Jung-Profis

Vom Gründer zum Angestellten – und glücklich damit

| Lesedauer: 6 Minuten
Andrea Pawlik
Malte Gützlaff arbeitet für „Track the liquid Snack“.

Malte Gützlaff arbeitet für „Track the liquid Snack“.

Foto: Christian Kielmann

Malte Gützlaff hatte eine Firma, löste sie wieder auf und stieg bei Track als Marketingchef ein. Die Firma produziert flüssige Snacks.

Berlin.  Einmal Gründer, immer Gründer? Nicht unbedingt. Malte Gützlaff hatte eine eigene Firma, löste sie auf, orientierte sich neu. Heute ist der 27-Jährige glücklich als angestellter Marketingexperte eines Start-ups. Er würde zwar niemals „nie“ sagen, aber jetzt setzt er erst einmal seine Energie darein, „Track the liquid Snack“ voranzubringen.

„Es stört mich überhaupt nicht, dass ich nicht mehr in der Geschäftsführung bin“, sagt der ehemals Selbstständige. „Weil ich kein Ego-Problem habe und weil es sich auch gar nicht so anfühlt.“ Er werde in jede Entscheidung einbezogen, zu jedem Thema werde seine Meinung gehört. Parallel trage er aber nicht mehr die ganz große Verantwortung. Und das gefällt ihm auch ganz gut. „So bleibt mir mehr Zeit für die operative Arbeit“, sagt er.

Ein Getränk als Alternative zu Croissants und Donuts

Was Track ist, erklärt der gebürtige Hannoveraner so: „Eine perfekte Mahlzeit, wenn man unterwegs ist.“ Dabei gehe es nicht darum, Essen durch Flüssignahrung zu ersetzen, sagt er und setzt Track in Kon­trast zu Produkten wie Soylent oder Mana, das Silicon-Valley-Programmierer trinken, weil sie Essen für Zeitverschwendung halten.

Track sei ein Snack mit einem optimierten Nährwertprofil, mit Proteinen, ungesättigten Fettsäuren, alles bio. „Wenn man zwischendurch Hunger hat und sich eigentlich ein Croissant oder einen Donut kaufen würde, ist man mit Track besser versorgt“, sagt der 27-Jährige.

Die Lebensmittel-Branche ist hart

Zwei Jahre Entwicklungsarbeit haben die beiden Gründer und jetzigen Chefs von Gützlaff, Jakob Repp und Jan-Frieder Damm, in das Produkt gesteckt. Er selbst stieß im Mai 2015 dazu, kurz bevor Track the liquid Snack im eigenen Onlineshop und einigen Supermärkten in den Verkauf kam.

Im Lebensmittelbereich fühlt sich Malte Gützlaff wohl. Obwohl das eine harte Branche sei, wie er sagt. Es gebe zwar einige, die groß geworden sind – MyMues­li sei so ein Beispiel. „Aber daneben gibt es unzählige kleine Food-Start-ups in Berlin. Man wird sehen, was aus ihnen wird.“ Seine eigene Firma Juice Dudes ist an zu schnellem Wachstum und Unstimmigkeiten unter den Gründern gescheitert. Gützlaff erzählt freimütig davon.

Masterstudium auf Eis gelegt

Nach seinem Bachelorabschluss in Kommunikationsmanagement an der Europäischen Medien- und Businessakademie (EMBA) hatte er die Unternehmung mit zwei Freunden gestartet. „Anfangs hatten wir einfach nur die Idee, auf Wochenmärkten frische Säfte zu verkaufen“, erzählt Gützlaff. Als sie nach nur zwei Wochen Vorbereitung auf einem Markt in Prenzlauer Berg ihre ersten Produkte unter die Leute brachten, fragten die Kunden, wann und wo sie wieder anzutreffen sein würden.

Eigentlich hatte Malte Gützlaff zu diesem Zeitpunkt nach München ziehen wollen, um dort ein Masterstudium zu beginnen. „Marketing und Medien haben mich schon immer interessiert“, sagt der Sohn aus einer Arztfamilie, der selbst aber nie Mediziner werden wollte. „Doch schließlich haben wir alle unsere Pläne beiseite gelegt und stattdessen im Oktober 2014 Juice Dudes gegründet“, erzählt er.

Harte Arbeit und eine Portion Glück

Sie hatten 20.000 Euro Startkapital, das sie in die Ausrüstung einer Saftküche steckten. „Ein halbes Jahr später standen wir mit unseren kaltgepressten Säften in den Regalen bei der Bio Company, der LPG und bei Denn’s.“

Gützlaff versucht bis heute herauszufinden, was genau es ist, das die eine Gründungsidee einschlagen lässt, die andere nicht. „Es ist sicher eine Portion Glück dabei“, sagt er. „Und so ein letzter Kniff, für den man selbst gar nichts kann“, glaubt er. Viel Arbeit gehört natürlich auch dazu. „Wir haben Klinken geputzt und ganz ehrlich dargestellt, wer wir sind und dass wir auch noch nicht für alles einen Plan haben“, erzählt Gützlaff.

Gründernetzwerk brachte Gützlaff und das Track-Team zusammen

Mit dieser Offenheit ist er gut gefahren: „Unsere Gesprächspartner haben sich darüber gefreut, motivierte junge Leute zu treffen, die nicht das Geld in den Fokus stellen, sondern eine Idee aus Leidenschaft verfolgen“, sagt er. Doch alles Engagement und aller guter Wille halfen letztendlich nicht. Dass einer nicht mehr mitzieht, hält Malte Gützlaff für „einen der typischen Gründe fürs Scheitern von Start-ups“.

Seine jetzigen Chefs von Track kannte der 27-Jährige damals schon. Der Initiator eines Gründernetzwerks für Food-Start-ups hatte sie zusammengebracht. Nach einigen Monaten, in denen Gützlaff als Berater für andere Existenzgründer im Lebensmittelbereich fungierte, stieg er ins Track-Team ein.

Gemeinsam mit Kunden neues Design entwickelt

Eine seiner ersten Aufgaben: ein neues Design für die Verpackung des liquid Snack entwickeln. „Mit den Farben Blau und Orange erinnerte sie eher an einen Energydrink“, sagt Malte Gützlaff. Er holte Marktforscher ins Boot, die potenzielle Kunden über die vorhandene Optik und ihre Ideen für Verbesserungen diskutieren ließen. „Wir haben den Leuten zugehört und machen jetzt das, was der Kunde möchte“, resümiert der 27-Jährige.

Ab Februar wird der Drink in neuem, grünem Design zu kaufen sein. Nach seinen guten Vorsätzen für 2017 gefragt, sagt Gützlaff: „Mein einziger Plan fürs neue Jahr ist: Wir wollen mit Track durchstarten. In einem Start-up hat man keine zwei Jahre Schonfrist.“ Ein Masterstudium will er vielleicht in ein paar Jahren noch einmal ins Auge fassen. „Es hängt davon ab, wie es für mich beruflich weitergeht“, sagt Malte Gützlaff. „Aber was ich hier im Moment lerne, ist viel mehr, als ein Studium mir je bieten könnte.“