Arbeitsmarkt

Archäologen haben beruflich viele Möglichkeiten und Chancen

Wer Ärchologie studiert, muss nicht immer nach tief verborgenen Kulturgütern graben. Ein Interview mit Philipp von Rummel vom DAI.

Alternative zur Archäologie kann auch eine Aufgabe im Tourismus oder Kulturmanagement sein.

Alternative zur Archäologie kann auch eine Aufgabe im Tourismus oder Kulturmanagement sein.

Foto: franckreporter / Getty Images

Berlin.  Dr. Philipp von Rummel ist Generalsekretär des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI). Das dem Auswärtigen Amt angegliederte Forschungsinstitut mit Hauptsitz in Berlin, zählt zu den weltweit führenden Einrichtungen zur Aufdeckung versunkener und fremder Kulturen. Yvonne Scheller sprach mit Philipp von Rummel über das Berufsbild und den Arbeitsmarkt für Archäologen.

Welches Bild hat die Öffentlichkeit heute von Archäologen?

Philipp von Rummel: Einerseits ist es das traditionelle Bild des verstaubten Archäologen mit Pinsel in der Hand, andererseits das von spektakulären Entdeckungen, wie sie im Fernsehen verbreitet und von einer sehr interessierten Öffentlichkeit verfolgt werden. In der Realität sind wir moderne Wissenschaftler, angesiedelt zwischen Geistes- und Naturwissenschaften. Grob gesagt sind Archäologen Historiker, die statt ausschließlich mit Texten mit Objekten arbeiten.

Und die heute statt mit Spaten und Kelle mit Georadar und DNA-Analyse arbeiten?

Philipp von Rummel: Spaten und Kelle sind immer noch wichtige Werkzeuge, um an archäologische Quellen her-anzukommen. Aber bei der Entdeckung wie auch der Bewertung der Funde kommen ganz verschiedene Verfahren zum Einsatz. So hat die Radiokarbonmethode vor ein paar Jahrzehnten die Datierungsmöglichkeiten der Archäologie revolutioniert. Und die Möglichkeit, alte DNA aus Skelettmaterial zu extrahieren und zu untersuchen, erlaubt uns weitreichende Schlüsse zur Abstammung.

Ziehen Archäologen diese Schlüsse alle selbst?

Philipp von Rummel: Archäologie ist eine beispielhaft interdisziplinäre Wissenschaft. Da gibt es Archäozoologen, die alte Tierknochen untersuchen, Archäobiologen für Pflanzenüberreste oder Anthropologen, die auf menschliche Überreste spezialisiert sind. In diesen Feldern ist die DNA-Analyse stark im Kommen. Ob Vermessung, Foto-Dokumentation, Auswertung stratigrafischer oder geografischer Daten, alles geschieht heute mit digitalen Mitteln. (Stratigrafie ist die Abfolge von Gesteinsschichten, Anm. d. Red.)

Wie steht es um die Berufschancen von Absolventen?

Philipp von Rummel: Es gibt mehr Absolventen archäologischer Studiengänge als unbefristete Stellen in Denkmalschutz, Museen oder Forschungseinrichtungen. Die Stellensituation ist also nicht rosig, mit Engagement und Begeisterung kann man aber auch in der Archäologie weit kommen.

Und wer nicht in einem Denkmalschutzamt oder einem Museum landen kann?

Philipp von Rummel: Dem bieten sich Möglichkeiten in vielen anderen Bereichen: Verlagswesen, Journalismus, Tourismus oder Kulturmanagement. Ich habe ehemalige Kommilitonen, die nach Brüssel zur Europäischen Union gegangen sind. Einer ist Diplomat im Auswärtigen Amt, ein anderer Unternehmensberater, und zwei meiner früheren Studienkollegen arbeiten im Management eines Automobilkonzerns. Warum? Weil Archäologen interdisziplinär arbeiten und geschult sind, den Überblick über viele verschiedene Disziplinen zu behalten und Entscheidungen zu treffen. Das wird auch bei großen Unternehmen geschätzt.

Lässt sich denn in der Archäologie Geld verdienen? Gilt das Fach nicht als „brotlose Kunst“?

Philipp von Rummel: Dieses Bild herrscht vor, ja. Immer wieder höre ich: „Das hätte mich auch interessiert, aber ich habe mich nicht getraut, das zu studieren.“ Wer reich werden möchte, sollte sich unbedingt ein anderes Feld suchen. Akademiker mit höheren Abschlüssen, Berufserfahrung und weiterführenden Qualifikationen fallen in normale Angestellten- oder Beamtentarife. In der Entgeltgruppe E13 liegt der Anfangssatz bei durchschnittlich rund 44.000 Euro Bruttogehalt pro Jahr.

Ist Archäologie ein Berufsfeld mit Zukunft?

Philipp von Rummel: Auf jeden Fall! Geschichte, und mit ihr die Archäologie, ist essenziell für das, was wir über uns selbst denken. Dazu kommt, dass Konflikte nicht selten historische Wurzeln haben, die manipulativ umgedeutet oder missbraucht werden können. Darum sind Spezialisten wichtig, die sich kritisch mit einem Thema auseinandersetzen.

Nehmen Sie historische Vergleiche, die zur Meinungsbildung herangezogen werden: etwa wenn die Flüchtlingswelle mit der spätantiken Völkerwanderung gleichgesetzt wird und argumentiert wird, Europa werde deswegen fallen wie das Römische Reich untergegangen ist. Eine solch einfache Argumentation ist unseriös und wird den komplexen Spuren, die unter anderem die Archäologie zeigen kann, nicht gerecht.