Junge Profis

Aus dem Filmgeschäft in die Möbel-Restauration

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Andrea Pawlik
Monic Acconcia hat die Firma Rapuze Möbel gegründet. Sie arbeitet alte Holzmöbel auf und verleiht ihnen frische Farben

Monic Acconcia hat die Firma Rapuze Möbel gegründet. Sie arbeitet alte Holzmöbel auf und verleiht ihnen frische Farben

Foto: Sven Lambert

Monic Acconcia macht „Shabby Chic“-Möbel: Sie frischt Tische und Schränke farblich auf. Die Autodidaktin kommt aus der Filmbranche.

Berlin.  Monic Acconcia hat beruflich schon einiges ausprobiert, bevor sie sich mit „Rapuze – hand coloured furniture“ selbstständig gemacht hat. Ursprünglich wollte sie Architektin werden, also absolvierte sie eine Ausbildung zur Bauzeichnerin. Zufrieden war sie damit nicht.

Über ein Berliner Förderprogramm ging sie anschließend für ein Praxisjahr nach Spanien, wo sie in Alicante an der Costa Brava in einer Tischlerei und einer Firma für Veranstaltungstechnik arbeitete. „Ich war auf der Suche“, erinnert sie sich. „Meine Idee war, vielleicht im Anschluss Bühnentechnik zu studieren.“

Zu viel Theorie: Stattdessen begann sie eine Ausbildung zur Kauffrau für audiovisuelle Medien. „Da gab es einen umfangreichen praktischen Teil“, erzählt Acconcia. „Das war mir wichtig.“ Dabei lernte sie eine Berliner Filmproduktionsfirma kennen. Nach Abschluss der Ausbildung stieg sie dort als Teamassistentin ein. International sei sie im Einsatz gewesen, erzählt die heute 32-Jährige. Die Arbeit war stressig. „Aber direkt an einer Produktion mitzuarbeiten ist trotzdem das Spannendste.“

Als Selbstständige in der unsicheren Filmbranche

Dass kleinere Unternehmen dieser Branche wirtschaftlich anfällig sind, musste Monic Acconcia auch erleben: Die Firma ging fast in Konkurs, viele wurden entlassen. Sie selbst versuchte sich anschließend eine Zeit lang als freie Produktionsassistentin. „Parallel habe ich in einem Café gejobbt“, erzählt sie. „Einfach, um eine kleine Sicherheit zu haben.“

Dann kam das Leben dazwischen: Monic Acconcia wurde schwanger. Als ihr Sohn 2013 geboren wurde, stellte sie ihr Berufsleben infrage. Die langen und unregelmäßigen Arbeitszeiten in der Filmbranche passten nicht zum Muttersein. „Zumal mein Mann auch im Filmgeschäft arbeitet“, erzählt sie. Zwei Eltern ohne einen zuverlässigen Feierabend?

Die damals 29-Jährige entschied sich um. „Während der Elternzeit zeigte sich, dass ich eigentlich auch nicht zurück wollte“, erzählt sie. „Ich wollte kein Workaholic sein und jedes Wochenende arbeiten“, sagt sie. „Ein Kindermädchen zu beschäftigen ist nicht unser Ansatz von Erziehung.“

Ein Faible für Inneneinrichtung und Antikes

Und dann kam das mit den Möbeln. Ein Faible für Inneneinrichtung und antike Schränke hat Monic Acconcia schon seit ihrer Jugend. Während ihrer Elternzeit entdeckte sie den „Shabby Chic“ für sich, also einen Einrichtungsstil, der Altes, Gebrauchtes und Selbstgebautes mischt. „Mein erstes Möbelstück habe ich 2013 auf dem Flohmarkt am Mauerpark gekauft“, erzählt sie.

Um es gesundheitsfreundlich aufzuarbeiten, fing Monic Acconcia an, sich mit Farben zu beschäftigen. Kreidefarben, Milk Paint, alles, was ökologisch unbedenklich ist, kommt seitdem bei ihr zum Einsatz. „Ich habe viele Online-Tutorials gelesen, andere Gründer getroffen und mich tief in die Materie reingearbeitet“, erzählt sie. „Landhausstil“ passt ganz gut zu ihrer Art, alten Möbeln einen neuen Anstrich zu verpassen. „Aber modern und puristisch.“ Das Modewort „Shabby Chic“ gefällt Monic Acconcia nicht so besonders. Aber im Prinzip sei es das, was sie mache.

Werkstatt in einer Gründergemeinschaft

Inzwischen arbeitet die gebürtige Berlinerin in eigener Werkstatt in Lichtenberg. Sie hat eine Handwerker- und Gründergemeinschaft gefunden, unter deren Dach sie sich eingemietet hat. Ein Tischler in der Nachbarschaft übernimmt hin und wieder kleine Ausbesserungsarbeiten an den Möbeln, bevor Acconcia Hand anlegt. Mit Annette Zahn hat sie sich 2015 sogar eine Mitstreiterin an Bord geholt. „Dafür haben wir noch einmal neu gegründet und führen Rapuze jetzt gemeinsam“, erzählt sie.

Über die Webseite niesolo.de lernten sich die beiden kennen, eine Co-Working-Plattform für Selbstständige mit Kindern. „Wir haben erst einmal zwei, drei Monate so zusammengearbeitet“, erzählt Acconcia, „und dann gesehen – wir verstehen uns gut.“ Dass sie außer des Geschäftlichen auch eine Freundschaft verbindet, war Monic Acconcia wichtig.

Auf privaten Flohmärkten stöbern

Ihre Möbel kaufen die beiden bei Haushaltsauflösungen oder in Second-Hand-Läden. In Brandenburg gibt es noch richtige Sperrmülltage, dort wollen sie demnächst einmal gucken. Und irgendwann einmal in Frankreich stöbern: „Da findet man tolle private Flohmärkte.“ Vieles habe sie auch geschenkt bekommen. Zum Beispiel aus einem Filmfundus, da halfen die alten Kontakte. Oft bringen Kunden aber auch eigene Funde oder Omas alte Kommode zum Aufarbeiten vorbei.

Fürs kommende Jahr haben Monic Acconcia und Annette Zahn schon viele Pläne: Ihre Internetseite weiter ausbauen, über Farben und alte Möbel bloggen, „uns bekannter machen“, sagt die 32-Jährige. Außerdem plant sie, Workshops anzubieten und anderen zu zeigen, wie man mit Farbe arbeitet. Irgendwann will sie auch etwas zentraler Gelegenes mieten. „Eine Werkstatt mit angegliedertem Showroom wäre schön“, sagt Monic Acconcia. „Aber bis wir dahin kommen, wird es bestimmt 2018.“