Interview

„Der Meister ist überall auf der Welt hoch angesehen“

Handwerk hat immer noch goldenen Boden. Bildungsexpertin Anna Leonzi Fahlbusch informiert über Wert und Inhalte von Meisterlehrgängen.

Ob in Voll- oder Teilzeit – es braucht viel Eigenmotivation, den Meisterlehrgang durchzuziehen

Ob in Voll- oder Teilzeit – es braucht viel Eigenmotivation, den Meisterlehrgang durchzuziehen

Foto: zoranm / Getty Images

Berlin.  Die Abteilungsleiterin der Bildungsstätten im Bildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer Berlin, Anna Leonzi Fahlbusch, gibt Auskunft über die Meisterschulung. Mit ihr sprach Petra Lang.

Frau Leonzi Fahlbusch, warum möchten Handwerksgesellen Meister werden?

Anna Leonzi Fahlbusch: Das hat verschiedene Gründe. Bei den meisten Teilnehmern der Meisterausbildung ist das Ziel ganz klar: Sie möchten sich selbstständig machen. Der Meister ist quasi das Tor zur Selbstständigkeit. Und dann gibt es ja auch Gewerke, die mit einer starken körperlichen Belastung einhergehen. Viele Gesellen wollen und müssen aus gesundheitlichen Gründen da raus. Mit einer Meisterausbildung steht ihnen beispielsweise der Weg in einen eher kaufmännischen Bereich, als Techniker in einem Betrieb oder auch als Bauleiter in einem Unternehmen frei.

Stellen Sie sich vor, wie anstrengend etwa der Beruf des Gerüstbauers ist – da müssen viele Handwerker zwangsläufig wechseln. Mit dem Meisterabschluss können Handwerker auch selbst Jugendliche ausbilden. Die angehenden Meister werden im Laufe ihrer Ausbildung hierfür geschult. Einige wenige beginnen nach der Meisterprüfung sogar ein fachspezifisches Studium. So gibt es Tischlermeister, die später Ingenieurwesen studieren.

Man kann nach dem Meister studieren, sagen Sie. Wird der Abschluss denn so hoch gewertet?

Anna Leonzi Fahlbusch: Ja, die Ausbildung ist sehr anspruchsvoll. Sie liegt laut des „Deutschen Qualifikationsrahmens“, kurz DQR, auf Niveau 6. Das entspricht einem Bachelorabschluss. Insgesamt gibt es acht Level. Der DQR des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und der Kultusministerkonferenz dient dazu, die in Deutschland existierenden Qualifikationen in Relation zu setzen. Diese Einstufung kann auch für einen Auslandsaufenthalt interessant werden.

Oft ist beispielsweise unklar, ob eine Ausbildung im Ausland anerkannt wird. Oder ob ein ausländischer Bewerber – etwa für eine Aus- und Weiterbildung in Deutschland – die notwendige Kompetenz mitbringt. Tatsache ist jedoch: Der deutsche Meisterbrief ist überall auf der Welt hoch angesehen. Das liegt an seiner Einzigartigkeit. Nur in Deutschland gibt es diese tolle duale Ausbildung, die Praxis und Theorie verknüpft.

Wie viel kostet den Gesellen ihre Meisterausbildung?

Anna Leonzi Fahlbusch: Das ist recht unterschiedlich. Je nach Gewerk können das schon 10.000 bis 25.000 Euro werden. Besonders kostenintensiv wird es zum Beispiel bei den Zahntechnikern in den Ausbildungsteilen I u

nd II. Denn hier werden viele verschiedene, teilweise sehr teure, Materialien im Labor benutzt.

Es gibt verschiedene Förderwege für die Meisterausbildung. Zum Beispiel das Meisterbafög, die Begabtenförderung für Stipendiaten mit einer besonders guten Note in der Gesellenprüfung und das sogenannte IQ-Programm für Menschen mit Migrationshintergrund. Dieses Programm wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales und des Europäischen Sozialfonds gefördert. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, über die Kreditanstalt für Wiederaufbau ein Förderdarlehen zu bekommen.

Hat das Handwerk noch „goldenen Boden“?

Anna Leonzi Fahlbusch: Aber sicher, Weiterbildung lohnt sich immer! Eine bestandene Meisterausbildung ist nicht nur der Nachweis höchster fachlicher Kompetenz, sondern wie gesagt die Voraussetzung für die Selbstständigkeit. Immer mehr gesunde Handwerksbetriebe finden keine Nachfolger. Das könnte für so manchen Meisterabsolventen ein guter Weg zum eigenen Betrieb sein. Das Problem fehlender Nachfolger ist immer wieder auch Gegenstand unserer kostenlosen Beratungsgespräche in der Handwerkskammer.

Wir helfen gern bei der Vermittlung und werben intensiv für das Handwerk. Unsere Imagekampagne zeigt, dass das Handwerk nicht nur eine schweißtreibende Tätigkeit ist, sondern immer stärker mit neuesten Technologien verknüpft ist. Die Kampagne zeigt schon erste Erfolge: Wir haben im Vergleich zum Vorjahr acht Prozent mehr Auszubildende im Bildungs-und Technologiezentrum der Handwerkskammer.