bereits doppelt so viele Fälle bearbeitet wie im ganzen Jahr 2014.

Brauchen Sie noch ehrenamtliche Verstärkung?

Klimin: Beim DRK sind wir eigentlich immer auf der Suche nach engagierten Menschen. Wer uns hier beim Suchdienst unterstützen möchte, braucht dazu allerdings Zeit. Zum einen ist die Arbeit anspruchsvoll und komplex, sodass man rund ein bis zwei Monate Einarbeitungszeit einplanen muss. Zum anderen dauert ein Beratungsgespräch oft mehrere Stunden und findet in der Regel tagsüber, in Zusammenarbeit mit Betreuern oder Dolmetschern statt. Mit einem Vollzeitjob ist das schwer zu vereinbaren. (FMG)