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Bewerbungscoach: „Ich liebe es, Probleme zu lösen“

| Lesedauer: 6 Minuten
Andrea Pawlik
Bewerbungscoach Sven Emmrich hat die „Businesshelden“ gegründet

Bewerbungscoach Sven Emmrich hat die „Businesshelden“ gegründet

Foto: Sven Lambert

Der Berliner Sven Emmrich hat die Firma Businesshelden gegründet. Er coacht Bewerber und Berufstätige, die ihre Karriere voranbringen wollen.

Eigentlich wollte Sven Emmrich Psychologie studieren. Ihn fasziniert die Frage, was Menschen motiviert, warum jemand wie agiert. „Das stammt aus meiner Kindheit“, erzählt der 32-Jährige. Sein Vater sei sein großes Vorbild gewesen. „Nach der Trennung meiner Eltern habe ich mich gefragt: Was ist da passiert?“, erzählt der gebürtige Berliner. „Das war der Beginn einer autodidaktischen Herangehensweise.“

Inzwischen hat Emmrich sich auch der Neurobiologie zugewandt. „Wenn sich jemand verändert, etwa in einem Coaching, welche synaptischen Verknüpfungen entstehen dadurch im Gehirn?“, fragt er. „Solche Themen begeistern mich total. Ich kaufe Unmengen an Fachliteratur dazu.“

­Um tatsächlich Psychologie zu studieren, sei jedoch sein Abi­durchschnitt zu schlecht gewesen, gibt Emmrich freimütig zu. „Das führte mich dann zu Personalentwicklung und Personalmanagement, mein Schwerpunkt im BWL-Studium in Potsdam“, erzählt er. Auch Unternehmensmanagement wurde dort gelehrt – eine gute Vorbereitung auf seine eigene Firmengründung. Denn angestellt sein wollte Sven Emmrich nie.

Ein starkes Bedürfnis nach Autonomie

Schon als er während des Studiums jobbte, konnte er sich in der klassischen Hierarchie der Arbeitswelt nicht wiederfinden. „Ich habe einfach ein starkes Bedürfnis nach Autonomie“, sagt er. Dass Befehle richtig sein sollen, nur weil eine höher gestellte Person sie gibt, stellte er damals infrage und tut es heute noch.

Ein paar Mal habe er sich nach seinem Diplom-Abschluss im Jahr 2011 zwar beworben, erzählt Sven Emmrich. „Aber nur, um meinen Marktwert zu testen.“ Dann ging es ans Gründen – gemeinsam mit Horst Driever, einem erfahrenen Unternehmer, den Emmrich über einen Studentenjob kennenlernte. Driever besaß schon andere Dienstleistungsfirmen und suchte einen Kompagnon.

Schon die zweite Firmengründung

Auch für Emmrich ist das Coaching-Unternehmen Businesshelden die zweite Firma. „Wellness beginnt im Kopf“ hieß die erste, in der es um Workshops für Menschen ging, die ihrem Stress in Studium und Job etwas entgegensetzen wollen. „Tagsüber habe ich mich vor die Uni gestellt und Werbung gemacht, abends Workshops geleitet oder an meinem Youtube-Kanal gearbeitet“, erzählt Sven Emmrich.

Davon, sich nur um den Stress bei der Arbeit und beim Lernen zu kümmern, rückte er nach und nach ab. Mit den Businesshelden konzentriert er sich auf den Stress, den Menschen bei der Suche nach einem neuen – oder dem ersten – Job haben. Und darüber hinaus: „Mein Ansatz ist, ich will Leute ganzheitlich erfolgreich machen“, sagt Sven Emmrich. Job, Beziehung, Sport, er meint das ganze Programm.

Bewerbungscoaching gibt es auch gratis

Emmrichs Konzept, das er vor rund vier Jahren entwickelt hat, baut darauf auf, dass seine Kunden ihn und seine Dienstleistung erst einmal kennenlernen, bevor sie ihn bezahlen. Dafür gibt es das Modell „Gratis-Bewerbungs­coach“. Oft sind es Studenten, die sich persönlich, per Video-Chat oder im Rahmen eines Workshops seine Unterstützung holen.

Aber auch erfahrenen Berufstätigen steht das Angebot offen. „Wenn es den Leuten gefallen hat, nehmen sie oft weitere, kostenpflichtige Angebote in Anspruch“, erzählt Sven Emmrich. Fünf bis zehn Prozent seiner Klienten machten diesen Schritt.

In seinen Coachings geht er auf die gesamte Breite der Job- und Karrierethemen ein. Er hilft sowohl beim Bewerben als auch später, wenn man angestellt ist, bei der persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung. „Konfliktmanagement, Motivationskurse und Kommunikationstrainings gehören beispielsweise dazu“, sagt Emmrich. Bei ihm könnten Klienten beispielsweise lernen, frei vor einer Menschenmenge zu sprechen und erfolgreich zu netzwerken.

Videodreh im eigenen Studio

Der 32-Jährige ist mehr als zufrieden mit dem Geschäft. „Die Coachings werden unfassbar gut angenommen“, erzählt er. Nachdem er lange Zeit bis zu sieben Stunden am Tag gratis gecoacht hat, geht er gerade dazu über, vermehrt Videos einzusetzen. Die dreht er gemeinsam mit einem kleinen Team im eigenen Büro am Kaiserdamm. Dort haben die Businesshelden einen kleinen Raum zum Studio gemacht.

„Letzten Endes tauchen beim Bewerben immer wieder dieselben Fragen auf“, erklärt Emmrich. Daher lasse sich das Thema gut in Video-Tutorials vermitteln. Tiefer gehende Coaching funktionierten dagegen nur persönlich.

Dass er selbst kaum Erfahrungen als Bewerber oder Angestellter hat, sei für ihn beim Coaching kein Problem, sagt Sven Emmrich. „Es gibt Experten, die alles selbst erlebt haben, und es gibt Wegweiser, die den Menschen gut zuhören.“ Als solchen sieht er sich selbst. „Ich gehe nicht so verkopft an die Themen heran“, erklärt Emmrich. „Ich kann sagen: Diese drei Dinge brauchst du für dein Anliegen. Mehr zu lernen, wäre nicht besser.“ Außerdem könne ja jeder erst einmal gratis seine Beraterqualitäten testen.

Geplant ist, Lernpfade für die Klienten zu entwickeln

Das Unternehmen und seine Angebote entwickeln sich permanent weiter, sagt der Gründer. Sieben feste Mitarbeiter habe die Firmengruppe rund um die Businesshelden inzwischen. Bei Bedarf werden Freiberufler engagiert.

„Es gibt noch viele Themen, die sich in automatisierten Kursen vermitteln lassen“, sagt Sven Emmrich. Plan ist, Lernpfade aufzusetzen, Seminare, die aufeinander aufbauen. „Und ich möchte ambitionierte Leute in virtuellen Teams vernetzen“, sagt der Gründer, der noch unzählige Ideen hat, die er verfolgen will.

Sein Antrieb? „Ich liebe es, Probleme zu lösen“, sagt Sven Emmrich. Sein eigener Stresslevel sei übrigens sehr gering. „Bei mir sind private und berufliche Rolle im Einklang“, erzählt er. „Ich habe wenig Stress, weil ich nicht das Gefühl habe, dass mir Lebenszeit abgekauft wird.“