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Erfolgreich mit 3-D: Vom Bankkaufmann zum Raumgestalter

| Lesedauer: 5 Minuten
Dagmar Trüpschuch
Marc Mantei (l.) und Jens Krüger haben Boldnuts gegründet. Sie stellen kreative Wandpaneele her.

Marc Mantei (l.) und Jens Krüger haben Boldnuts gegründet. Sie stellen kreative Wandpaneele her.

Foto: Christian Kielmann

Gründen war ihr Traum, sagen Digital Artist Marc Mantei und Bankkaufmann Jens Krüger von Boldnuts. Nun sind Wandpaneele ihr Produkt.

Berlin. Boldnuts heißt das Unternehmen von Jens Krüger und Marc Mantei. „Bold“ und „nuts“ – wie „frech“ und „verrückt“. Der Name passt gut zu ihrer Firma, finden die beiden. Seinen Anfang nahm Boldnuts im Jahr 2014.

Mit dem 3-D-Drucker in einer offenen Gründerwerkstatt fing es damals an. Damit produzierten sie ihren Prototyp. Heute stellen Krüger und Mantei ihre Wandpaneele mit eigenen Fräsmaschinen her. Es sind Verkleidungen aus leichtem Kunststoff, die organischen Formen nachempfunden sind.

Die berufliche Laufbahn der beiden Gründer lässt eigentlich nicht darauf schließen, dass sie mit einem handwerklich ausgerichteten Unternehmen erfolgreich sein würden. Jens Krüger ist gelernter Bankkaufmann und hat einige Jahre in seinem Beruf gearbeitet. „Mir fehlte jedoch die Perspektive im Bankwesen“, sagt der 32-Jährige. Seine Konsequenz: Zunächst einmal belegte er berufsbegleitend den Stu­diengang Bu­siness Administration an der FOM Hochschule für Oekonomie & Management.

Marketing und Controlling im Wirtschaftsstudium

Das Studium bereitet die Studierenden auf Führungsaufgaben vor und vermittelt betriebswirtschaftliche Grundlagen – vom Marketing über das Risikocontrolling bis hin zum Personalmanagement. Krüger lernte dort, Businesspläne zu erstellen, Ideen zu entwickeln und wie man ein Unternehmen strategisch führt.

Gemeinsam mit seinem Freund Marc Mantei wagte der Bankangestellte anschließend den Sprung in die Selbstständigkeit. „Es war ein lang gehegter Traum von uns“, sagt er. „Wir wussten nur noch nicht, in welche Richtung es gehen sollte.“

Die Idee brachte Mantei mit, der von Beruf Digital Artist ist. Er absolvierte sein Hochschulstudium an der German Film School bei Berlin, die es heute nicht mehr gibt. Dort lernte er, künstliche Bildwelten in 3-D für Computerspiele und Spielfilme zu schaffen. „Mir war klar, dass ich auf jeden Fall weiter in Richtung 3-D gehen will“, sagt der 31-Jährige, der auch programmieren kann.

Experimentieren mit verrückten Formen

Als die beiden Freunde wieder einmal gemeinsam am Computer saßen, mit 3-D-Formen experimentierten und fasziniert davon waren, wie sich verrückte Formen mit präziser Technik kombinieren lassen, hatten sie die Idee: „Wir stellten uns die Formen als Wandverkleidung vor, weiß, farbig oder ausgeleuchtet.“ Das war die Geburtsstunde von Boldnuts.

Die erste Marktanalyse verlief ernüchternd. Die 3-D-Wandpaneele, das, was sie im ersten Moment als einzigartig empfanden, stellte sich als Produkt heraus, das bereits andere Unternehmen zu platzieren versuchten. „Uns war schnell klar, dass wir einen anderen Weg einschlagen mussten“, sagt Jens Krüger. „Individuell und hochwertig, eben ,Made in Germany‘, hieß die Lösung.“

Hightech-Werkzeuge im Fab Lab genutzt

Sie fingen an, mit verschiedenen Materialien und Techniken zu experimentieren. Ihr Wissen holten sie sich aus dem Internet. Der Durchbruch kam, als sie sich beim Fab Lab Berlin anmeldeten, einer offenen Werkstatt, die angehenden Gründern 3-D-Drucker, Lasercutter, CAD-Software, weitere Hightech-Werkzeuge und Experten zur Verfügung stellt. „Also alles, was man zum Erfinden braucht“, sagt Marc Mantei.

Dort schufen sie verschiedene Prototypen ihrer Wandpaneele. Ihr erstes Produkt aus dem 3-D-Drucker steht heute noch in ihrem Büro in Hohenschönhausen.

Im Fab Lab arbeiteten die beiden Gründer ihr Konzept aus, mit dem sie heute erfolgreich sind. Sie verabschiedeten sich vom 3-D-Drucker und wandten sich der CNC-Fräsmaschine zu. Damit fertigen sie eine Negativform an und füllen sie mit einem Zwei-Komponenten-Kunststoff, der schnell aushärtet. „So produzieren wir schneller und preiswerter, als wenn wir jede Paneele einzeln fräsen würden“, erklärt Jens Krüger. Im Programm haben die beiden mittlerweile mehrere Formen in geschwungenen Musterungen. Auf Wunsch fertigen sie individuelle Designs an.

Erste Fräsmaschine mit Bankkredit finanziert

Noch im Jahr 2014 gründeten Mantei und Krüger eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH), nahmen einen Bankkredit auf, mieteten eine 250 Quadratmeter große Werkstatt und kauften eine CNC-Fräsmaschine. Startschwierigkeiten haben sie überwunden: „Wir mussten lernen, richtig zu kalkulieren und ein Gefühl für den jeweiligen Zeitaufwand zu entwickeln“, erzählt Krüger.

So unterschiedlich die beiden Gründer sind, so gut ergänzen sie sich im gemeinsamen Unternehmen: auf der einen Seite Jens Krüger mit seinen betriebswissenschaftlichem Know-how und großer handwerklicher Begabung, auf der anderen Seite Marc Mantei, der kreative Kopf, der sich in der Computerwelt bestens auskennt.

Am Computer gestalten sie ganze Wohnungen

Noch sind die beiden allein für alles zuständig – vom Einkauf der Materialien über die Produktion der Paneele bis hin zu Marketing und Kundenbetreuung. Hauptsächlich Architekten und Raumgestalter interessieren sich für das individuelle Wanddesign.

„Über die Wandpaneelen und aufgrund der Nachfragen von Architekten sind wir letztendlich auch zu dem gekommen, was wir heute alles machen“, sagt Jens Krüger. Das sei die gesamte Raumgestaltung, in die sie ihre Wandbekleidung einarbeiten. Dafür sitzt Marc Mantei am Computer und füllt Wohngrundrisse mit Möbeln, Accessoires und der Boldnuts-Wandbekleidung.

Rückblickend sei alles sehr schnell gegangen, finden die Gründer: von der Idee über die Herstellung der 3-D-Wandpaneelen bis hin zu ihrer aktuellen Tätigkeit als Raumgestalter. Aber es bleibt eine ungewöhnliche Vita für einen Bankkaufmann und einen Digital Artist.