Arbeitsrecht

Wann darf mir der Chef das Weihnachtsgeld streichen?

Ein Mitarbeiter kündigt und erhält kein Weihnachtsgeld mehr. Ob das Streichen der Sonderzahlung rechtens ist, erklärt ein Fachanwalt.

Unternehmen zahlen Weihnachtsgeld als Belohnung für Geleistetes oder als Motivation fürs nächste Jahr.

Unternehmen zahlen Weihnachtsgeld als Belohnung für Geleistetes oder als Motivation fürs nächste Jahr.

Foto: Z5313 Siewert Falko / ZBSP x

Berlin.  Im Gegensatz zu den Vorjahren habe ich dieses Jahr kein Weihnachtsgeld erhalten. Kann das daran liegen, dass ich zum Ende November gekündigt habe?

Das sagt Rechtsanwalt Dr. Heiko Peter Krenz: Wer Jahr für Jahr Weihnachtsgeld erhält, macht sich selten Gedanken darüber, welche arbeitsrechtliche Bewandtnis es damit hat. Das ändert sich schnell, wenn der Arbeitgeber wie bei Ihnen die Zahlung einstellt. Ob das in Ihrem Fall rechtens ist, hängt in erster Linie davon ab, welchen Zahlungsgrund Ihr Arbeitgeber fürs Weihnachtsgeld hat.

Beim Weihnachtsgeld handelt es sich nämlich um eine Sonderzuwendung zum Jahresende, die der Arbeitgeber anlässlich des bevorstehenden Weihnachtsfests zahlt. Der Grund für diese Sonderzuwendung kann jedoch bei jedem Arbeitgeber unterschiedlich ausfallen.


Viele Firmen möchten mit dem Weihnachtsgeld die geleisteten Dienste ihrer Mitarbeiter honorieren oder sie für ihre Betriebstreue belohnen. Gleichzeitig kann das Weihnachtsgeld auch als Motivation für zukünftige Arbeitsleistung dienen. Andere Arbeitgeber zahlen das Weihnachtsgeld praktisch als 13. Gehalt.

Ob bei Ihnen ein Anspruch auf Weinachtsgeld besteht oder nicht, hängt davon ab, welcher Grund in Ihrem Unternehmen vorliegt. Sollen die Arbeitnehmer ausschließlich für ihre Betriebstreue belohnt werden, haben Sie keinen Anspruch auf Weihnachtsgeld. Schließlich haben Sie das Arbeitsverhältnis beendet, da kann von Betriebstreue nicht mehr die Rede sein.

Weihnachtsgeld für vergangene Leistung

Anders stellt sich die Situation dar, wenn das Weihnachtsgeld bei Ihnen als Belohnung für vergangene Leistung gezahlt wird: Geht es bei der Sonderzuwendung (auch) um Leistung, hat das Bundesarbeitsgericht den Anspruch auf Weihnachtsgeld bejaht.

Dann wird der Vergütungsanspruch im Laufe des Jahres erworben, und Sie haben aufgrund Ihrer geleisteten Arbeit in den Monaten Januar bis November Anspruch auf ein anteiliges Weihnachtsgeld. Zunächst einmal müssen Sie also in Erfahrung bringen, welche Beweggründe Ihr Arbeitgeber für die Zahlung des Weihnachtsgeldes hat.