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Zwei Ausbildungen, jetzt Gründerin: Ina Büchs macht Schuhe

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Petra Lang
Ina Büchs ist Schuhmacherin in Berlin-Friedenau.

Ina Büchs ist Schuhmacherin in Berlin-Friedenau.

Foto: Petra Lang

Ihr Laden ist Ina Büchs’ Paradies. Sie studierte Modedesign, lernte Schuhmacherin und stolperte dann über ein leer stehendes Geschäft.

Berlin.  Ina Büchs hatte schon einiges ausprobiert, als sie im Schuhmacherhandwerk fand, was sie suchte: „Einen Beruf, in dem ich mein Bedürfnis nach manueller Arbeit mit Design verbinden kann.“ Seit Mitte September vergangenen Jahres ist die 32-Jährige sogar Inhaberin ihrer eigenen Schuhmacherei.

„ByksBerlin“ hat sie sie genannt, angesiedelt in der Schmiljanstraße in Friedenau. Dort fertigt Büchs Maßschuhe, erledigt Reparaturen, entwickelt und produziert ihre eigenen Entwürfe. Holz, Leder, Textilien und Metall – der Umgang mit den unterschiedlichen Materialien inspiriert Ina Büchs zu immer neuen Modellen.

Der Laden liegt im Kiez ihrer Kindheit. Antike Nähmaschinen und ein alter Schuhputzkasten aus Kupfer schmücken ihn. Die Werkstatt schließt direkt an den Verkaufsraum an: Drei Stufen führen hinauf zu den Näh-, Stanz- und Ausputzmaschinen. Dort können die Kunden ihrer Schuhmacherin bei der Arbeit über die Schulter gucken. Über allem hängt der Geruch von Kontaktkleber und Leder. „Mein Paradies“, sagt Ina Büchs, „denn hier kann ich mein Hobby zum Beruf machen“.

Als Jugendliche wollte sie Architektur studieren

Dafür hat Büchs in den vergangenen Jahren viel gelernt. Nach dem Abitur absolvierte sie erst einmal mehrere Praktika in Tischlereien. „Ich habe schon immer gern gebastelt und mit meiner Mutter, einer Grafikerin, viel renoviert“, erzählt die 32-Jährige. Ihre Idee als Jugendliche war, in Richtung Architektur oder Innenarchitektur zu gehen. Doch die Tischler-Praktika hätten sie ernüchtert. „Den ganzen Tag Verglasungen zu machen war mir zu eintönig“, sagt Büchs. „Und der Arbeitsablauf ist zu reglementiert.“

Mit der Ausbildung zur staatliche geprüften Modedesignerin am Berufsausbildungszentrum Lette Verein wollte sie stattdessen ihrer zweiten Leidenschaft, dem Nähen, gerecht werden. „Ich habe schon als Kind von etwa zwölf Jahren meine Klamotten selbst genäht“, erzählt sie.

Nach ihrer Ausbildung arbeitete Büchs zunächst einige Zeit in der Modebranche, unter anderem ein Jahr in Frankreich. In der Seidenweberstadt Lyon hospitierte sie bei einer Künstlerin, die japanische Färbe- und Plisseetechniken (Shibori) anwendete und arbeitete in einer Filzwerkstatt.

Sie trägt nur selbstgemachte Schuhe

„Dort wurden auch Schuhe aus Filz gemacht“, erzählt Ina Büchs. „Vielleicht war das der Beginn meiner Schuhmacherkarriere“, sagt sie und lacht. „Oder vielleicht war es ja auch die Tatsache, dass ich mir als Jugendliche mit billigen Plastikschuhen mal blutige Füße geholt habe.“ Danach habe sie gutes Schuhwerk schätzen gelernt. Heute trägt Ina Büchs ausschließlich Schuhe, die sie selbst hergestellt hat. „Das sollte bei Schuhmachern auch so sein“, findet sie.

Über die Zeit verfestigte sich der Wunsch der Modedesignerin, in die Schuhmacherei einzusteigen. Ina Büchs ahnte, dass sie in diesem Gewerk eine für sie passende Mischung aus Handwerk und Design finden könnte. Parallel zu einem Work-and-Travel-Aufenthalt 2011 in Australien suchte Ina Büchs in Deutschland einen Ausbildungsplatz.

„Der entscheidende Tipp kam dann von einer befreundeten Schuhdesignerin, die wusste, dass mir der Aspekt Gestaltung sehr wichtig ist“, erzählt Büchs. Sie vermittelte die Berlinerin an einen Schuhmacher in Leipzig und sagte: „Der passt zu dir.“

Zwischenprüfung mit Bestnoten bestanden

Büchs stellte sich in der Schuhmacherei „Fußgänger“ vor, machte ein Praktikum. „Nach kurzer Zeit war klar, dass wir harmonieren und er mich als Lehrling nimmt.“ Ihre Zwischenprüfung bestand die angehende Schuhmacherin mit der höchsten Punktzahl. Wegen ihrer guten Leistungen durfte sie die eigentlich drei Jahre dauernde Lehrzeit auf zwei Jahre verkürzen.

Ihr Talent fand übrigens auch später offiziell Anerkennung: 2016 wurde Ina Büchs vom Zentralverband des Deutschen Schuhmacher-Handwerks (ZDS) mit der Goldmedaille im Internationalen Schuhmacher-Leistungswettbewerb ausgezeichnet.

Die Lehrjahre seien „eine tolle Zeit“ gewesen, schwärmt Büchs. Der Meister habe ihr genügend Freiraum gelassen. „Ich durfte die Werkstatt in meiner Freizeit nutzen, um eigene Entwürfe zu machen“, erzählt sie. Auch als Gesellin habe sie noch einige Zeit in der Leipziger Schuhmacherei von Peter Hartwig gearbeitet. „Ich wäre dort geblieben, aber mein Mann arbeitet in Berlin. Wir haben uns gegen eine Fernbeziehung entschieden.“

Zufällig auf den Laden in Friedenau gestoßen

Im Sommer 2016 stand der Umzug nach Berlin an. „Dann hat sich alles überschlagen“, erzählt Ina Büchs. Sie kaufte eine komplette Werkstatteinrichtung auf und wollte diese erst einmal einlagern – mit dem Ziel, sich bei Gelegenheit selbstständig zu machen. „Doch daraus wurde nichts.“ In Friedenau sei sie über den damals leer stehenden Laden „gestolpert“, erzählt die Designerin.

Der Vermieter der Räume war schnell vom Geschäftskonzept der Maßschuhmacherin überzeugt. Kurze Zeit später eröffnete „ByksBerlin“. Derzeit arbeitet sie daran, erst einmal eine möglichst große Stammkundschaft zu gewinnen. „Reparaturaufträge kommen meist aus dem Kiez“, sagt Ina Büchs. „Maßschuharbeiten mache ich für Kunden aus ganz Berlin.“

Wenn sich ihre Werkstatt etabliert hat, möchte die 32-Jährige auch wieder ungewöhnliche Projekte umsetzen. „Mein Markenzeichen ist der Mix aus Leder und Textil“, sagt sie. „Aber ich würde zu gern auch mal einen Schlittschuh bauen.“