Interview

Masterthesis im Unternehmen: „Mehr Chancen am Arbeitsmarkt“

Jedes Jahr schreiben rund 15 Bachelor- und Masterstudenten ihre Abschlussarbeit beim Berliner Energieversorger Gasag. Ihr Betreuer berichtet.

Viele Ideen für die Abschlussarbeit entstehen, wenn man zuvor als Werkstudent in einem Unternehmen tätig war

Viele Ideen für die Abschlussarbeit entstehen, wenn man zuvor als Werkstudent in einem Unternehmen tätig war

Foto: OcusFocus / Getty Images/iStockphoto

Der Gruppenleiter für Energiepolitik und Nachhaltigkeit bei der Gasag, Klaus Wein, ist verantwortlich für Studierende, die ihre Bachelor- oder Masterthesis im Unternehmen erarbeiten. Mit ihm sprach Petra Lang.

Berliner Morgenpost: Herr Wein, immer mehr Studierende nutzen die Möglichkeit, ihre Abschlussarbeit in einem Unternehmen zu schreiben. Worin liegen die Vorteile?

Klaus Wein: Es gibt zwei entscheidende Vorteile für Studierende. Erstens: Sie können hier Theorie und Praxis gut miteinander verbinden. Und zweitens: Sie haben bessere Chancen bei späteren Bewerbungen. Bei der Gasag gibt es jährlich etwa 15 Studierende, die ihre Bachelor- oder Masterarbeit bei uns schreiben.

Die meisten sind bei uns auch als Werkstudenten beschäftigt und unterstützen unsere Kollegen zum Teil über mehrere Jahre. Aus dieser Zusammenarbeit ist schon so manche Idee für eine Abschlussarbeit entstanden. Außerdem bekommen die Studenten viel von der realen Arbeitswelt mit. Dazu gehört auch mal Termindruck oder Knies, also Unstimmigkeiten, mit den Kollegen.

Was hat der Arbeitgeber davon?

Für das Unternehmen bietet eine solche Abschlussarbeit die Möglichkeit, aktuelle Aufgaben bearbeiten zu lassen. Natürlich müssen die Fragestellung und das Thema der Arbeit für die Gasag interessant sein. Für die Studierenden ergibt sich daraus eine große Herausforderung, denn sowohl der wissenschaftliche Anspruch der Universität muss bedient werden, als auch der des Betriebs, der ja einen Nutzen aus der Arbeit ziehen möchte. Am Ende korrigiert und benotet jedoch die Universität die Arbeit. Das muss alles beachtet werden. Dafür ist eine gute Zusammenarbeit notwendig.

Werden die Studienabsolventen für ihre Arbeit im Betrieb entlohnt?

Ja, für alle guten und sehr guten Arbeiten gibt es eine Prämie. Viele der Bachelor- und Masterabsolventen werden dann ja meist auch noch als Werkstudenten entlohnt.

Schlagen die Studierenden eigene Themen vor, oder legen die Unternehmen die Themen fest?

Es ist generell möglich, dass sich Studenten mit eigenen Themen an die Unternehmen wenden. Das Thema muss natürlich zur jeweiligen Abteilung passen. Wir haben festgestellt, dass sich die meisten interessanten Fragestellungen für Abschlussarbeiten aus dem Arbeitsalltag der Abteilung heraus ergeben.

Wie muss die Zusammenarbeit sein, um ein gutes Ergebnis zu erzielen?

Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist vor allem eine gute und genau beschriebene Aufgabenstellung. Sie ist das A und O für eine erfolgreiche Arbeit und sollte den Bedürfnissen aller Beteiligten gerecht werden – denen des Studierenden, denen der Universität und des Unternehmens.

Es muss klar herausgearbeitet werden, wo die Schwerpunkte der Arbeit liegen. Welches Problem soll bearbeitet werden, welche Aufgabenstellung ergibt sich daraus und wie sollen Lösungen aussehen. Für die Studierenden ist die Zusammenarbeit mit Uni und Betreuer im Betrieb eine gute Übung, verschiedene Sichtweisen zu berücksichtigen. So, wie später im Berufsleben auch.

Wie haben Sie eigentlich ihren Studienabschluss gemacht?

Ich habe an der Technischen Universität eine eher theoretisch angelegte Arbeit geschrieben, quasi im Elfenbeinturm (lacht). Ich habe zwar auch einen praktischen Anteil in Form einer Befragung in meine Abschlussarbeit integriert, aber das Schreiben in einem Unternehmen wäre sicher viel interessanter gewesen.

Würden Sie heute wieder so entscheiden?

Na ja, wohl eher nicht. Die Einblicke ins Berufsleben, die man bekommt, wenn man in einem Unternehmen seine Abschlussarbeit schreibt, sind sehr wertvoll und bewahren einen vor dem Praxisschock. Und die Kontakte, die man als Werksstudent und/oder Absolvent knüpfen kann, sind oft wegweisend. Sie können die Chancen der Absolventen auf dem Arbeitsmarkt entscheidend verbessern.